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Knochensplitter

Dinosaurier-Auktion Niemand kauft das Prachtstück

Graziles Jungtier: "Little Al" starb und fossilisierte in jugendlichem Alter. 150 Millionen Jahre später suchen seine Überreste nun einen Käufer Zur Großansicht
SummersPlaceAuctions/ Glynn Clarkson

Graziles Jungtier: "Little Al" starb und fossilisierte in jugendlichem Alter. 150 Millionen Jahre später suchen seine Überreste nun einen Käufer

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Europa bleibt ein schwieriges Pflaster, wenn es um den Verkauf edler Fossilien geht. Ein Auktionshaus scheiterte nun sogar daran, einen spektakulären Saurier unter den Hammer zu bringen.

300.000 bis 500.000 Pfund, hatte es im Vorfeld geheißen, solle der knapp drei Meter lange, rund hüfthohe kleine Raubsaurier bringen. Und darunter, war offenbar mit dem Besitzer vereinbart worden, solle auch nichts passieren.

So lief das dann auch: Die Gebote für "Little Al" stagnierten unterhalb der vereinbarten Mindestsumme, die Auktion des spektakulärsten Stückes, das Summers Place im Rahmen seiner dritten "Evolution"-Auktion im Angebot hatte, wurde abgebrochen. Die Bieter wurden vom Auktionshaus eingeladen, stattdessen direkt einen regulären Kaufpreis zu verhandeln, man sei "offen für vernünftige Angebote".

Klein, aber tödlich: Man nimmt an, dass die Jungtiere der größten Raubsaurier-Arten in Rudeln jagten Zur Großansicht
SummersPlaceAuctions/ Glynn Clarkson

Klein, aber tödlich: Man nimmt an, dass die Jungtiere der größten Raubsaurier-Arten in Rudeln jagten

Es war die Fortsetzung der Bemühung, Auktionen hochpreisiger Fossilien in Europa zu etablieren - und die entpuppt sich als mühseliger, als die Veranstalter vielleicht erwartet haben.

Schon als 2013 der ungewöhnlich gut erhaltene Diplodocus "Misty" für 483.000 Pfund inklusive aller Gebühren versteigert wurde, war das für den Käufer im Grunde ein Schnäppchen. Das Gebot entsprach exakt dem vereinbarten Mindestpreis. Wie "Little Al" war auch "Misty" vom deutschen Paläontologen und Fossilienhändler Raimund Albersdörfer gefunden und angeboten worden.

Im Folgejahr brachte "Monty" das Mammut 238.000 Euro - ein Preis, der für einen eiszeitlichen Fund, dessen Präparation in der Regel weit weniger aufwändig ist, in Ordnung geht - satt war aber auch das nicht. So werden in den USA bei vergleichbaren Auktionen oft völlig andere Preise aufgerufen - wenn auch nicht immer, und auch das Scheitern einer Auktion unterhalb des Mindestpreises kommt jenseits des Atlantik schon einmal vor.

Trotzdem ist augenfällig, dass Preise, die sich mitunter auch jenseits von Sinn und Verstand bewegen, eher auf der anderen Seite des Atlantik aufgerufen werden. Vielleicht hat das auch ganz generell mit der Wahrnehmung des Themas Paläontologie zu tun: In Asien und Amerika ist das Pop, in Europa eher akademische Nische - oder Jugend-Nostalgie angegrauter Intellektueller.

Künstlerische Rekonstruktion: Allosaurier waren die Top-Jäger des Jura. Sie waren etwas kleiner und deutlich leichter als der T-Rex der folgenden Kreidezeit Zur Großansicht
Corbis

Künstlerische Rekonstruktion: Allosaurier waren die Top-Jäger des Jura. Sie waren etwas kleiner und deutlich leichter als der T-Rex der folgenden Kreidezeit

Man weiß es nicht, rational ist das Thema Fossilien-Auktion jedenfalls kaum zu fassen: Es bleibt ein Glücksspiel. Mittelfristig wird "Little Al" mit Sicherheit das Loft eines Schwerbetuchten schmücken oder - weit besser noch - die Ausstellung eines öffentlich zugänglichen Museums. Der jugendliche Allosaurus ist eines der ungewöhnlichsten Fundstücke seiner Art.

Und wie viel ist so etwas wirklich wert? Ganz einfach: Exakt soviel, wie der Bieter mit der dicksten Brieftasche dafür zu zahlen bereit ist. Wenn es um Sammlerstücke und Auktionen geht, gibt es keine seriöse Wertschätzung oder Prognose - sondern immer nur Hoffnung auf mehr.

11 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
stan the man 26.11.2015
mrerenoth 26.11.2015
Dio_genes 26.11.2015
hirnschlacht 27.11.2015
biber01 27.11.2015
decebalus911 27.11.2015
gumbofroehn 27.11.2015
schgucke 27.11.2015
schmunda 27.11.2015
fleischzerleger 27.11.2015
rreniar 29.11.2015

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
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