Evolution Diese Bienen haben Männer abgeschafft - und leben gut damit

Männer? Völlig unnötig für eine isoliert lebende Honigbienen-Population aus Südafrika. Sie pflanzt sich jetzt asexuell fort.

Kapbienen befruchten sich selbst
Mike Allsopp

Kapbienen befruchten sich selbst


Eine Gruppe Honigbienen aus Südafrika, die Kapbienen, hat die Fortpflanzung mit Männern abgeschafft, beziehungsweise ist zumindest nicht mehr allein darauf angewiesen. Wissenschaftler haben nun das Genom der Tiere untersucht und mit dem von Honigbienen verglichen, die noch Männchen für die Fortpflanzung brauchen. So wollten sie herausfinden, was die Kapbienen genetisch von den anderen Bienen unterscheidet, wie sie im Fachmagazin "Plos Genetics" berichten.

Die allermeisten Tiere pflanzen sich sexuell fort - es braucht Männchen und Weibchen, um Nachwuchs zu bekommen und um die Art am Leben zu erhalten. Auch Honigbienen machen das normalerweise so: Die Königin lässt ihre Eier von einer männlichen Biene befruchten, bevor sie sie ablegt. Nur die Kapbienen, eine besondere Population Honigbienen, die isoliert im Süden des Kap von Afrika lebt, halten es anders mit der Fortpflanzung.

Kapbienen überleben ohne Männer
Mike Allsopp

Kapbienen überleben ohne Männer

Die weiblichen Arbeiterbienen pflanzen sich asexuell fort. Sie legen unbefruchtete Eier, in denen dennoch neue Arbeiterinnen heranwachsen. Das funktioniert, indem Hormone der Eizelle eine Befruchtung vorspielen.

Zudem halbieren die Bienen bei der Produktion von Eizellen zwar zunächst ihr Erbgut, wie es auch in den Ei- und Samenzellen beim Menschen geschieht. Allerdings verschmilzt es sofort wieder, sodass der Nachwuchs ausschließlich aus DNA der Mutter entsteht, statt aus jeweils der Hälfte des Erbguts von Mutter und Vater.

Auf diese Weise können die Arbeiterbienen sogar selbstständig Königinnen heranziehen. Das nutzen sie mitunter, um fremde Nester zu übernehmen. Sie dringen in die Behausungen ein, pflanzen sich asexuell fort und verdrängen den heimischen Bienenstaat. Das Verhalten wird als sozialer Parasitismus bezeichnet.

Wie Gene biologische Prozesse steuern

Bei ihrer Erbgutanalyse entdeckten Matthew Webster von der Uppsala University und seine Kollegen deutliche Unterschiede in den Genen von sich sexuell und asexuell fortpflanzenden Honigbienen. Diese befanden sich unter anderem auf Erbgutabschnitten, die die Eiproduktion und damit die Fortpflanzung der Bienen steuern.

"Die Frage, warum diese Population von Honigbienen in Südafrika die asexuelle Fortpflanzung entwickelt hat, bleibt weiter ein Rätsel", sagt Webster. Er hofft, dass seine Studie helfen wird, die genetische Steuerung biologischer Prozesse, insbesondere die Fortpflanzung und damit verbundene Zellteilung, besser zu verstehen.

Auch könnte der Vergleich von normalen Honigbienen und Kapbienen zeigen, welche Vorteile sexuelle Fortpflanzung gegenüber asexueller hat. Evolutionsbiologen rätseln seit Langem, warum sich die sexuelle Fortpflanzung bei so vielen Arten durchgesetzt hat.

jme



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