Sahelzone ergrünt Das Wüstenwunder

Jahrzehntelang litten die Länder der Sahelzone im Norden Afrikas unter extremen Dürren. Jetzt zeigen Analysen: Fast überall ergrünt die Region.

Falaise de Bandiagara, Mali: Es sprießt
DPA

Falaise de Bandiagara, Mali: Es sprießt


Die Sahelzone erholt sich vielerorts von den Folgen der jahrzehntelangen Dürreperioden. Dies schließen US-Forscher aus der Langzeitanalyse Hunderter Täler in Senegal, Mali und Niger. Allerdings findet das Team um Armel Kaptué von der South Dakota State University in Brookings deutliche regionale Unterschiede, wie sie im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS") berichten.

Die Sahelzone, die sich zwischen der Sahara und der Feuchtsavanne quer durch das nördliche Afrika erstreckt, gilt als Beispiel dafür, wie Menschen das Vordringen der Wüste bewirken. Die Hungersnöte während der Siebziger- und Achtzigerjahre werden nicht nur auf anhaltende Trockenheit zurückgeführt, sondern auch auf Überweidung, Abholzung und daraus resultierende Bodenerosion.

Seitdem sollten Initiativen etwa mit dem Pflanzen von Bäumen und anderen Pflanzen die Erosion bremsen und die Wasserverdunstung verringern. Der Erfolg dieser Projekte sei jedoch unter Experten umstritten, schreiben die Geowissenschaftler in "PNAS".

Senegal und Mali profitierten besonders

Unter anderem anhand von Satellitenbildern analysierten sie nun die Entwicklung der Pflanzendecke, die Produktion von Biomasse sowie Regenmengen in 260 Talbecken in Senegal, Mali und Niger von 1983 bis 2012. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Vegetationsdecke im Sahel seit den Dürren der Siebziger- und Achtzigerjahren zugenommen hat", bilanzieren die Autoren.

In knapp 83 Prozent des gesamten untersuchten Region entsprach die Zunahme der Pflanzendecke in etwa der Steigerung der Niederschläge seit den Neunzigerjahren. Bei weiteren knapp 17 Prozent wuchs die Pflanzendecke über dieses Maß hinaus. So ergrünte etwa in Teilen von Senegal und Mali die Landschaft nach Regengüssen besonders stark. Dieser positive Trend gehe im eigentlich eher trockenen Norden der beiden Länder vermutlich auf die Wiederaufforstungen zurück.

Nur an wenigen Orten in Mali und Niger fiel die Bilanz negativ aus - etwa in der Umgebung der Hauptstadt von Niger, Niamey. Dort habe sich die Vegetation durch die hohe Bevölkerungszahl nicht erholt, erläutern die Forscher.

Von Walter Willems, dpa/boj



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 67 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ein_denkender_Querulant 15.09.2015
1. wärmer gleich feuchter
Das war durchaus zu erwarten. Aber viele vergessen die potenziellen negativen Konsequenzen. Der Atlantik und das Amazonasbecken leben auch von den Nährstoffen, die über Wüstensand aus der Sahara eingetragen werden. Mehr Grün in der Sahelzone bedeutet weniger Grün an anderer Stelle, weil Sandstürme kleiner ausfallen Ein Teufelskreis!
cassandros 15.09.2015
2. Räucherstäbchen statt Schulen!
Ein Manifest der weltbekannten Hilfsorganisation "Wünschelruten für die Welt"
iStone 15.09.2015
3. Komplexe Ursachen
Ein_denkender_Querulant: "wärmer gleich feuchter" Das ist so nicht unbedingt korrekt. Die Sahelregion ist recht komplex bzgl. ihrer Niederschlagsmechanismen. Erhöhte Niederschläge werden durch erhöhte Evapo(trans-)piration meist überkompensiert (P-E bei Temperaturerhöhung, zusätzlich noch Clausius-Clapeyron, Luft nimmt mehr Feuchte auf). Da die Quellen für Feuchte weit weg sind, muss eine Änderung also in der Zirkulation zu suchen sein. Paleoklimatologisch haben sie deshalb recht, da hier die Zirkulation bei wärmeren Perioden zu mehr Niederschlag in der Sahel führte. Für eine Erwärmung durch CO2 muss das nicht unbedingt gelten. Modelle kriegen das nicht hin. Ich denke aber dennoch, dass mittelfristig der Niederschlag eher zunimmt (ITCZ weiter nach Norden, verstärkter Monsun). Vieles hängt lokal dann aber noch von der Vegetation und Bodenerosion ab, wie im Artikel erwähnt. Es bleibt spannend.
charliep2 15.09.2015
4. Sollte
doch was dran sein am Klimawandel? Nun, das CO2 scheint ja schon mal zu wirken.
charliep2 15.09.2015
5. Oh Schreck!
Zitat von Ein_denkender_QuerulantDas war durchaus zu erwarten. Aber viele vergessen die potenziellen negativen Konsequenzen. Der Atlantik und das Amazonasbecken leben auch von den Nährstoffen, die über Wüstensand aus der Sahara eingetragen werden. Mehr Grün in der Sahelzone bedeutet weniger Grün an anderer Stelle, weil Sandstürme kleiner ausfallen Ein Teufelskreis!
Da darf doch nicht wahr sein! Jetzt nehmen die uns auch noch die letzte Hoffnung auf den baldigen Weltuntergang! Zum Teufel mit dem Grünzeug!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.