Bio-Hof in Niedersachsen: Mit PCB kontaminierte Eier gefunden

Die Giftstoffwerte in den Eiern überstiegen die erlaubte Höhe um 100 Prozent: Erneut sind in einem Bio-Hof in Niedersachsen belastete Eier gefunden worden. Das Landwirtschaftsministerium veröffentlichte zum Schutz der Verbraucher den Erzeugercode.

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In Oldenburg werden belastete Eier untersucht

Oldenburg - In einem niedersächsischen Legehennenbetrieb sind Eier mit erhöhtem Gehalt von dioxinähnlichem PCB (Polychlorierte Biphenyle) entdeckt worden. Die Eier wurden in einem Bio-Bauernhof im Kreis Oldenburg erzeugt, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Freitagabend mit.

Die Eier wurden am vergangenen Mittwoch in einem Supermarkt in Bayern gefunden. Sie enthielten 80 Nanogramm PCB pro Gramm Eifett - damit überstiegen die PCB-Werte die von der EU erlaubte Höhe um 100 Prozent.

Die Eier von dem Bio-Hof in Niedersachsen, auf dem rund 18.000 Legehennen gehalten werden, dürfen nicht in den Handel gelangen. Außerdem wurden den Angaben des Ministeriums zufolge Tausende Eier in einer Packstelle in Sachsen-Anhalt und in den Niederlanden sichergestellt.

Eine unmittelbare Gesundheitsgefahr durch den Verzehr der belasteten Eier bestehe nicht. Da aber nicht ausgeschlossen werden könne, dass Verbraucher belastete Eier noch zu Hause aufbewahren, veröffentlichte das Ministerium den Erzeugercode 0-DE-0357911. Eier mit diesem Code sollten die Verbraucher vernichten.

Erst vor kurzem hatten Funde von Giftstoffen in Eiern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen für Unruhe gesorgt. Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind ähnlich aufgebaut wie Dioxine. Die insgesamt 209 PCB sind unterschiedlich giftig. In Deutschland sind PCB nach Angaben des Umweltbundesamtes seit 1989 verboten, ihre Entsorgung sei jedoch weltweit ein Problem.

