Artenschutz: Der hoffnungslose Kampf des Affen-Retters

Aus Hanoi berichtet Thilo Thielke

Brandrodung, Umweltverschmutzung, erbarmungslose Jagd: In Asien sind zahlreiche Affenarten vom Aussterben bedroht. Ein Deutscher kämpft mitten im Urwald für das Überleben der seltenen Primaten - doch selbst er glaubt kaum noch an ihr Überleben.

Vietnam: Affenrettung im Nationalpark Fotos
Thilo Thielke

Endlich mal wieder eine Erfolgsgeschichte. Tilo Nadler lächelt. Das Affenbaby aber klammert sich ängstlich am Safarihemd des Deutschen fest, unruhig wandern seine brikettschwarzen Augen hoch zu Nadlers Vollbart, taxieren die buschigen grauen Augenbrauen. Es weiss noch nicht, dass es jetzt erst einmal in Sicherheit ist. Vor ein paar Wochen wäre es fast krepiert.

Der kleine Affe, kaum dreieinhalb Monate alt, gehört zur Spezies Pygathrix cinerea, einer Primatenart aus der Gruppe der Schlankaffen. Wegen seines grauen Rückenfells wird er auf Deutsch auch Grauer Kleideraffe genannt. Es gibt nicht mehr viele dieser im vietnamesischen Hochland beheimateten Tiere, vielleicht ein paar hundert. Nadler hatte sie Mitte der neunziger Jahre als erster entdeckt. Doch sie gelten als hochgradig gefährdet. In ein paar Jahren könnte die Art schon ausgestorben sein.

Das Affenbaby, das Nadler jetzt auf dem Arm hat, wurde gemeinsam mit seiner Mutter bei Wilderern konfisziert und dann ins "Endangered Primate Rescue Center" im Norden Vietnams gebracht. Die Frankfurter Zoologische Gesellschaft unterhält diese Rettungsstation mitten im Urwald, und Nadler ist ihr Chef - der Vater der Affen gewissermaßen.

Baby und Muttertier befanden sich in erbärmlichen Zustand, als sie kamen. Lange mussten die deutschen Dschungelärzte um das Überleben der Tiere bangen. Doch nun nehmen die beiden wieder Nahrung zu sich. Wenn alles gutgeht, können sie irgendwann ausgewildert werden - auch wenn es bis dahin noch ein langer Weg ist, eine Sisyphusarbeit.

Eine Zeit der Euphorie

Seit 1993 lebt Nadler, 70, schon hier am Rande des Cuc-Phuong-Nationalparks. Damals hatte er die Rettungsstation aufgebaut, Park-Ranger geschult, versucht, das Management des Nationalparks zu verbessern. Ziel war es, die letzten Delancour-Languren, ein andere bedrohte Affenart, vor dem Aussterben zu bewahren. Das von den Kommunisten ziemlich heruntergewirtschaftete Vietnam öffnete sich damals langsam nach Westen.

Es war eine Zeit der Euphorie. Und Nadler, der studierte Klimatechniker aus Dresden, der schon viel von der Welt gesehen, sogar als Mitglied einer sowjetischen Expedition zwei Jahre in der Antarktis gelebt hatte, glaubte endlich, eine neue Aufgabe und ein neues Zuhause gefunden zu haben.

Schnell wuchs das Zentrum. Die Ranger konfiszierten immer mehr Tiere, also musste Platz geschaffen, mussten Käfige und Gehege gebaut werden. Mittlerweile beherbergt Nadlers Mannschaft 150 Affen, diese gehören 15 Unterarten an, von denen sechs nur hier im Rescue Center vorkommen. Alle sind hochgradig vom Aussterben bedroht. In Nadlers Zentrum soll nun eine Gefangenschaftspopulation aufgebaut werden, und irgendwann, so die Hoffnung, sollen alle Affen wieder in die freie Wildbahn zurückgebracht werden.

