Das bedeutete eine Zunahme von fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2008 hatte die Behörde an 39 Tagen einen Wert von über 100 auf dem Luftverschmutzungs-Index beobachtet. In diesen Fällen besteht für Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten und Atemleiden erhöhte Gefahr. Selbst Gesunde müssen dann mit Problemen rechnen: Keuchende Atmung, schmerzende Augen, Husten und Halsweh gehören zu den möglichen Symptomen.
In manchen Gegenden hat sich die Situation innerhalb weniger Jahre dramatisch verschärft. Eine Messstation im dicht besiedelten Bezirk Mongkok etwa hat laut dem Behördenbericht im vergangenen Jahr an 37 Tagen eine "sehr hohe Luftverschmutzung" registriert. 2005 sei es genau einer gewesen. In Causeway Bay, einem weiteren Einkaufs- und Wohngebiet, sei die Zahl der Tage mit einem Indexwert von mehr als 100 von fünf auf 25 gestiegen.
Ein Sprecher der Umweltschutzbehörde schränkte ein, dass der Trend zumindest zum Teil auf ungünstige Wetterbedingungen zurückzuführen sei und der Index nicht das Gesamtbild wiedergebe. Allerdings wurden die chinesischen Behörden wiederholt dafür kritisiert, ihre Umweltprobleme zu untertreiben. So hat ein Wissenschaftlerteam auf eigene Faust die Luftwerte in Hongkong gemessen - und ist auf Werte gekommen, die dem Zwei- bis Dreifachen der offiziellen Angaben entsprechen.
"Aus diesen Ergebnissen können wir logisch ableiten, dass auch die Zahl der Tage mit 'sehr hoher Verschmutzung' in Wahrheit höher ist, als es die Regierungsangaben vermuten lassen", sagte Chak Chan von der Hong Kong University of Science and Technology. Zudem hält er die Messungen seines Teams für genauer, da es im Gegensatz zur Umweltschutzbehörde mit mobilen Geräten gearbeitet habe.
Die Luftverschmutzung in chinesischen Städten war zuletzt während der Olympischen Spiele in Peking in die Schlagzeilen geraten. Internationale Sportverbände hatten die Zustände scharf kritisiert und zwischenzeitlich gar mit einem Boykott ihrer Sportler gedroht - aus Angst um deren Gesundheit. Die Regierung in Peking hat vor Beginn der Spiele mit teils drastischen Maßnahmen wie etwa der vorübergehenden Stilllegung von Fabriken versucht, die Luftqualität zu verbessern. Forscher sprachen vom größten Luftwäsche-Experiment der Geschichte.
Seitdem aber geht es mit der Luftqualität offenbar wieder bergab. Hongkong zum Beispiel war in den vergangenen Monaten meistens in dichten Schmutznebel gehüllt, der unter anderem aus zahlreichen Schloten der südchinesischen Fabriken quillt.
mbe/AFP
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