Knochensplitter

Knochensplitter Heimkehr eines 70-Millionen-Jährigen

Happy End: Oyungerel Tsedevdamba (links), Kulturministerin der Mongolei, freut sich über Bataars Knochen. Der Fall hatte für diplomatische Spannungen gesorgt.
AP/dpa

Happy End: Oyungerel Tsedevdamba (links), Kulturministerin der Mongolei, freut sich über Bataars Knochen. Der Fall hatte für diplomatische Spannungen gesorgt.

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Der älteste, offiziell wiedereingebürgerte Bürger der Mongolei ist rund 70 Millionen Jahre alt: In einer feierlichen Zeremonie wurde der illegal aus der Mongolei geschmuggelte und in den USA zum Verkauf angebotene Tarbosaurus "Bataar" Vertretern der mongolischen Regierung zurückgegeben.

Am späten Montagabend deutscher Zeit überreichten Vertreter von US-Zoll und Innenministerium symbolisch den Schädel und die Kieferknochen des T-Rex-Verwandten. Der war auf illegalen Wegen in die USA gelangt: Wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten ausgegraben, gelangte er zunächst nach Großbritannien. Von dort wurde er - falsch deklariert - in die USA geschmuggelt, zusammen mit anderen illegal gehandelten Fossilien.

Genau darin liegt die Relevanz des Falles. Seit spektakuläre Fossilien auf Auktionen sechs- und siebenstellige Erlöse erbringen, blüht der illegale Handel damit. Das sehr schnelle und entschlossene Handeln der US-Behörden, die der Auktion von "Bataar" bald eine Hausdurchsuchung bei dem Fossilienhändler Eric Prokopi folgen ließen, wird darum auch als Signal in die Dunkelecken der Fossilienhändler-Szene gewertet.

Prokopi hat in einem zügigen Verfahren mehrere Vergehen gestanden, die Urteilsverkündigung ist für den 30. August angesetzt. Zurzeit ist Prokopi gegen 100.000 Dollar Kaution auf freiem Fuß. Er hofft, dass die Richter unter dem möglichen Strafmaß bleiben: Ihm drohen bis zu 17 Jahre Gefängnis und mehrere hunderttausend Dollar Strafzahlungen.

Hepatitis B: Krankheit aus der Kreide

Jedes Jahr sterben Schätzungen zufolge rund eine halbe Million Menschen an den Folgen der von Viren verursachten Hepatitis B. Ein im Wortsinn uraltes Menschheitsproblem, denn der Verursacher ist weit älter als wir: Forscher der Westfälischen Wilhelms-Universität und vom Naturkundemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben im Erbgut von Vögeln Spuren von Hepatitis-Viren nachweisen können, die darauf hindeuten, dass die Viren rund 82 Millionen Jahre alt sind. Vor uns plagten sie demnach schon frühe Vögel und Säuger. Die Forscher veröffentlichten ihre Studien nun im Fachblatt "Nature".

Die Münsteraner gehen davon aus, dass die Hepatitis-Viren in ihrer jetzigen Form ein Produkt des Wirtswechsels von Vögeln zu Säugern seien. Die Forschergruppe um den Biologen Jürgen Schmitz vom Institut für Experimentelle Pathologie der Universität Münster rückte den Viren auf dem Umweg über das Genom von Vögeln auf den Leib: Sie suchten nach "molekularen Fossilien" - ins Genom von Vögeln integrierte Schnipsel viraler Erbsubstanz. Aus dem Vergleich solcher Erbgut-Spuren mit rezenten Viren lässt sich bei bekannter Mutationsrate der Viren das Alter dieser Spuren hochrechnen. Im Fall der Hepatitis-Viren landeten die Forscher in der Kreidezeit.

"Aorun zhaoi": Neuer Theropode aus China

James Clark von der George Washington University hat in der Fachzeitschrift "Journal of Systematic Palaeontology" einen neuen Raubsaurier beschrieben. Gefunden wurde das Fossil bereits 2006 in der Nähe von Xinjiang.

Der bisher einmalige Fund reicht noch nicht, um die Gestalt und Größe von "Aorun zhaoi" endgültig zu beschreiben. Das nur etwa einen Meter lange, geschätzt eineinhalb Kilogramm leichte Exemplar war ein Jungtier und möglicherweise nur ein Jahr alt. Das Forscherteam setzt das Alter des Fossils bei 161,5 Millionen Jahren an, gestorben wäre das Jungtier demnach im ausgehenden Mitteljura. Clarke und Co. ordneten Aorun den Coelursauriern zu.

In einer Mitteilung der Universität heißt es: "Seine kleinen, zahlreichen Zähne deuten darauf hin, dass zu seiner Beute Eidechsen und kleine Verwandte heutiger Säuger und Krokodile gehörten. Dies ist der fünfte neue, bei Wucaiwan entdeckte Theropode, der von dem von Dr. Clark und Dr. Xu Xing von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gemeinschaftlich geführten Team entdeckt wurde."

Gütersloh: Grundstück ohne Saurier

Eine aktuelle Meldung der Polizei Gütersloh einzuordnen, ist nicht ganz leicht: Waren die Diebe, die in der Nacht zum Montag zuschlugen, nun scharf auf den entwendeten Edelstahl-Dino - oder nur auf das Material? Sicher ist nur, dass sie die 40 bis 50 Zentimeter kleine Skulptur aus ihrer Verankerung brachen und stahlen.

Aufgestellt war das Edelstahl-Theropoden-Skelett - wohl ein T-Rex in der Haltung, wie man ihn Anfang des 20. Jahrhunderts gern zeigte: aufrecht und steif - vor einem Wohnhaus am Westheider Weg im Ortsteil Versmold. Rechts und links säumten auf eigens gegossenen Podesten zwei identische Saurier die Einfahrt zum Grundstück. Den zweiten ließen die Diebe stehen: "Die Polizei sucht Zeugen. Hinweise und Angaben dazu nimmt die Polizei in Versmold (...) entgegen."

Saurier-Säulen in der Garageneinfahrt sind übrigens deutlich origineller als Löwen od"er Adler. Reine Geschmackssache - was natürlich auch ein Motiv sein könnte.



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