20 Gibbons getötet, um einen zu fangen

Doch der Erfolg der Ranger offenbarte auch das Elend der Tiere. Viele der beschlagnahmten Kreaturen befanden sich in einem derart schlechten Zustand, dass sie nicht lange überlebten. Befragungen der Wilderer ließen die Dimension des Massensterbens zumindest schemenhaft erkennen. "Die Wilderer erzählten uns, dass sie für jedes Gibbonbaby, das sie lebend fangen und dann als Haustier verkaufen können, im Schnitt 20 Tiere töten", sagt Nadler.

Die meisten anderen Affenarten aber landen direkt in den Kochtöpfen der Vietnamesen, denen Affenfleisch als Delikatesse gilt. Nadler: "Viele Vietnamesen, die unseren Nationalpark besuchen, fragen nachher, wo sie denn die Tiere essen können, die sie gerade gesehen haben." Hoffnung, dass das Experiment Artenschutz in Vietnam doch noch gelingt, hat Nadler deshalb wenig. Die Wirtschaft des Landes boomt, und wer in Vietnam Geld hat, verlangt nach exotischen Speisen. Die Regierung tut wenig, um die Tiere zu beschützen. Und neugebaute Straßen machen noch den letzten Winkel des tropischen Landes den Wilddieben zugänglich.

"Die Lage im Park ist hoffnungslos", sagt Nadler. Bleiben will er dennoch. Er hat in Vietnam geheiratet und zwei Söhne, Khiem und Heinrich. Illusionen aber hat er nicht mehr. Wenn seine beiden Söhne groß sind, werden die meisten vietnamesischen Affenarten ausgerottet sein.

