Himmelsphänomen Wetterforscher liefern neue Erklärung für Munchs "Der Schrei"

Es ist eines der berühmtesten Gemälde der Welt - und besonders rätselhaft: Warum malte Edvard Munch feurige Wellen in seinem Bild "Der Schrei"? Ein seltenes Himmelsspektakel könnte ihn erschreckt haben.

DPA

Aus Wien berichtet


"Ich ging mit zwei Freunden die Straße entlang - dann ging die Sonne unter. Der Himmel wurde plötzlich blutrot, und ich fühlte einen Schauer von Traurigkeit. Einen drückenden Schmerz in meiner Brust". So beschrieb der norwegische Maler Edvard Munch jenen Zustand, den er in dem berühmten Bild "Der Schrei" umsetzte.

"Ich hielt an, lehnte mich an einen Zaun, denn ich war todmüde. Über dem blauschwarzen Fjord und der Stadt lag Blut in Feuerzungen. Meine Freunde gingen weiter - und ich wurde zitternd vor Angst zurückgelassen. Und ich fühlte, dass ein gewaltiger unendlicher Schrei durch die Natur ging."

Hatte Munch damals in Oslo, wie Kunsttheoretiker glauben, in seinem Gemälde sein Innerstes nach außen gekehrt? Eine Angst vor dem Leben oder dem Tod? War "Der Schrei" also ein Bildnis seines Seelenzustands? Oder gab es äußere Anlässe für das Werk?

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"Der Schrei": Haben Wolkenphänomene Edvard Munch inspiriert?

Tatsächlich hätte es diese gegeben haben können, meinen Meteorologen schon länger. Munchs "Schrei" sei wahrscheinlich inspiriert von einem Abbild des Himmels, denn eine gigantische Aschewolke, die der Vulkan Krakatau in Indonesien 1883 um die Welt verteilte, habe das Sonnenlicht über einige Jahre rötlich schimmern lassen. Deshalb könnte der Maler sein "Blut in Feuerzungen" tatsächlich am Himmel gesehen haben.

Allerdings ereignete sich der Ausbruch neun Jahre bevor Munch sein Gemälde angeblich gemalt hat. Und noch eine Sache passte nicht ganz zum vulkanisch gefärbten Himmel: Munch malte dramatische, rote Wellen - Aschepartikel an der Grenze zum Weltraum aber schimmern im Sonnenuntergang als ebener, rötlicher Film.

Neue Erklärung

Jetzt präsentieren Meteorologen eine neue Erklärung: Eine besondere Wolkenart habe den Himmel über Oslo gefärbt und Munch so tiefgreifend beeindruckt. Perlmuttwolken, die selten und nur im Winter in hohen Breiten in rund 20 Kilometer Höhe erscheinen können, ähnelten den von Munch dargestellten Himmelswellen, berichtet eine norwegische Forschergruppe.

Perlmuttwolken über Oslo im Dezember 2014
Svein M. Fikke

Perlmuttwolken über Oslo im Dezember 2014

Munchs Erschrecken lasse sich besser mit Perlmuttwolken erklären, sagte Helene Muri von der Universität Oslo auf der Jahrestagung der European Geosciences Union (EGU) in Wien, die dort am Montag das Ergebnis einer Forschergruppe um ihren Kollegen Svein Fikke vorgestellt hat.

Der vulkanische Himmel, erklärte Muri, wäre in jener Zeit nichts Besonderes gewesen, der Ascheschleier hielt sich nach dem Ausbruch des Vulkans ungefähr zwei Jahre. Perlmuttwolken hingegen bekämen die meisten Menschen nie zu sehen, so selten sei das Phänomen. Entsprechend starken Eindruck dürften sie hinterlassen; die Forscher sprechen von "schreienden Wolken".

"Warum müssen sie für Unordnung sorgen?"

Perlmuttwolken entstehen, wenn das Licht der soeben untergegangenen oder gleich aufgehenden Sonne einen dünnen Schleier winziger Kristalle hoch am Himmel anstrahlt. Etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang und bei Sonnenaufgang erlischt der Glanz: Entweder die Nacht setzt ein, oder die Sonne steht am Himmel und überstrahlt die Perlmuttwolken - sie werden unsichtbar.

Die Kristallschleier bilden sich nur bei extremer Kälte im Winter, wenn Aufwinde kleine Tröpfchen in die Stratosphäre heben, die dort gefrieren. Solche Winde entstehen am ehesten am Gebirge. Allerdings bilden sich dort häufig auch normale Wolken, die den Blick auf Perlmuttwolken versperren.

Die neue Theorie dürfte für Furore sorgen, wie das Erstaunen einer Journalistin auf der EGU-Tagung in Wien zeigte: "Warum", fragte sie Muri barsch, "müssen Sie noch mehr Unordnung in die Sache bringen?"

Die Forscherin antwortete gelassen: "Es ist unser Job, Dinge zu hinterfragen." Kunstexperten oder Psychologen könnten ja ihre eigene Interpretation des berühmten Gemäldes suchen. Als Naturwissenschaftlern seien ihnen jedoch diese erstaunlichen Übereinstimmungen zwischen Natur und Kunstwerk aufgefallen.

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insgesamt 17 Beiträge
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blitzunddonner 24.04.2017
1. oder abendrot?
oder abendrot?
cherrypicker 24.04.2017
2. Nette Theorie ...
... die nur leider an zwei Stellen nicht mit der Geschichte zusammenpasst: 1. Munchs Erlebnis hat sich laut seinen Tagebucheinträgen im Frühsommer abgespielt. Da wäre es aber für die Entstehung von Perlmuttwolken schon zu warm gewesen. 2. Es gibt mindestens vier Versionen des Bildes, die in einem Zeitraum von fast 20 Jahren entstanden, daneben existieren mehrere Studien in schwarz-weiß. In der ersten Farbversion war der Himmel nicht bunt, sondern eher verwaschen. Erst in späteren Versionen malte Munch den Himmel in schreienden Farben. Das schließt natürlich nicht aus, dass der Künstler zu irgendeinem Zeitpunkt in der langen Entstehungsgeschischte des Motivs Perlmuttwolken gesehen hat. Den ersten Anstoß gaben sie aber wohl nicht.
syldron 24.04.2017
3. Eher unwahrscheinlich
WIr hatten unmittelbar vor Neujahr mehrere Tage hintereinander Perlmuttwolken am Himmel. Dass diese auf jemanden beängstigend wirken, kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen.
bienchen-maja 24.04.2017
4. Wetterforscher
Die Wetterforscher sollten einmal unter dem Stichwort "Expressionismus" nachschlagen ... .
Sabin Chen 24.04.2017
5. Herrje
dieses Gemälde ist in seiner Gänze wellenförmig. Oder glauben die lieben Forscher, unser Künstler stand exakt SO schlangenförmig auf der Brücke? Mag ja sein, der Himmel war von Asche blutrot - es müssen aber keine Wellen gewesen sein, sie sind Teil von Munchs Stil und der Zeit des Expressionismus. So - ich habe fertig.
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