Tierexperimente Zahl der Versuchstiere in Deutschland leicht gesunken

Fast drei Millionen Wirbeltiere wurden 2013 in wissenschaftlichen Experimenten eingesetzt - 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Landwirtschaftsminister Schmidt spricht von einer Trendwende, doch Kritiker widersprechen prompt.

Labormaus (Archivbild): 87 Prozent der Versuchstiere sind Nager
dpa

Labormaus (Archivbild): 87 Prozent der Versuchstiere sind Nager


Berlin - Es ist ein kleiner Rückgang - und entsprechend umstritten ist seine Bedeutung. Für Forschungsversuche seien 2,7 Prozent weniger Tiere verwendet worden als 2012, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Demnach wurden in Deutschland im Vorjahr 2.997.152 Wirbeltiere in Tierversuchen und für andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt.

Die Erfassung war unabhängig von der Schwere des Eingriffs an den Tieren - die Bandbreite reichte von Blutentnahmen bis hin zu Operationen und Medikamententests. Über 87 Prozent der Versuchstiere waren den Angaben zufolge Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten. Bei sieben Prozent handelte es sich um Fische - mit steigender Tendenz: Hier meldete das Ministerium im Vergleich zu 2012 eine Zunahme von 22 Prozent. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass bei der biologischen Grundlagenforschung sowie bei toxikologischen Tests und Sicherheitsprüfungen vermehrt auf Fische zurückgegriffen werde.

Die Zahl der für Versuche eingesetzen Affen und Halbaffen lag den Angaben des zuständigen Ministeriums zufolge bei 2165 und damit in etwa im Durchschnitt der vergangenen 14 Jahre seit Einführung der amtlichen Meldestatistik in ihrer jetzigen Form. Menschenaffen werden demnach in Deutschland schon seit 23 Jahren nicht mehr für wissenschaftliche Tests verwendet.

Trendwende oder Schönfärberei?

Den Rückgang der Gesamtzahl von 2,7 Prozent bezeichnete Minister Schmidt als "Trendwende", die "in die richtige Richtung" weise. Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" spricht dagegen von "Schönfärberei" und "sieht keineswegs einen Trend bestätigt, zumal die Veröffentlichung der umfassenden Versuchstierstatistik bislang nicht einmal erfolgt ist". Trotz des leichten Gesamtrückgangs könnte sich herausstellen, dass "qualvolle Versuche in manchen Bereichen geklettert" seien.

Tierschützer kritisieren die Versuche immer wieder, zuletzt wegen der Vergabe des Nobelpreises für Medizin. Sie fordern Alternativen, bei denen keine Tiere zu Schaden kommen. Auch das Ministerium unterstütze entsprechende Forschungsprojekte, hieß es. "Wir müssen noch mehr Alternativen zu den Tierversuchen entwickeln", sagte Schmidt.

Ab dem kommenden Jahr wird sich die Erfassung deutlich verändern, weil eine neue Versuchstiermeldeverordung der EU in Kraft tritt. Dann werden auch weitere Arten wie etwa wirbellose Larven erfasst, was die Gesamtzahlen nach Einschätzung des Ministeriums stark steigen lassen wird. Die künftigen Daten seien aber nur "sehr eingeschränkt" mit den alten vergleichbar.

