Dicke Luft: Hongkong erstickt im Smog

Die Luftverschmutzung in Hongkong nimmt bedrohliche Ausmaße an. Die Umweltbehörde der Stadt hat an jedem achten Tag des vergangenen Jahres gefährliche Werte gemessen. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass selbst diese Zahlen noch untertrieben sind.

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Bildvergleich: Dicke Luft in Hongkong
Hongkong ist eine der verkehrsreichsten Metropolen der Welt - und das bleibt nicht ohne Folgen für die Luftqualität. Im vergangenen Jahr haben die Verschmutzungswerte an jedem achten Tag teils lebensbedrohliche Ausmaße angenommen, wie die Umweltschutzbehörde der Stadt jetzt bekanntgab. An 44 Tagen des Jahres 2009 sei an den Straßen eine "sehr hohe Luftverschmutzung" gemessen worden, wie die Zeitung "South China Morning Post" berichtete.

Das bedeutete eine Zunahme von fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2008 hatte die Behörde an 39 Tagen einen Wert von über 100 auf dem Luftverschmutzungs-Index beobachtet. In diesen Fällen besteht für Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten und Atemleiden erhöhte Gefahr. Selbst Gesunde müssen dann mit Problemen rechnen: Keuchende Atmung, schmerzende Augen, Husten und Halsweh gehören zu den möglichen Symptomen.

In manchen Gegenden hat sich die Situation innerhalb weniger Jahre dramatisch verschärft. Eine Messstation im dicht besiedelten Bezirk Mongkok etwa hat laut dem Behördenbericht im vergangenen Jahr an 37 Tagen eine "sehr hohe Luftverschmutzung" registriert. 2005 sei es genau einer gewesen. In Causeway Bay, einem weiteren Einkaufs- und Wohngebiet, sei die Zahl der Tage mit einem Indexwert von mehr als 100 von fünf auf 25 gestiegen.

Ein Sprecher der Umweltschutzbehörde schränkte ein, dass der Trend zumindest zum Teil auf ungünstige Wetterbedingungen zurückzuführen sei und der Index nicht das Gesamtbild wiedergebe. Allerdings wurden die chinesischen Behörden wiederholt dafür kritisiert, ihre Umweltprobleme zu untertreiben. So hat ein Wissenschaftlerteam auf eigene Faust die Luftwerte in Hongkong gemessen - und ist auf Werte gekommen, die dem Zwei- bis Dreifachen der offiziellen Angaben entsprechen.

"Aus diesen Ergebnissen können wir logisch ableiten, dass auch die Zahl der Tage mit 'sehr hoher Verschmutzung' in Wahrheit höher ist, als es die Regierungsangaben vermuten lassen", sagte Chak Chan von der Hong Kong University of Science and Technology. Zudem hält er die Messungen seines Teams für genauer, da es im Gegensatz zur Umweltschutzbehörde mit mobilen Geräten gearbeitet habe.

Die Luftverschmutzung in chinesischen Städten war zuletzt während der Olympischen Spiele in Peking in die Schlagzeilen geraten. Internationale Sportverbände hatten die Zustände scharf kritisiert und zwischenzeitlich gar mit einem Boykott ihrer Sportler gedroht - aus Angst um deren Gesundheit. Die Regierung in Peking hat vor Beginn der Spiele mit teils drastischen Maßnahmen wie etwa der vorübergehenden Stilllegung von Fabriken versucht, die Luftqualität zu verbessern. Forscher sprachen vom größten Luftwäsche-Experiment der Geschichte.

Seitdem aber geht es mit der Luftqualität offenbar wieder bergab. Hongkong zum Beispiel war in den vergangenen Monaten meistens in dichten Schmutznebel gehüllt, der unter anderem aus zahlreichen Schloten der südchinesischen Fabriken quillt.

