Knochensplitter

Dino-Duell Kung-Fu-Pflanzenfresser erlegt Raubsaurier

Corbis

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Eine Kuh, die einen Löwen erlegt? Klingt undenkbar - doch Spuren eines ähnlichen Kampfes haben Forscher jetzt identifiziert: Ein Raubsaurier wurde das Opfer eines Stegosaurus - des "Kung-Fu-Kämpfers" unter den Dinos.

Stegosaurus ist einer dieser Dinosaurier, die im Sinne des Wortes jedes Kind kennt: Mit den großen Schilden, die er als Kamm auf dem Rücken trug, gehört er zu den am leichtesten zu erkennenden Vertretern der Gruppe.

Als Pflanzenfresser gerade für Kids eigentlich weniger interessant als die großen Raubsaurier, wirkt Stegosaurus trotzdem Respekt gebietend: Sein Schwanz war mit langen, spitzen Dornen besetzt. Ähnlich wie der horntragende Triceratops galt Stegosaurus darum stets als wehrhaft. Man kann sich gut vorstellen, dass sich die Tiere mit diesen Waffen gegen mächtige Raubsaurier zu verteidigen wussten.

Stegosaurus und Triceratops besetzten zu ihrer Zeit womöglich ähnliche ökologische Nischen wie heute Büffel und Nashörner. Die großen, kräftigen Pflanzenfresser waren wahrscheinlich Herdentiere, aber wohl eher nicht von der Art, die durch Flucht und Verschwinden in der Masse Schutz vor Räubern suchte. Ihre Hörner deuten vielmehr darauf hin, dass sie sich Räubern auch kämpfend stellten.

Tyrannosaurus rex gegen Triceratops oder Allosaurus gegen Stegosaurus waren daher seit Stummfilmzeiten prototypische "Dinosaurier-Duelle". In Walt Disneys "Fantasia" (1940) unterliegt der Pflanzenfresser dem godzillahaften Raubsaurier am Ende noch; in der BBC-Doku "Walking with Dinosaurs" (1999) hat der Allosaurus dann schon so viel Bammel, dass er den Angriff lieber abbricht, bevor er zu Schaden kommt. Möglicherweise, weil er einen der vielen Trickfilme gesehen hat, in denen der Stegosaurus ihn mit einem beiläufigen Hieb einfach umhaut.

Von unten nach oben aufgespießt

Einen Beweis dafür, dass Stegosaurus sich tatsächlich derart effektiv verteidigen konnte, gab es bisher allerdings nicht. Den hat nun womöglich der Paläontologe Robert Bakker mit Kollegen erbracht: Bei der Untersuchung eines Allosaurus-Fossils, berichtete er beim Jahrestreffen der American Geological Society im kanadischen Vancouver, fanden die Forscher tiefe Stichwunden. Und die stammen offenbar von den Dornen eines Stegosaurus-Schwanzes.

Laut Bakker starb der mächtige Raubsaurier daran, wenn auch nicht sofort: Rund um die Einstichstelle kam es offenbar zu einer heftigen Infektion, die Teile des Knochens zersetzte.

Spektakulär ist, wie und wo der Stegosaurus den Raubsaurier mit seinen Dornen erwischte. Die Stichwunde liegt im unteren Becken und wurde wohl auch von unten geführt: Der Hieb durchdrang nicht nur Gewebe, sondern auch tief in den Knochen ein.

Möglich war das laut Bakker, weil der Schwanz eines Stegosaurus keineswegs nur seitlich zu schwenken war. Vielmehr ähnelten seine Wirbel denen im Schwanz eines Affen. Starke Muskeln bis ins Ende des Schwanzes deuten auf Kraft, Biegsamkeit und Präzision in der Bewegung hin.

Laut Bakker war der Stego-Schwanz also eine Waffe, die in jede Richtung stoßen konnte. Das habe den vermeintlich trägen, kleinhirnigen Pflanzenfresser zu einer Art "Kung-Fu-Kämpfer" unter den potenziellen Beutetieren gemacht.

Gut möglich, dass er der Allosaurus-Attacke mit seinem gut gezielten, am Ende tödlichen Hieb entging. Bakker und Kollegen klassifizierten den untersuchten Allosaurus jedenfalls als "Opfer einer Pflanzenfresser-Verteidigung".



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15 Leserkommentare
saftfrucht 25.10.2014
zeitgeistloser 25.10.2014
spiegelleser85 25.10.2014
spon-facebook-10000161823 25.10.2014
aurichter 25.10.2014
Tiananmen 25.10.2014
kraichgau12 25.10.2014
diskutant32 25.10.2014
Tiananmen 25.10.2014
taglöhner 25.10.2014
willibaldus 25.10.2014
zauselfritz 25.10.2014
7eggert 26.10.2014
Tiananmen 26.10.2014
fabi2440 26.10.2014

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