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01. Oktober 2015, 20:06 Uhr

Neue Belege

Vulkane oder ein Meteorit - was löschte die Dinosaurier aus? Beides!

Indische Vulkane oder ein Meteorit in Mexiko? Was löschte die Dinos aus? Darüber streiten Forscher seit Jahrzehnten. Neue Datierungen zeigen: Der Meteoriteneinschlag könnte die starken Vulkanausbrüche verursacht haben.

Seit mehr als 30 Jahren bekriegen sich zwei Wissenschaftlerfraktionen über die Ursache des Massensterbens vor etwa 66 Millionen Jahren. Die einen sagen, ein Meteorit in Mexiko, der Chicxulub-Einschlag, sei Schuld am Ende der Dinosaurier. Die anderen favorisieren starken Vulkanismus im heutigen Indien. Die Spuren der Lavafluten sind noch heute im sogenannten Dekkan-Trapp in Westindien zu besichtigen. Mehr als 3000 Meter hoch türmt sich mancherorts das erkaltete Vulkangestein.

Seit Kurzem spekulieren Geologen darüber, dass beide Ereignisse womöglich miteinander zusammenhängen - es also gar kein Entweder-oder bei der Ursache des Dinosterbens gibt. Nun liefert eine Studie im Fachblatt "Science" neue Belege für diese Hypothese. Demnach löste der heftige Einschlag des Himmelskörpers nahe Mexiko in den folgenden Jahrtausenden massive Vulkaneruptionen auf dem Gebiet des heutigen Indiens aus, die das Artensterben verschärften.

"Aufgrund unserer Datierung der Lava können wir ziemlich sicher sein, dass der Vulkanismus und der Einschlag innerhalb der 50.000 Jahre vor dem Aussterben stattfanden, sodass die Trennung zwischen den beiden Mechanismen künstlich wirkt", sagt Paul Renne von der University of California in Berkeley. Beide Phänomene hätten eindeutig zur selben Zeit das Leben auf der Erde beeinflusst.

Auswurfvolumen verdoppelt

Dass vor rund 66 Millionen Jahren ein großer Himmelskörper auf die Erde krachte, belegt der Chicxulub-Krater an der Nordwestspitze der Halbinsel Yucatán. Allerdings bemängelten manche Forscher, das Massensterben, dem etwa zwei Drittel der Arten zum Opfer fielen, habe erst Hunderttausende Jahre später stattgefunden. Sie glauben daher, gewaltige Vulkanausbrüche auf dem Gebiet des heutigen Indien hätten das Massensterben ausgelöst.

Das Team um Renne datierte nun mit dem Argon-Argon-Verfahren verschiedene Lavaschichten im westindischen Dekkan-Trapp und erstellte daraus eine Chronologie. Demnach verdoppelte sich das Auswurfvolumen der dortigen Vulkane in den 50.000 Jahren nach dem Einschlag des Asteroiden. 70 Prozent der gesamten Trapp-Menge entstammten jener Phase, schreiben sie.

Daraus folgern die Geologen, der Einschlag des Meteoriten vor der Halbinsel Yucatán habe das unterirdische System aus Gängen und Spalten auf der anderen Seite der Erde verändert. Die Magma-Kammern seien größer geworden, Ausbrüche in der Folge heftiger ausgefallen. Die Eruptionen dauerten demnach Hunderttausende Jahre an. Beide Katastrophen überzogen den Planeten mit Staub und giftigen Gasen und ließen am Übergang der Kreidezeit zum Tertiär, der sogenannten KT-Grenze, die meisten Arten an Land und im Wasser aussterben.

"Beides geschah gleichzeitig"

Der Vulkanismus verzögerte demnach die Regeneration der Tierwelt für rund 500.000 Jahre. "Die Artenvielfalt und die chemische Signatur des Ozeans brauchten etwa eine halbe Million Jahre, um sich nahe der KT-Grenze zu erholen, und etwa so lange dauerte der verstärkte Vulkanismus", betont Renne. "Es ist praktisch unmöglich, die Folgen für die Atmosphäre dem einen oder dem anderen Ereignis zuzuschreiben", sagt Renne. "Beides geschah gleichzeitig."

Stephan Sobolev vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam hält die Argumentation der Forscher grundsätzlich für plausibel. Der Aufprall bei Mexiko könne durchaus einen bereits bestehenden Vulkanismus auf der anderen Seite der Erde verstärkt haben. "Die Schockwelle war enorm, und wir wissen, dass magmatische Systeme relativ sensibel reagieren können."

Zudem, so der Experte, belege die Studie erstmals eine zeitliche Nähe zwischen dem Einschlag und dem verstärkten Vulkanismus. Diese Vermutung sei zwar in der Vergangenheit schon aufgestellt, aber noch nie durch Messdaten bestätigt worden.

hda/dpa

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