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Knochensplitter

Evolution des Fluges Glatte Federn glänzen bunter

Federglanz: Warum Federn so bunt sind Fotos
Corbis

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Warum hatten Dinosaurier glatte, steife Federn - obwohl sie gar nicht fliegen konnten? Eine deutsche Forschergruppe behauptet: Weil das Federkleid so schick bunt war.

Eines der größten Rätsel der Evolution des Vogelfluges ist die Frage, wo Flugfedern überhaupt herkamen. Wieso setzte sich eine so komplizierte Struktur durch, bevor sie wirklich nutzbar wurde? Welchen evolutionären Vorteil hatten Tiere, die solche glatten, vergleichsweise steifen Federn ausprägten, lange bevor sie fliegen konnten?

Für irgendetwas mussten sie gut sein, bevor ein Maniraptor erstmals die Arme ausbreitete und herausfand, dass seine Sprünge länger trugen. Dass zahlreiche Dinosaurierarten schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt haarähnliche Protofedern und daunenähnliches Gefieder besaßen, gilt seit einiger Zeit als gesichert. Bei manchen Arten und Familien - wie beispielsweise den Tyrannosauridae - mag das vor allem für Jungtiere gegolten haben. Das weist auf den ersten Zweck des Gefieders hin: den Körper zu wärmen.

Wenn es aber um die Ausprägung von Deck- und Konturfedern geht, kann das kaum der Grund sein: Daunen sind bessere Wärmeisolatoren als Deckfedern (die eher als Wetterschutz Vorteile bieten).

Der Sinn der Feder liegt im Auge des Betrachters

Marie-Claire Koschowitz, Christian Fischer und Martin Sander legen nun im Fachblatt "Science" eine Studie vor, die eine seit Längerem diskutierte These stützt: Das Federkleid mancher Saurier wurde deshalb glatter, schillernder und bunter, weil Dinosaurier eine besonders gute Farbwahrnehmung hatten. Die Evolution der Feder wäre demnach ein Anpassungsprozess gewesen, der eine vorhandene Fähigkeit in optimierter Weise genutzt hätte.

Ihre Argumentationskette läuft so: Alle heutigen Verwandten der Dinosaurier - zu denen neben Vögeln und ihren direkten Nachfahren auch Schuppenkriechtiere, Schildkröten, Brückenechsen und Krokodile zählen - sind sogenannte Tetrachromaten. Sie verfügen über vier Arten von Farbsinneszellen und nehmen damit ein erweitertes Lichtspektrum bis hin zu Ultraviolett und wohl auch stärker abgestufte Farben wahr als beispielsweise wir.

Sie nutzen Farbe, um zu kommunizieren. Wer jetzt Pfau oder Fasan denkt, ist auf dem richtigen Wege, aber auch Reptilien verfügen hier über Möglichkeiten.

Wenn das auch für Dinosaurier galt, bezahlten diese den Vorteil eines wärmenden Federkleides mit einer Einschränkung ihrer kommunikativen Möglichkeiten. Vor allem auf Reflektion beruhende Effekte - Schillern und Schimmern, Blau-, Grün- und Ultraviolett-Töne - brauchen glatte Oberflächen.

Hier ist die flächige Feder dem fluffigen Modell klar überlegen: Als Konturfedern ermöglichen sie in Kombination mit Musterung vor allem dann besonders spektakuläre Effekte, wenn sie sich auch noch drehen und in verschiedener Weise arrangieren lassen - ein Aspekt, der die Ausprägung von Konturfedern vor allen an den Gliedmaßen begünstigt haben könnte.

Vom Vogelflug waren solcherart gefiederte Dinosaurier dann nur noch einen Maniraptorsprung entfernt.

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Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
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