Schadensbilanz Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere gestiegen

472 dokumentierte Fälle in einem Jahr - vor allem Schafsherden werden zunehmend von Wölfen attackiert. Experten sagen: Abschüsse helfen nur kurzfristig. Nutztiere müssen besser geschützt werden.

In Sachsen gerissene Schafe (Archivfoto, Oktober 2018)
DPA

In Sachsen gerissene Schafe (Archivfoto, Oktober 2018)


Die Zahl der Wolfsangriffe auf Nutztiere ist bundesweit stark gestiegen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" mit Verweis auf die Schadensbilanz für das Jahr 2017 der zuständigen Dokumentationsstelle des Bundes (DBBW). Demnach stieg die Zahl der Risse gegenüber dem Vorjahr um knapp 66 Prozent auf 472 dokumentierte Fälle. Die Zahl der getöteten, verletzten oder vermissten Tiere - meist Schafe - beziffert die Dokumentationsstelle auf 1667 - fast 55 Prozent mehr als noch 2016.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte der Zeitung, sie setze sich für eine gemäßigte Bestandsregulierung von Wölfen ein. In den vergangenen Wochen waren mehrfach neue Attacken auf Nutztiere bekanntgeworden. Die Umweltminister in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gaben kürzlich je einen Wolf zum Abschuss frei.

  • Im Kreis Pinneberg hatte es seit Ende November acht Risse gegeben, bei denen Tiere als wolfssicher geltende Zäune überwanden. Für sechs der Fälle soll der Wolf mit der Kennung GW 924m verantwortlich sein.
  • Mitte Februar hatte ein Wolf auf einem Hof für Islandpferde nördlich von Hannover ein Pony getötet: Verantwortlich war offenbar ein Rüde mit der Kennung GW 717m. Für den Abschuss des Tieres hat das niedersächsische Umweltministerium eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt.

Im Bericht der Dokumentationsstelle heißt es, der Abschuss von Wölfen helfe höchstens kurzfristig in besonderen Situationen. "Um die Probleme dauerhaft möglichst gering zu halten, hilft es nur, Schafe und Ziegen im Wolfsgebiet flächendeckend zu schützen." Die Art und Weise der Nutztierhaltung müsse wieder an die Anwesenheit von Wölfen angepasst werden. "In den Gebieten, wo der Wolf bis heute überlebt hat, werden die Herden wie eh und je von Hirten und Herdenschutzhunden bewacht und während der Dunkelheit in Nachtpferchen gehalten."

SPIEGEL ONLINE

Im Monitoringjahr 2017/18 wurden den DBBW-Daten zufolge 73 Rudel, 30 Wolfspaare und einige Einzelwölfe in Deutschland nachgewiesen. Die meisten Wölfe leben in der Lausitz, vor allem in der Grenzregion zwischen Brandenburg und Sachsen, ihre Verbreitung konzentriert sich in einem Band vom Südosten bis in den Nordwesten Deutschlands. Bis Wölfe vor etwa 150 Jahren durch intensive Jagd ausgerottet wurden, gehörte Deutschland zu ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet.

oka/dpa

insgesamt 150 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wittchen2000 16.02.2019
1. Wölfe: Umsiedeln, ggf. abschießen
In Deutschland gibt es nicht genug Platz für Wölfe, wir sind eine der dichtbesiedeltsten Regionen der Erde. "Experten Sagen: Abschüsse helfen nur kurzfristig" - naja, andere "Experten" sagen wahrscheinlich was anderes. Es gibt auch genug "Experten" die in der Stadt leben und sich das nicht ausmalen wie es in ländlicheren Regionen ist, wenn man Angst haben muss die Schafe oder auch die eigenen Kinder sind draußen nicht mehr sicher. Wann wird er erste Waldkindergarten wohl Besuch von einem hungrigen Wolf bekommen?
jamguy 16.02.2019
2. Alimentierung
vielleicht sollten die Landwirte gegen Entschädigung öfters einen großen Ochsen im Wald anbinden das reicht für 2-3 Tage?
Immanuel K. 16.02.2019
3. Ob die Idee,...
...ein Wildtier in einer Kulturlandschaft anzusiedeln, das gleichzeitig auch ein Nahrungskonkurrent des Menschen ist, gut ist, wage ich zu bezweifeln... Die Vorstellung, dass dieses Wildtier, seine Nahrung nur bei Wildtieren sucht, erscheint mir naiv. M.E. wird es früher oder später zu einer unmittelbaren Konfliktsituation zwischen einem Wolf und einem Menschen kommen - das ist bei einer wachsenden Wolfspopulation überhaupt nicht zu vermeiden.
Nepomuk 16.02.2019
4. Artenschutz ist wichtig!
Tierarten die vom Aussterben bedroht sind sollten unbedingt geschützt werden. Nun ist der europäische Grauwolf aber gar nicht gefährdet. In abgelegenen Gebieten ist er sogar häufig. Dass er aus dicht besiedelten Gebieten vertrieben wurde hat, wie wir heute sehen, durchaus Gründe. Andere Arten, wie z.B. die Hausratte, stehen auf der Roten Liste, sind aber nicht geschützt. Nach welchen Kriterien werden einzelne Arten also geschützt. Hilfreich ist vielleicht die Frage aller Fragen: Cui bono? Als Biologe ist es nicht einfach eine Arbeit zu finden, da kommen Wolf und Biber gerade recht. Tier- und Naturschutzvereine verfolgen längst auch wirtschaftliche Interessen, da sind charismatische Tierarten ein gutes Mittel Spendengelder zu generieren. Ein Gedankenspiel: die Malariamücke wurde in Deutschland auch ausgerottet, nun kommt er wieder zurück. Auf der Homepage vom NABU steht dann: „Willkommen Malariamücke!“ Undenkbar? Ja, natürlich. Aber so wird die Absurdität des Wolfsschutzes sichtbar. Eine Tierart kommt zurück, deren Schutz kostet Millionen, die Schäden sind enorm, einen zuverlässiger Schutz der Weidetiere auf Dauer nicht möglich, oder finanzierbar. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis wieder Vernunft einkehrt, und der Wolf dahin zurück kehrt, wo er leben kann, und keinen Schaden anrichtet.
guka-le. 16.02.2019
5. Wie hilflos können
den unsere Viehzüchter nur sein. Hier wird eine Riesen Welle wegen nix gemacht. Wie haben es den die Bauern mit den Wölfen früher hinbekommen??? Sie haben....Hunde für Ihre Viehherden benutzt. Keine Zäune, Waffen, etc. Alle wollen ja so Öko, Gutmensch, Dieselhasser sein aber wenn es darum geht in Einklang mit den Tieren und Natur zu leben, wird dicht gemacht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.