Knochensplitter

Pareiasaurier Eine schrecklich hässliche Familie

Schön ist das nicht, aber typisch für die Familie der Pareiasaurier: Der hier gezeichnete Scutosaurus ernährte sich vegetarisch und suhlte sich wohl lieber im Schlamm, als weite Strecken zu laufen
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Schön ist das nicht, aber typisch für die Familie der Pareiasaurier: Der hier gezeichnete Scutosaurus ernährte sich vegetarisch und suhlte sich wohl lieber im Schlamm, als weite Strecken zu laufen


Pareiasaurier waren nicht gerade Top-Models: Alle ihre Arten ähnelten sich frappant - sie waren fett, kurzbeinig, stachelig oder warzig. Aber reicht das, sie zur Familie zu erklären?

Es gibt ja Tiere, die als so hässlich gelten, dass sie schon wieder niedlich sind. Pareiasaurier gehörten wohl eher nicht dazu: Über 20 Millionen Jahre stampften sie ab dem Mittelperm (vor etwa 270 Millionen Jahren) durch die Pampa - bis zu 600 Kilogramm schwere und bis zu drei Meter lange Fleischklopse mit kurzen, dicken Beinchen, unproportioniert winzigen Köpfen und Stummelschwänzen.

Manche hatten knochige Panzer und Stacheln, andere womöglich glockenhafte, knochige Warzen an Kopf und Körper, und einigen hingen beängstigende, spitze Hauer aus dem Unterkiefer. Das Gebiss darin weist Pareiasaurier aller Wahrscheinlichkeit nach als reine Pflanzenfresser aus. Man stellt sich vor, dass die Fleischklopse auf ihren Stummelbeinchen wohl in Herden mümmelnd und malmend durch die Gegend walzten, ohne dabei Geschwindigkeitsrekorde zu brechen - eine Art Perm-Büffel auf Tranquilizer.

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Knochensplitter: Die Wunderwelt der Saurier
Bekannt sind bisher ein rundes Dutzend Gattungen, und gefunden wurden sie so gut wie überall: Zu den Fundorten zählen China, Deutschland und Südamerika.

Das ist nicht gerade Nachbarschaft, aber auch nicht ganz so überraschend, wie es klingt. Denn damals waren die Kontinente zum Superkontinent Pangaea verbunden - man konnte da also durchaus von A wie Asien bis S wie Südamerika laufen. Wenn da nicht das Klima gewesen wäre: Das Perm war bis fast zum Schluss eine trocken-kühle Zeit, und das Innere des gigantischen Superkontinents eine ziemlich karge, lebensfeindliche Zone mit klimatischen Extremen.

Skelettdarstellung der Art Shihtienfenia: So oder ähnlich waren alle Pareiasaurier gebaut, die von manchen als "hässlichste aller Fossilien" bezeichnet werden
Professor Mike Benton

Skelettdarstellung der Art Shihtienfenia: So oder ähnlich waren alle Pareiasaurier gebaut, die von manchen als "hässlichste aller Fossilien" bezeichnet werden

So etwas lädt nicht gerade zu langen Wanderungen über große Distanzen ein. Dazu kommt, dass die stummelbeinigen Pareiasaurier wahrscheinlich auf Feuchtgebiete als Lebensraum angewiesen waren, und die waren im Perm rar gesät.

Deshalb ist die Frage, die sich Mike Benton von der Uni Bristol stellte, durchaus nachvollziehbar: Kann man aus der Tatsache, dass es quasi weltweit Tierarten von frappant ähnlicher Hässlichkeit gab, zwangsläufig schließen, dass diese tatsächlich zu einer Familie gehörten?

Klopse auf der Walz?

Systematisch geforscht wurde über Pareiasaurier bisher eher wenig, und Benton ergriff die Gelegenheit, als er Zugang zu zahlreichen Funden aus China bekam. Seine detaillierten, im Fachjournal "Zoological Journal of the Linnean Society" veröffentlichten Vergleiche chinesischer Funde mit solchen aus Russland und Südafrika, wo wohl ihr Ursprungsgebiet lag, lieferten eine klare Antwort: So unwahrscheinlich das mit Blick auf Distanzen und andere hindernde Faktoren scheint, bewegten und verbreiteten sich Pareiasaurier offenbar wirklich weltweit, bis in die letzten Winkel von Pangaea.

Pareiasaurier waren quasi Prototypen. Mit ihnen erprobte die Evolution wohl erstmals das Konzept des massigen, in Herden lebenden Pflanzenfressers. Ihre flächendeckende Verbreitung zeigte den Erfolg des Konzepts, ihr schnelles Ende im größten bisher bekannten Massensterben am Ende des Perm raffte mit ihnen drei Viertel aller Landlebewesen dahin. Mit der beginnenden Trias machte die Natur einen Neustart mit neuen Arten von Tieren. Die ökologische Nische aber, die Pareiasaurier als erste besetzten, würde von nun an nicht mehr unbesetzt bleiben.

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