Fund im Golf von Mexiko: Der Hai mit dem Doppelkopf

Fund im Golf von Mexiko: Ein Hai, zwei Köpfe Fotos
Michael Wagner

Zwei Köpfe, zwei Herzen, ein Hinterleib: Im Golf von Mexiko haben Fischer einen missgebildeten Hai-Fötus entdeckt. Wissenschaftler haben das Tier nun untersucht, ihren Angaben zufolge ist es das erste Mal, dass man so eine Fehlbildung bei einem Bullenhai gesehen hat.

Im Golf von Mexiko, nahe Florida, haben Fischer einen zweiköpfigen Bullenhai aus dem Wasser gezogen - oder besser gesagt: seine Mutter. Neben mehreren normal geformten kleinen Haien, die sie lebend zurück ins Wasser warfen, entdeckten sie im Bauch des trächtigen Hais den zweiköpfigen Fötus. Kurz nachdem die Nabelschnur durchtrennt wurde, starb der Nachwuchs. Die Fischer übergaben ihn Wissenschaftlern.

US-Biologen haben den ungewöhnlichen Fötus nun untersucht, wie sie im "Journal of Fish Biology" berichten. Ihren Angaben zufolge ist es das erste Mal, dass man einen Bullenhai-Fötus mit zwei Köpfen entdeckt hat. Bei mehreren anderen Hai-Arten seien Einzelfälle beschrieben worden.

Der Bullenhai hat nicht nur zwei Köpfe, sondern auch zwei Herzen und sogar vier Rückenflossen, von denen eine allerdings verkümmert ist. Von Kopf bis Schwanz misst das Tier 31 beziehungsweise 30 Zentimeter - neugeborene Bullenhaie sind zwischen 50 und 68 Zentimeter lang. Während beide Köpfe gut entwickelt sind, ist der hintere Leib ungewöhnlich klein.

Die Zweiköpfigkeit - Dizephalie - beruht auf einer Störung in der Embryonalentwicklung. Eine befruchtete Eizelle teilt sich, so dass eineiige Zwillinge entstehen, diese Teilung verläuft aber nur unvollständig. In Folge entwickeln sich einige Organe und Körperteile doppelt, einige nur einmal. Bei Menschen spricht man von siamesischen Zwillingen.

Solche Fehlbildungen sind bei vielen Arten dokumentiert. In verschiedenen Zoos sind zweiköpfige Schlangen ein Publikumsmagnet. Ebenso gibt es Fälle zweiköpfiger Schildkröten, Katzen oder Rinder.

Bei Wildtieren beobachten Biologen die Entwicklungsstörung wohl vor allem seltener, weil die Tiere in der Natur kaum überlebensfähig sind. Auch der Bullenhai hätte sich kaum als erfolgreicher Jäger ernähren können.

Es lässt aufhorchen, dass die Fischer das Tier im April 2011 im Golf von Mexiko fanden - ein Jahr nach der "Deepwater Horizon"-Katastrophe, bei der Millionen Liter Öl in den Golf geströmt waren.

Es damit zu erklären, sei verlockend, schreibt auch das Forscherteam um Michael Wagner von der Michigan State University. Schließlich gebe es zunehmend Berichte über Fehlbildungen bei Fischen, die der Ölkatastrophe ausgesetzt waren. Allerdings könnte man bei einem einzigen missgebildeten Fötus, der nach Aussagen der Fischer zudem gesunde Geschwister hatte, wissenschaftlich schlicht nicht belegen, dass das Öl im Golf die Fehlbildung verursacht hat.

wbr

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