mbe/AFP

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Und trotzdem soll China die USA und EU überholen?
Jan Holler 04.01.2010
Zitat von sysopDie Luftverschmutzung in Hongkong nimmt bedrohliche Ausmaße an.
Vielerorts ist zu lesen, China würde die USA und EU (zusammen) um das Jahr 2020 als grösste Wirtschaftsmacht überholen. Es ist ganz offensichtlich, dass man vergessen hat, die "environment debits", die Umweltschulden in die Bilanz einzubeziehen. Da kommen auf China horrende Kosten zu. Das Land ist ja nicht im geringsten gewillt (siehe Kopenhagen), auch noch die kleinsten Umweltauflagen zu erfüllen. Wenn, dann macht das China nur, wenn die Wirtschaft betroffen ist. Der Gelbe Fluss ist zur Kloake verkommen. Siehe (von 2005) http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,338987,00.html
2. vor nicht allzu langer Zeit
Mutige 04.01.2010
vor nicht allzu langer Zeit sah es auch in DE hie und da so ähnlich aus... Und auch heute ist nicht alles so rosig wie es scheint. Mit den Folgen kämpfen die Menschen bis heute - auch gesundheitlich.
3. systemfrage
autocrator 04.01.2010
es wurden in der vergangenheitschwere fehler begangen, keine frage. witschaftsentwicklung durch die individualisierung des transportwesens auf basis von fossilbrennstoffen war und ist, neben andern, s.b. städtebau- und -planerischen sowie sozialökonomischen konsequenzen, eine glatte fehlleistung der entscheidungsträger gewesen. platt gesagt: der wahnsinn, dass jeder (oder zumindest wie hier in deshlandesh jeder zweite) ein eigenes auto fährt, ist an hornochserei nicht zu überbieten. nicht nur was luftverschmutzung und die dadurch verursachten gesundheitliche folgen angeht. auch bereiche wie parkplatzprobleme und bodenflächenversiegelung in den städten, tausende in kauf genommene verkehrstote, sozialneid durch prestige-PKWs, unteralimentierung des ÖPNV, wirtschaftliche anfälligkeit der automobilhersteller und ihrer angestellten, verbrauch endlicher ressourcen (erdöl/benzin), treibhauseffekt usw.usf. .... - bekannt. in kopenhagen konnte der westen nicht zugeben, hier einen massiven fehler begangen zu haben und zeigte sich nicht bereit, diesen fehler zu korrigieren. infolgedessen sieht die zweite welt nicht ein, auf ihre wirtschaftliche entwicklung zu verzichten - bzw. sie KANN gar nicht verzichten, will sie nciht abgehängt werden und wieder zum armenhaus der welt verkommen. bezahlt wird das mit der gesundheit der bevölkerung. wieso eltern, deren kinder pseudokrupp haben, angehörige, deren familienmitglieder durch PKW-unfälle umkamen oder zu behinderten wurden, hartz4-empfänger, die sich zunächst überhaupt kein auto leisten können und für eine einfach fahrt hin und zurück mit der städtischen u-bahn laut den vorstellungen der sozialpolitiker einen tag lang hungern sollen, opel-mitarbeiter die genau wissen, dass ihre tage im geregelten arbeits- und erwerbsleben gezählt sind usw. usf. ... dass diese leute allerdings noch immer personen und parteien als entscheidungsträger wählen, die sich in der vergangenheit durch vornehmes nichtstun oder kaum-was-tun immer und immer wieder wählen, bleibt mir persönlich ein rätsel.
4. HK ist nicht das gleiche wie China
bomah.hk 05.01.2010
Gott sei dank ist Hk nicht das gleiche wie China-Mainland. Und so ist auch die Verschmutzung in Hk sehr verschieden. In Gebieten wie Hk island, Kowloon and TST ist es nicht unbedingt gesund. Aber im Vergleich zu China ist das nix. Dort kommt die Verschmutzung nicht nur von Fahrzeugen sondern auch von vielen Fabriken die es ueberall gibt. Bei unseren letzten Trip nach China konnte man aber auch sehen warum dieses Problem nicht so schnell geloes werden kann. Der grund ist das diese Fabriken in nicht gut zu erreichenden Gegenden teilweise stehen und die einzige Arbeitsquelle in der naeheren umgebung( 50km) darstellen. Aber zurueck zu HK. Wenn man sich nicht gerade in den angegebenen gebieten aufhaelt ist die Luftqualitaet okay. Obwohl hier in Hk das opnv gut ausgebaut und billig ist wird es wohl noch eine weile dauern bis man hier vom Entwiclungsland standard ( mehr geld, mehr geld und nach mir die Sinflut) auf West niveau kommt. leider. :( Aber das sollte Leute nicht abhalten Hk einen Besuch abzustatten um sich selbst zu ueberzeugen. Je mehr Leute hierher kommen und sich bei den zustaendigen stellen ueber die guten touristischen attraktionen aber die schlechte luft beschweren, umso schneller kommt das Thema wieder in die Medien in Hk und in die Koepfe der Leute in Hk.
5. HK ist nicht China
Starferry 05.01.2010
Wie kann es einem Autor, der fuer den Spiegel schreibt, passieren, Hongkong mit China zu verwechseln? Was hat der Verweis auf chinesische Behoerden im dem Zusammenhang zu suchen? Hongkong hat eine eigene Verwaltung! Im Uebrigen ist China der groesste Produzent und auch Abnehmer von erneuerbarer Energie, das ist Jan Holler wohl entgangen. Immer wieder wird von Menschen, die offensichtlich selbst nie im Land waren, ueber China und auch Hongkong berichtet, mit zeitweise lachhaften Folgen. Den Forumsgaesten kann man Unwissenheit verzeihen, ihre Meinung bleibt ja auch Meinung und wird nicht Meldung.
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