Brutpflege bei Dinosauriern Langhälse waren Rabeneltern

Sauropoden zogen einst in Herden umher, die sie unangreifbar machten. Allerdings wohl ohne Jungtiere: "Jugendliche" Langhälse lebten völlig anders als ihre Elterntiere - und allein.

Sauropoden (Künstlerische Darstellung)
Andrey Atuchin

Sauropoden (Künstlerische Darstellung)

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Seit der Trickfilmer Don Bluth 1988 "In einem Land vor unserer Zeit" den kleinen Sauropoden Littlefoot zum Filmhelden machte, haben wir das Bild vom Brut-pflegenden Dinosaurier im Kopf. Nur in der Herde, machte uns Bluth glauben, war der pflanzenfressende Dino-Nachwuchs vor den Gefahren von Jura- und Kreidezeit sicher.

Doch war das wirklich so? Der bisher kleinste gefundene Schädel eines Diplodocus, der ausgewachsen Längen von über 30 Metern erreichte, deutet darauf hin, dass zumindest diese "Langhälse" keine Brutpflege kannten.

Diplodocus-Schädel: Das Tier dürfte etwa Pony-Größe gehabt haben
John P. Wilson

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Der Schädel des Jungtiers sehe völlig anders aus als bei erwachsenen Tieren, schreibt das Forscherteam um Cary Woodruff in der aktuellen Ausgabe der Scientific Reports der Fachzeitschrift "Nature". Dies deute daraufhin, dass sie völlig anders gelebt haben als ihre Elterntiere.

Erwachsene Diplodocidae hatten demnach breite, flache Schnauzen, mit denen sie Farne und krautartige Pflanzen abweideten (Gras gab es noch nicht). Die Jungtiere verfügten dagegen über einen deutlich verkürzten Schädel mit einer gerundeten Schnauze - eine für die "erwachsene" Ernährungsweise ungeeignete Bauform.

Das Vorleben der Riesen im Wartestand

Das Gebiss der Jungtiere sah so anders aus, dass die Forscher zunächst glaubten, sie hätten eine andere Dino-Art vor sich. Die geschlossene Reihe von Schneidezähnen und die spatelförmigen Zähne im hinteren Mundraum des Youngsters sprechen laut den Forschern für ein vielfältigeres Nahrungsangebot als das der ausgewachsenen Tiere.

Kurzum: Die jungen Saurier seien nicht dort aufgewachsen, wo ihre Elterntiere lebten. Gefüttert worden seien sie schon gar nicht, denn dann würde die Veränderung von Schädel und Gebiss keinen Sinn ergeben. Diese sei im Gegenteil ein klares Indiz dafür, dass sich Diplodocidae im Lauf ihres Lebens an wechselnde Umgebungen mit unterschiedlichem Nahrungsangebot anpassten.

Ist Dinosaurier-Brutpflege also ein Märchen?

Damit dürften zumindest die Sauropoden als vermeintliche "Rabeneltern" überführt sein. Doch das galt nicht für alle Dinosaurier.

So wie bei Vögeln geht man davon aus, dass auch deren direkte Vorfahren, die Raubsaurier, durchaus Brutpflege betrieben. Viele Dinosaurier bauten offene Nester, in denen die Eier geschützt und wohl auch gewärmt werden mussten.

Raubsaurier-Gelege mit versteinerten Embryos: Viele Raptoren wurden von Elterntieren gepflegt
REUTERS

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Einige Dinosaurier kümmerten sich auch nach dem Schlüpfen um ihre Brut. 1978 fand Marion Brandvold in Montana ein versteinertes Gelege, in dem nicht etwa frisch geschlüpfte Tiere lagen, sondern schon deutlich angefütterte "Küken". Das Gelege gehörte zu einem gut zehn Meter langen Maiasaura, was so viel heiß wie "Gute-Mutter-Echse".

Die Saurierart war gefiedert und äußerlich bereits auf dem Weg zum Vogel. Maiasaura brüteten gemeinsam: Man stelle sich eine Brutkolonie vor, in der Zehn-Tonnen-Tiere Truthahngroße Küken füttern.

Möglicherweise markiert das aber auch ein Maximum der körperlichen Unterschiede zwischen Elterntier und Nachwuchs. Sauropodeneier waren nicht größer als die Eier von Straußenvögeln - also winzig im Vergleich zu den riesigen Langhälsen. Für die Jungtiere wäre Brutpflege wohl lebensgefährlich gewesen.

Im Video: Das Dino-Rätsel



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