DNA-Überraschung Erbgut-Analyse rupft Vogel-Stammbaum

Das Äußere kann täuschen - und das gilt nicht nur für Menschen. Eine groß angelegte Erbgutstudie über mehr als 150 Vogelarten hat gezeigt, dass Ähnlichkeit noch keine Verwandtschaft bedeutet. Der Stammbaum der Federtiere muss nun eventuell neu geschrieben werden.


Vögel gehören zu den am besten erforschten Tieren, doch ihr evolutionärer Stammbaum ist bis heute schwer erfassbar. Einen Schritt zu mehr Klarheit hatte sich ein internationales Team von Wissenschaftlern erhofft, als es mit einer Analyse des Erbguts von 169 Vogelarten begann. Nun liegen die Ergebnisse vor - und sie sind durchaus erstaunlich: Viele Vogelarten, die aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Verhaltensweise nahe verwandt zu sein scheinen, sind es nicht.

Kuckuck: Laut einer neuen Genom-Analyse ist er nicht besonders nah verwandt mit anderen Landvögeln
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Kuckuck: Laut einer neuen Genom-Analyse ist er nicht besonders nah verwandt mit anderen Landvögeln

Bisher haben Biologen die heute existierenden Vögel in drei Gruppen eingeteilt: Land-, Wasser- und Küstenvögel, basierend hauptsächlich auf Lebensweise und Körperbau. Was Shannon Hackett vom Field Museum in Chicago und ihre Kollegen nun aber herausgefunden haben, widerspricht dieser Klassifikation in vielen Teilen.

So sind zum Beispiel wasserliebende Flamingos nicht so nah verwandt mit anderen Wasservögeln wie gedacht, und der Kuckuck ist genetisch gesehen nicht sehr nahe verwandt mit anderen Landvögeln. Andererseits sind Vögel, die sich äußerlich nicht sehr ähneln, wie Spechte, Eulen und Nashornvögel, sehr nahe Verwandte, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Science" ( Bd. 321, S. 1763).

Der Grund, warum es bisher schwierig war, die Evolution der Vögel zu verstehen, war die explosionsartige Vergrößerung der Artenvielfalt vor 65 Millionen Jahren. Wegen dieses rapiden Anstiegs der Zahl der Arten gab es kaum Zwischenformen, die es ermöglicht hätten, mit den bisher bekannten vergleichenden Methoden die Verwandtschaftsverhältnisse der Vögel festzustellen. Auch habe die Genomstudie gezeigt, dass sich verschiedene Lebensweisen und äußere Merkmale von Vögeln im Laufe der Evolution mehrmals unabhängig voneinander entwickelt haben. Durch die genetische Studie können Forscher jetzt eine präzisere Einteilung der Vogelarten auf der Basis ihrer Erbanlagen vornehmen.

mbe/ddp



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