Dinosaurier-Theorie: Der Killer kam 300.000 Jahre zu früh

Der gewaltige Brocken aus dem All, der vor 65 Millionen Jahren die Erde traf, galt bisher als allein verantwortlich für das Ende der Dinosaurier. Jetzt aber tauchen Hinweise auf, dass der Massentod erst 300.000 Jahre später einsetzte und durch eine ganze Serie von Katastrophen ausgelöst wurde.

Meteoriteneinschlag: War der Chicxulub-Treffer schuldlos am Dinosaurier-Tod?
NASA

Meteoriteneinschlag: War der Chicxulub-Treffer schuldlos am Dinosaurier-Tod?

Es war ein Schlag, die die Erde im Wortsinne beben ließ: Vor 65 Millionen Jahren ging ein Asteroid oder Meteorit vor dem heutigen Mexiko nieder und riss den 180 bis 280 Kilometer breiten Chicxulub-Krater. Am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär starben 70 Prozent aller Lebensformen aus, in den Sedimenten stecken hohe Mengen von Iridium - ein Metall, das auf der Erde kaum vorkommt, dafür aber oft in Meteoriten zu finden ist.

Als Forscher Anfang der neunziger Jahre die Riesendelle vor der Küste Mexikos fanden, sah sie aus wie der perfekte Kandidat des kosmischen Killers, der die Dinosaurier auslöschte. Ein internationales Forscherteam aber hat nun Indizien gefunden, welche die allgemein akzeptierte Theorie ins Wanken bringen könnten. Die Gruppe aus den USA, Deutschland, der Schweiz und Mexiko hat einen Bohrkern aus einer Tiefe von 1500 Metern unter der Oberfläche im Zentrum des Kraters analysiert - und festgestellt, dass der Einschlag wahrscheinlich 300.000 Jahre vor dem Aussterben der Dinosaurier stattfand.

"Seit den frühen neunziger Jahren gilt der Chicxulub-Krater als Hauptbeweis, dass ein Asteroid die Dinosaurier tötete und auch das Massensterben vieler anderer Organismen am Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär auslöste", schreiben die Wissenschaftler um Gerta Keller von der Princeton University im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Sedimente, Fossilien, stabile Isotope, Magnetsignaturen und Iridium in dem Bohrkern aber legten nahe, dass der Chicxulub-Krater 300.000 Jahre zu früh entstand, um allein für den Dinosaurier-Tod in Frage zu kommen.

Der Fund würde nach Meinung der Wissenschaftler eine alternative Theorie stützen, der zufolge die Dinosaurier durch eine Serie von klimaverändernden Katastrophen ausgelöscht wurden. Darauf wiesen etwa andere Krater aus derselben Zeit hin. Keiner von ihnen stamme von einem Meteoriten oder Asteroiden, der als Einzeltäter in Frage komme. Doch die Geschosse hätten die Erde in einer Epoche starker vulkanischer Aktivität getroffen.

"Der Chicxulub-Einschlag ereignete sich in einer Zeit, als massiver Vulkanismus zu einem Treibhauseffekt führte", erklärt Keller. Während des so genannten Dekkan-Vulkanismus ergoss sich ein gewaltiger Basaltstrom über Südindien und bildete eine viele Kilometer dicke Gesteinsdecke, die heute den halben Subkontinent bedeckt. Solche Flutbasalte entstehen, wenn so genannte "Plumes" tief aus dem Erdinneren an die Oberfläche brechen und ganze Kontinente zerteilen. Da das Magma kohlendioxidreich ist, kann es einen Treibhauseffekt auslösen.

Der Einschlag eines zweiten großen kosmischen Geschosses könnte dann der ohnehin geplagten Fauna den Rest gegeben haben, so das Fazit der Forscher. Den "katastrophalen Massentod einer gesunden Gemeinschaft" habe es wahrscheinlich nie gegeben. Allerdings fehlt den Wissenschaftlern bisher noch der Krater des Meteoriten oder Asteroiden, der den Dinosauriern den Todesstoß versetzt hat. Ein möglicher Kandidat sei der Shiva-Krater in Indien. "Es gibt auch Beweise für einen dritten Einschlag, ungefähr 150.000 Jahre nach dem KT-Impakt", so Keller. Er könne es den Pflanzen und Tieren zusätzlich erschwert haben, sich von den früheren Katastrophen zu erholen.

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