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1.
KARTOFFELACKER 12.05.2012
Tja,das ist wirklich schade. Viele Suedostasiaten haben gar kein Bewusstsein fuer die Natur und denen ist's auch vollkommen egal, wenn der Urwald mit den Affen irgendwann verschwunden ist. Sie durchleben den gleichen Entwicklungsprozess wie die Europaeer vor vielen Jahren. In Deutschland gibt es auch keinen Urwald mehr und viele Tiere sind auch schon nicht mehr da. Schade nur,dass es fuer unsere Erde schon kurz vor 12 ist! Aber wer ist schon in der Lage die Leute dort in kuerze auf unser Bewusstseinsniveau zu hieven, damit der Regenwald mit seiner einmaligen Population doch noch gerettet werden kann?
2. Essen in Asien
Niamey 12.05.2012
Zitat von sysopThilo ThielkeBrandrodung, Umweltverschmutzung, erbarmungslose Jagd: In Asien sind zahlreiche Affenarten vom Aussterben bedroht. Ein Deutscher kämpft mitten im Urwald für das Überleben der seltenen Primaten - doch selbst er glaubt kaum noch an ihr Überleben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,832440,00.html
In Asien wird fast jedes Tier gegesen, dass nicht bei Drei auf dem Baum ist. Egal ob Weichpanzerschildkröten, Larven, Hunde, Affenhirne, Skorpione, Seegurke etc. Diese Gesellschaft ändern wir nur wenn wir sie boykottieren. Also über das Geld! Leider macht da unsere geldgeile Wirtschaft nicht mit. Warten wir ab bis alles den Bach runter geht!
3. auf unser Bewusstseinsniveau zu hieven?
spiekla 12.05.2012
Zitat von KARTOFFELACKERTja,das ist wirklich schade. Viele Suedostasiaten haben gar kein Bewusstsein fuer die Natur und denen ist's auch vollkommen egal, wenn der Urwald mit den Affen irgendwann verschwunden ist. Sie durchleben den gleichen Entwicklungsprozess wie die Europaeer vor vielen Jahren. In Deutschland gibt es auch keinen Urwald mehr und viele Tiere sind auch schon nicht mehr da. Schade nur,dass es fuer unsere Erde schon kurz vor 12 ist! Aber wer ist schon in der Lage die Leute dort in kuerze auf unser Bewusstseinsniveau zu hieven, damit der Regenwald mit seiner einmaligen Population doch noch gerettet werden kann?
nur dass nicht! Tiere benötigen keine Schutzmassnahmen, sondern nur Platz. Mehr Menschen = weniger Platz für Tiere. Auch der Hinweis auf Naturvölker ist falsch, denn diese betreiben Raubbau und ziehen dann weiter. Die Natur funktioniert nur quantitativ, niemals qualitativ = aus "menschlicher" Sicht völlig moralfrei.
4.
Hugh 12.05.2012
---Zitat--- Das von den Kommunisten ziemlich heruntergewirtschaftete Vietnam öffnete sich damals langsam nach Westen. ---Zitatende--- Ach ja? dass das Land gut Hundert Jahre lang von nichtkommunistischen Nationen besetzt und/oder mit Krieg überzogen und fast in die Steinzeit gebombt wurde und damit herunter gewirtschaftet wurde, findet der Autor nicht erwähnenswert? Nur die dazu relativ kurze Zeit, die die Kommunisten das Land regieren? Schon vergessen, dass der vom Westen gestützte "Kaiser" Bao Dai Vietnam als feudales Großwild-Jagdrevier für sich und seine westlichen Freunde nutzte? Ganz davon zu schweigen davon, was die USA mit Napalm und Agent Orange anrichteten. ---Zitat--- About 17.8% (3,100,000 ha) of the total forested area of Vietnam was sprayed during the war, which dramatically disrupted ecological equilibrium. Furthermore, the persistent nature of dioxins, erosion caused by loss of protective tree cover, and loss of seeding forest stock, meant reforestation was difficult or impossible in many areas ---Zitatende--- aus Wikipedia Und damit hat die Beschränkung des Lebensraums der Affen wirklich gar nichts zu tun, nur mit dem "Herunterwirtschaften" durch die Kommunisten? Sicher, die Lage ist ein Desaster, aber dies nur den Kommunisten in die Schuhe zu schieben ist einfach nur billig.
5. der politische Wille fehlt
MtSchiara 12.05.2012
Zitat von KARTOFFELACKERTja,das ist wirklich schade. Viele Suedostasiaten haben gar kein Bewusstsein fuer die Natur und denen ist's auch vollkommen egal, wenn der Urwald mit den Affen irgendwann verschwunden ist. Sie durchleben den gleichen Entwicklungsprozess wie die Europaeer vor vielen Jahren. In Deutschland gibt es auch keinen Urwald mehr und viele Tiere sind auch schon nicht mehr da. Schade nur,dass es fuer unsere Erde schon kurz vor 12 ist! Aber wer ist schon in der Lage die Leute dort in kuerze auf unser Bewusstseinsniveau zu hieven, damit der Regenwald mit seiner einmaligen Population doch noch gerettet werden kann?
Urwald wächst in Deutschland neuer nach, zum Beispiel im Bayerischen Wald oder an der ehemaligen thüringischen Zonengrenze. Schade ist es nur um die endgültig ausgerotteten Arten. Mit wie wenig Arten der Mensch und die Natur auskommen können, ist unbekannt. Es ist vor allem schade um den Reichtum und die Schönheit der Erde. Das ist eine Frage des politischen Willens. Mit entsprechenden Kontrollen, entsprechend harten Strafen und entsprechender Aufklärung in Schule und Fernsehen ließe sich der Urwald schon schützen. Die Uno oder Europa könnten dies durch Finanzhilfen und Überzeugungsarbeit unterstützen. Leider ist die Verwaltung vieler asiatischer Länder ziemlich korrupt, was die Umsetzung erschweren könnte. Ein Geschäftsmodell, bei dem durch Urwaldtouristen Geld verdient wird, könnte hier vielleicht eine Lösung sein.
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