Mexiko Forscher bangen um Monarchfalter

Jedes Jahr fliegen Abermillionen Monarchfalter aus den USA und Kanada in die Winterquartiere nach Mexiko. Damit könnte es bald vorbei sein, fürchten Umweltschützer. Der Bestand der Schmetterlinge ist drastisch geschrumpft.

Monarchfalter in Mexiko: Gefährdeter Langstreckenflieger
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Monarchfalter in Mexiko: Gefährdeter Langstreckenflieger


Monarchfalter gehören zu den Langstreckenfliegern unter den Insekten. Mehr als 4000 Kilometer legen die Riesenschwärme der bunten Schmetterlinge jedes Jahr zurück, wenn sie durch Nordamerika in ihr Winterquartier fliegen. Doch die Zahl der Monarchfalter ist drastisch zurückgegangen.

Nur noch sieben Kolonien der orange-rot gezeichneten Schmetterlinge auf insgesamt nicht einmal 0,7 Hektar seien diesen Winter in Zentralmexiko gezählt worden, teilte der WWF Deutschland (World Wide Fund for Nature) jetzt mit. Schon im vergangenen Jahr war die Population der Schmetterlinge so klein wie nie zuvor, nun ist sie nochmals um fast die Hälfte geschrumpft. Und das innerhalb von nur zwölf Monaten.

Im Herbst fliegen gewöhnlich Abermillionen Monarchfalter der Art Danaus plexippus aus Kanada und den USA in ihre warmen Winterquartiere im bewaldeten Hochland von Mexiko. Dabei legen sie in mehreren Generationen über 4000 Kilometer zurück. Wie genau die Schmetterlinge ihr Ziel finden, ist nach wie vor nicht genau geklärt.

"Mit der massenhaften Wanderung der hübschen Falter könnte es bald vorbei sein", sagt Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. "Die Welt würde ein wunderbares Naturphänomen verlieren."

Symbol für verstorbene Seelen

Seit Beginn der Zählungen 1993 hätten noch nie so wenige Falter Mexiko erreicht, sagt Homes. Die Zahlen schwankten zwar von einem Jahr zum anderen - sinken aber in der Tendenz deutlich. Früher sei die Zahl der Falter so gewaltig gewesen, dass sich Äste von Kiefern, Tannen und Zypressen unter ihrem Gewicht bogen.

Im Winter 2010/11 fanden Umweltschützer in Zentralmexiko nur noch gut vier Hektar mit Monarchfalter-Kolonien. Im Jahr danach waren es noch knapp 1,2 Hektar - Negativrekord. In diesem Winter waren es sogar nur noch 0,67 Hektar.

Der WWF macht vor allem die intensive Landwirtschaft für den Rückgang verantwortlich. In den USA und Kanada, wo die Falter im Sommer leben, seien viele Brachflächen in Acker-Monokulturen umgewandelt worden. Seidenpflanzen, die Hauptnahrung der Raupen, würden durch die dabei verwendeten Pestizide nicht mehr wachsen. "Wir brauchen auch auf den Äckern Rückzugsräume für wildlebende Tiere und Pflanzen, sonst gehen bei vielen Arten bald die Lichter aus", sagt Homes.

Erst Mitte Februar hatten 150 Schmetterlingsforscher, Schriftsteller und Künstler einen besseren Schutz des Monarchfalters gefordert. In einem Schreiben an die Regierungschefs von Kanada, Mexiko und den USA forderten sie mehr Schutz und einen Korridor entlang der gesamten Route der Schmetterlinge. Zu den Unterzeichnern der Petition zählten etwa der US-Schriftsteller Paul Auster oder der schwedische Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer.

Die tierische Massenmigration habe in Mexiko auch eine kulturelle Bedeutung, so der WWF: Für die Mexikaner symbolisiere sie die Rückkehr der verstorbenen Seelen und werde ausgiebig gefeiert.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, der Schwede Tomas Tranströmer sei Norweger. Diesen Fehler haben wir korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

khü/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
meinkakadu 24.02.2014
1. Wieviele Schmetterlinge haben Sie letzten Sommer gesehen?
Nein! Was wir brauchen ist noch mehr Genmais und andere genveränderte Pflanzen, die noch mehr Pestizide vertragen, Damit auch noch der letzte wildwachsende Halm verschwindet! Deutschland hat dafür gerade der EU den Weg geebnet. Auch hier haben wir Agrarwüsten und Waldplantagen in denen Wildtiere kaum noch etwas finden. Schmetterlinge keine Blüten, Vögel keine Insekten und Hasen keine Wildkraüter. Alles totgespritzt. Wälder flächenweise abgeholzt. Das Ende der Monarchfalter wäre ein Fanal. Bei uns findet das Verschwinden unserer einheimischen Arten in aller Stille statt.
bssh 24.02.2014
2. Traurig
Ich lebe auf dem Land und sehe noch einige Schmetterlingsarten, aber es sind sehr viel weniger als in meiner Jugend. Traurig ist aber doch, dass viele, insbesondere in der Stadt, gar nicht merken, was verloren geht. Wer hat schon mal Lerchen gehört, Laubfrösche gesehen, Rebhühner? Die Menschheit geht einen falschen Weg und die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft merken es nicht oder es ist ihnen egal. "Deutschland geht es gut" (Merkel). Selbst wenn das so wäre, was ich sehr bezweifele, denn wer ist Deutschland? etwa nur die Oberschicht, die in den letzten Jahren profitiert hat? Was ist mit dem Rest der Welt? Wie gut kann es uns gehen, wenn es anderswo schlecht aussieht? Und ob es der Natur in Deutschland gut geht?
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