kha/dpa/dapd

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insgesamt 28 Beiträge
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1. optional
man_vs_ape 04.05.2012
Wie können 18000 Legehennen auf einem einzelnen Hof biologisch gehalten werden? Das erschliesst sich mir beim besten Willen nicht, auch wenn ich Bionahrungsmittel definitif nicht abgeneigt bin
2. Nun werden ...
spiegelleser987 04.05.2012
Nun werden wieder alle Hühner und Eier vernichtet werden. Es ist weniger drin als vor 10 Jahren. Und wieviel wirklich drin ist, weiß niemand. Es wird nur umgerechnet, dann klingt es schlimmer und die Politiker können wieder sagen, dass sie etwas für den Verbraucherschutz tun würden. Es werden sinnloserweise aber nur Lebensmittel vernichtet. zu empfehlen: Dioxin oder PCB im Ei? - YouTube (http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=q57X7cgfdis#)! Wer der Meinung ist, die Eier nicht zu essen, sollte auf Eier aus industrieller Produktion umsteigen. Das Futter wird dort untersucht. In der Natur geht das nicht. Das hat das Bayerische Umweltamt schon mehrfach festgestellt. Bioeier sind immer stärker belastet als Lebensmittel aus der Massentierhaltung. Vielleicht hat man einfach den Grenzwert zu niedrig angesetzt.
3. Hilfe! Verseucht!
LuiW 04.05.2012
Oh je! Als im zweiten Weltkrieg halb Europa in Flammen aufgegangen ist, waren die Dioxin- und PCB-Werte wegen der Schmurgelfeuer mit Sicherheit einige zehn- bis hunderttausendmal höher als heute - in der Atemluft, den Unterkünften und in der Nahrung sowieso. Trotzdem lebt die Generation derer, die in den rauchenden Trümmern gespielt hat, länger und ist fiter und gesünder als die vor ihr. Vielleicht ist das alles also doch nicht so gefährlich, wie man uns immer weiß zu machen versucht? Und wenn ich mir vorstelle, dass heute schon ein Tropfen einer Substanz mit dem Bodensee verdünnt trotzdem noch nachweisbar ist, dann lehne ich mich doch ganz entspannt zurück und lasse die Behörden und Umweltschützer messen, solange sie wollen. Ich hätte keine Probleme, diese Eier zu verzehren.
4.
loeweneule 04.05.2012
Zitat von man_vs_apeWie können 18000 Legehennen auf einem einzelnen Hof biologisch gehalten werden? Das erschliesst sich mir beim besten Willen nicht, auch wenn ich Bionahrungsmittel definitif nicht abgeneigt bin
Sie bekommen natürliches Futter ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Wie es den Tieren ansonsten geht, das spielt keine Rolle. Hauptsache, wir bekommen "gesunde" Eier auf den Tisch. Ansonsten ist das genau so eine tierquälerische Massenhaltung wie anderswo auch.
5. ...
tueftler 05.05.2012
Zitat von loeweneuleSie bekommen natürliches Futter ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Wie es den Tieren ansonsten geht, das spielt keine Rolle. Hauptsache, wir bekommen "gesunde" Eier auf den Tisch. Ansonsten ist das genau so eine tierquälerische Massenhaltung wie anderswo auch.
Sie haben eine sehr romantische Vorstellung von Landwirtschaft. Der einzelnen Henne dürfte es egal sein, ob sie mit 100 oder 18000 Hennen in Gesellschaft lebt, solange im wesentlichen Platz und Nahrungsangebot gleich sind. Oder sollen Landwirte in Zukunft Hühnerpsychologen anstellen, weil sie nicht mehr mit Namen angesprochen werden? Die Zeiten, in denen der Bedarf an Nahrung aus bäuerlichen Klein- und Kleinstbetrieben gedeckt wurde, sind eben vorbei. Massentierhaltung ist per se nicht unbedingt tierquälerisch.
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Dioxine - Gefahr für Mensch und Tier
Was sind Dioxine?
Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist das als Seveso-Gift bekannt gewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Im Tierversuch kann es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.
Wie entstehen sie?
Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird das Gift bei 300 Grad und mehr gebildet und bei 900 Grad und mehr zerstört. Auch bei chemischen Produktionsverfahren mit Chlor können die Stoffe entstehen, außerdem bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen.
Welche Gefahren gehen von Dioxinen aus?
Bereits geringe Konzentrationen können gefährlich sein. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt. In Tierversuchen wurden krebserregende Wirkungen nachgewiesen.

Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Tieren und Menschen an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper - vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Ein prominentes Opfer einer Dioxin-Vergiftung ist der ukrainische Politiker Wiktor Juschtschenko. Er hat einen Dioxin-Anschlag im Jahr 2004 nur knapp überlebt. (Quelle: dpa)

Dioxin-Skandale
Dioxin-Skandale des vergangenen Jahrzehnts
Der wohl tragischste Dioxin-Skandal fand im Juli 1976 im italienischen Seveso statt. Bei einem Chemieunfall wurde hochgiftiges Dioxin freigesetzt. Zahlreiche Menschen erkrankten an Krebs, 200 an schwerer Chlorakne. In Deutschland ist ein Vorfall in diesem Ausmaß bislang nicht vorgekommen.
1999
Eine belgische Firma liefert verseuchtes Futter an Tausende Betriebe, darunter sind mehrere deutsche.
2003
Mehrere hundert Tonnen Backabfälle aus Thüringen weisen eine Dioxin-Belastung auf, die bis zu 18-mal höher ist als der zulässige Grenzwert.
2004
In Nordrhein-Westfalen werden mehrere Bauernhöfe gesperrt - wegen des Verdachts auf Dioxin im Tierfutter.
2006
Nch Belgien und den Niederlanden wird auch in Deutschland Dioxin im Tierfutter entdeckt. Betriebe in mehreren Bundesländern müssen schließen.
2010
Das Landesamt für Verbraucherschutz sperrt vorübergehend mehrere Öko-Geflügelhöfe. Belasteter Mais soll von einem niederländischen Unternehmen von Nordrhein-Westfalen aus in mehrere Bundesländer verkauft worden sein. Mehrere Supermärkte stoppen den Verkauf von Bio-Eiern.