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Landwirtschaft: Unbeackerte Felder dämpfen Hitzewellen

Ein Mähdrescher erntet Wintergerste: Bleiben die Reste auf dem Acker, sinkt die Temperatur Zur Großansicht
DPA

Ein Mähdrescher erntet Wintergerste: Bleiben die Reste auf dem Acker, sinkt die Temperatur

Werden Felder vor dem Säen nicht beackert, können sie in ihrer Umgebung Hitzewellen abkühlen. So lässt sich die Temperatur im Sommer um bis zu zwei Grad senken.

Das Prinzip ist ganz simpel: Lässt der Bauer nach der Ernte die Pflanzenreste auf dem Acker, reflektieren diese die Sonneneinstrahlung weitaus effektiver als die nackte Erde. So könne diese Direktsaat genannte Technik Hitzeextreme mildern, schreiben die Forscher um Edouard Davin von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in den "Proceedings of the Academy of Sciences".

Bei der Direktsaat wird das Saatgut nach der Ernte in das Brachland ausgebracht, auf dem noch das Pflanzenmaterial der vorigen Ernte liegt. Im Gegensatz dazu wird bei der konventionellen Landwirtschaft der Boden bearbeitet, etwa durch Pflügen oder Grubbern - und die Pflanzenreste verschwinden unter der Erde. Direktsaat wird in weiten Teilen von Nord- und Südamerika betrieben. In Europa dagegen, wo fast 30 Prozent der Bodenfläche landwirtschaftlich genutzt werden, ist das Pflügen des Bodens die favorisierte Methode.

Direktsaat erhöht das Rückstrahlvermögen

Seit Langem diskutieren Experten über die Vor- und Nachteile beider Verfahren - meist aus ökologischer oder ökonomischer Sicht. Die klimatischen Folgen wurden bislang kaum untersucht. Das Team um Davin maß nun die Albedo - das Rückstrahlvermögen - auf Sommerweizen-Versuchsfeldern in Südfrankreich bei Avignon. Wenn das Rückstrahlvermögen gering ist, erwärmt sich der Boden stärker. Bei Direktsaat lag die Albedo nach der Ernte bei 0,3, bei konventioneller Bewirtschaftung dagegen bei nur 0,2.

Zwar verringere das Pflanzenmaterial am Boden die Ausdünstung von Feuchtigkeit, was wiederum die Sonneneinstrahlung auf die Erde erhöhe. An heißen Tagen ohne Bewölkung falle dies jedoch kaum ins Gewicht, betonen die Wissenschaftler. Die Albedo-Steigerung durch Direktsaat um den Wert 0,1 sei repräsentativ und könne bei Regen geringer, über dunklen Böden aber auch stärker ausfallen, betonen sie.

Kühleffekt im Sommer: 2 Grad für Südeuropa

Um den Temperatureffekt zu ermitteln, simulierten die Wissenschaftler die erhöhte Albedo - etwa mit den Werten während der Hitzewelle in Frankreich im August 2003, als die Temperaturen um zehn Grad Celsius über dem langjährigen Mittel lag. Bei Direktsaat hätte der Wert nur um gut acht Grad höher gelegen. "Für die heißesten Sommertage liegt der Kühleffekt in der Größenordnung von 2 Grad Celsius für Südeuropa und 1,6 Grad Celsius für Nordeuropa", resümieren die Wissenschaftler.

Im langfristigen Mittel liege der Kühleffekt im Sommer bei etwas unter einem Grad Celsius. Bei Feldern, die im Sommer geerntet werden, eigne sich die Direktsaat, um Hitzewellen abzukühlen, so die Forscher. "Das Lindern von Hitzewellen um ein bis zwei Grad Celsius kann möglicherweise einen großen Unterschied ausmachen für die Folgen auf Menschen und Ökosysteme."

anf/dpa

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