hda/AFP

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
indy555 01.12.2014
1. Nur sterben will keiner dieser Kritiker freiwillig!
Ohne Tierversuche wäre meine Tocher sehr warscheinlich im Alter von 12 Monaten ein Pflegefall der Stufe 3 geworden. Danke. Diese hätte sie aber sehr warscheinlich nicht bekommen, da ihre Erkrankung keine Fallpauschale ist und uns gesagt wurde, es gäbe in D nur eine Handvoll Mitarbeiter, die überhaupt die Pflegebedürftigkeit von Kindern zu beurteilen wissen. Auch jetzt, da eine zweite Autoimmunreaktion festgestellt wurde, wurden selbstverständlich Tierversuche herangezogen. Aber es ist ja ganz bestimmt sinnvoller, statt die Ursache zu erforschen, sinnlos mit Antikörpertherapien die Krankenkasse zu Lasten aller Versicherter zu schröpfen! Eine Intratecgabe kostet schließlich 900?! Würde es jedem Gk-versichertem möglich sein, transparent seine Behandlungskosten einsehen zu können, würden in deutschen Wartezimmern Mord und Totschlag herrschen. Ich bin auch kein Freund von Dr.Mengele und Co., aber wissenschaftlich war unser Land ganz weit vorn.
jetbundle 01.12.2014
2. Tendenziös
Also der Artikel ist mehr als tendenziös. Es wird grundlegend unterstellt dass Tierexperimente schlecht seien. Zum einen merken die Tiere von den meisten Experimenten garnichts -- kaum eine Ratte lebt so gesund wie eine Laborratte. Zum Anderen helfen die Tierexperimente neue Therapien und Vorbeugungen zu entwickeln und die Sicherheit zu verbessern.
ali.wie.brecht 01.12.2014
3. und die Kuscheltierhaltung
Zitat von indy555Ohne Tierversuche wäre meine Tocher sehr warscheinlich im Alter von 12 Monaten ein Pflegefall der Stufe 3 geworden. Danke. Diese hätte sie aber sehr warscheinlich nicht bekommen, da ihre Erkrankung keine Fallpauschale ist und uns gesagt wurde, es gäbe in D nur eine Handvoll Mitarbeiter, die überhaupt die Pflegebedürftigkeit von Kindern zu beurteilen wissen. Auch jetzt, da eine zweite Autoimmunreaktion festgestellt wurde, wurden selbstverständlich Tierversuche herangezogen. Aber es ist ja ganz bestimmt sinnvoller, statt die Ursache zu erforschen, sinnlos mit Antikörpertherapien die Krankenkasse zu Lasten aller Versicherter zu schröpfen! Eine Intratecgabe kostet schließlich 900?! Würde es jedem Gk-versichertem möglich sein, transparent seine Behandlungskosten einsehen zu können, würden in deutschen Wartezimmern Mord und Totschlag herrschen. Ich bin auch kein Freund von Dr.Mengele und Co., aber wissenschaftlich war unser Land ganz weit vorn.
Es gibt ganze Kaufhäuser voller toter Tiere als Nahrung für die Kuscheltiere. So frisst ein mittelgroßer Hund täglich rund 246 Gramm Trockenfutter. Das entspricht einer Menge von etwa 450 Gramm Frischfleisch und 260 Gramm Getreide. In einem Jahr verzehrt ein Hund somit 164 Kilogramm Fleisch und 95 Kilogramm Getreide. Die Fläche die zur Erzeugung dieser Nahrung benötigt wird (Öko-Fußabdruck) ist doppelt so groß wie die Fläche, die umgerechnet für Produktion und Betrieb eines SUV benötigt wird.
Blubb1234 01.12.2014
4.
Kann Kommentator #2 nur zustimmen. Der Artikel tut so, als wäre es erstrebenswert, die Zahl der Tierversuche auf null zu reduzieren. Im Gegensatz zu dem, was uns die "Ärzte gegen Tierversuche" (ein völlig unwissenschaftlicher Propagandaverein, der u.a. Privatadressen von Wissenschaftlern veröffentlicht und dessen Gründer AIDS-Leugner war) und andere Gruppen erzählen wollen, wird es in absehbarer Zeit keine Alternativen zu Tierversuchen in der Grundlagenforschung geben. Es wäre schön, wenn die Anzahl durchgeführter Tierversuche endlich als Maß für die Leistung des immer wieder beschworenen Forschungsstandorts Deutschland gesehen würde, und nicht als etwas, dass es immer weiter einzuschränken gibt. Wenn wir in der Forschung weiterhin oben mitspielen wollen, müssen wir den Preis dafür zahlen.
cem_iker 01.12.2014
5. Ganzheitlich
Zitat von jetbundleAlso der Artikel ist mehr als tendenziös. Es wird grundlegend unterstellt dass Tierexperimente schlecht seien. Zum einen merken die Tiere von den meisten Experimenten garnichts -- kaum eine Ratte lebt so gesund wie eine Laborratte. Zum Anderen helfen die Tierexperimente neue Therapien und Vorbeugungen zu entwickeln und die Sicherheit zu verbessern.
Es gibt sicherlich Tests die ersetzt werden können. Aber im Endeffekt ist nur ein Tierversuch ganzheitlich.
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