Wetterbilanz: Der Juli war besser als sein Ruf

Hassgesänge und höhnische Witze wurden auf den Juli gedichtet - aber war das Wetter in diesem Monat bislang wirklich so schlecht? Wetterdaten zeigen deutliche regionale Unterschiede.

Getreidefeld bei Lauterbach (am 12. Juli): Sonne, Wind und Regen Zur Großansicht
dapd

Getreidefeld bei Lauterbach (am 12. Juli): Sonne, Wind und Regen

Hamburg/Offenbach - Viele Deutsche verfluchen diesen Sommer: Zu nass, zu kalt, zu dunkel - so lautet die Bilanz. Was aber sagen Meteorologen? Die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) fällt nicht so eindeutig aus.

Der Juli sei bislang immerhin wärmer gewesen als normalerweise in den Jahren 1961 bis 1990, der international üblichen Vergleichsperiode für Meteorologie. Verglichen mit den Julis der Jahre 1981 bis 2010 aber sieht es anders aus: Da war dieser Juli bislang um knapp ein Grad kälter als normal, sagt Gerhard Müller-Westermeier vom DWD.

Besonders kühl sei es im Westen der Republik gewesen. In Süddeutschland hingegen war es sogar anderthalb Grad wärmer als in den vergangenen 30 Jahren im Juli üblich.

Auch beim Niederschlag gab es deutliche regionale Unterschiede: Im Osten sei weitenteils bereits doppelt so viel Regen gefallen wie sonst im ganzen Monat, sagt Müller-Westermeier. Im Süden hingegen regnete es weniger als in den Vorjahren.

Bei Gewittern ist das Maß voll

Beim Sonnenschein kamen besonders die Küsten gut weg - trotz der windigen Regenphasen: Dort seien bereits zur Monatsmitte 60 Prozent der im Juli üblichen Sonnenstunden gemessen wurden, berichtet Müller-Westermeier. Finster blieb es hingegen in den nördlichen Mittelgebirgen, wo erst ein Drittel des Monatssolls an Sonnenschein registriert wurde - obwohl die Hälfte des Julis bereits vorbei ist.

Bei den Gewittern ist das Maß bereits voll: Deutschlandweit gab es dem DWD zufolge vier Gewittertage - so viel wie sonst im ganzen Monat. Im Osten des Landes gab es sogar an mehr als jedem zweiten Tag in diesem Juli Blitz und Donner - bereits elf Tage mit Gewitter wurden dort verzeichnet. Der Südosten gilt ohnehin als Deutschlands Gewitterhochburg.

Die weiteren Aussichten lassen hoffen: In den nächsten Tagen wird es laut Deutschem Wetterdienst landesweit wärmer und sonniger. Ob sich das Wetter aber bis zum Monatsende hält, lasse sich noch nicht vorhersagen.

boj

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Der schönste Juli seit Jahren...
grumpy-berlin 20.07.2012
..endlich mal ein Juli wo man angenehm schlafen konnte, keine Mücken....man konnte aktiv sein, mit oder ohne Sonnenschirm...von den paar schwülen Tagen abgesehen auch nicht schwitzen...Die Fenster konnte man auch geschlossen halten und musste nicht das Leben der ganzen Nachbarschaft mitleben...und das klatschen des Regens an den Fenstern hatte auch etwas Meditatives...In der Wahrnehmung vieler ist ein Sommer mit 25 Grad eine Zumutung...Sogenanntes "Grill-und Badewetter" scheint bei den Wetterdiensten eh nur ab 30 Grad zu gelten...Ich danke jedenfalls jeden Tag der die 25 Grad nicht überschreitet...
2. So ein Quatsch!
bitboy0 20.07.2012
Für das Gefühl "zu warm" oder "zu kalt" zählt doch nicht ein mathematischer Durchschnitt der Temperaturen! Wenn es Nachts schön kühl ist und Tags sonnig und warm dann ist das Empfinden WARM ... und wenn es Tags und Nachts trüb ist und nicht richtig kalt oder warm dann belibt eben KALT hängen. Tatsache ist: Leute laufen im JULI mit dem Pulli herum, dann ist es wohl nicht warm, oder????
3.
meinmein 20.07.2012
Zitat von sysopdapdHass-Gesänge und höhnische Witze wurden auf den Juli gedichtet - aber war das Wetter in diesem Monat bislang wirklich so schlecht? Wetterdaten zeigen deutliche regionale Unterschiede. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,845533,00.html
In der Ceaucescu-Diktatur wurde das Wetter auch schöngeredet, damit die Leute bei Laune blieben und man so Energieengpässen vermeiden konnte. Es haben trotzdem alle gemerkt, dass es in Wirklichkeit kälter war. Die Lüge ist ja heutzutage Teil der Verkaufsstrategie, aber wenn sie so dreist daherkommt, schnallt's auch der Dummie.
4.
quabah 20.07.2012
Wie werden sehen ob im WSW eher Tops oder Gummstiefel verramscht werden
5. yo
Layer_8 20.07.2012
Zitat von grumpy-berlin..endlich mal ein Juli wo man angenehm schlafen konnte, keine Mücken....man konnte aktiv sein, mit oder ohne Sonnenschirm...von den paar schwülen Tagen abgesehen auch nicht schwitzen...Die Fenster konnte man auch geschlossen halten und musste nicht das Leben der ganzen Nachbarschaft mitleben...und das klatschen des Regens an den Fenstern hatte auch etwas Meditatives...In der Wahrnehmung vieler ist ein Sommer mit 25 Grad eine Zumutung...Sogenanntes "Grill-und Badewetter" scheint bei den Wetterdiensten eh nur ab 30 Grad zu gelten...Ich danke jedenfalls jeden Tag der die 25 Grad nicht überschreitet...
Genauso ist es! Berlin und Brandenburg verwandeln sich diesen Sommer wohl nicht in eine Steppe, wo alle Blaubeeren schon vor der Reife vertrocknen, so wie in den gefühlten letzten 10 Jahren geschehen. Das Wetter hier ist momentan eine Wohltat für Leute, welche in den offiziellen Sommerferien arbeiten müssen. Wenn ich im November Urlaub hab, kann ich immernoch ins Death Valley oder ähnliche Gegenden fahren
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