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Dokumentation: Was in Cancún beschlossen wurde

Aus Cancún berichten

Die Abkommen von Cancún schreiben eine Reihe von Klimaschutz-Maßnahmen fest, auf die sich die Weltgemeinschaft lange Zeit nicht einigen konnte.

Aktivisten, Journalisten am Strand von Cancún: Einigung nach dramatischen Schlussstunden Zur Großansicht
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Aktivisten, Journalisten am Strand von Cancún: Einigung nach dramatischen Schlussstunden

In den dramatischen Schlussstunden des Weltklimagipfels in Cancún arbeiteten die Delegierten in zwei verschiedenen Verhandlungssträngen:

Der erste soll die Grundlage legen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Vertrags. Es ist der einzige, derzeit rechtsverbindliche Klimaschutzvertrag, der im Jahre 2005 in Kraft trat, aber Ende 2012 ausläuft. Weil die USA den Kyoto-Vertrag nicht ratifiziert haben, sind die Beschlüsse in diesem Verhandlungsstrang für sie nicht bindend. Auch Schwellenländer wie Indien und China müssen sich nicht zu Treibhausgas-Emissionen verpflichten. Sie gelten unter diesem Vertragswerk als Entwicklungsländer. Auf der Habenseite des in Cancún beschlossenen Abkommens im Kyoto-Prozess steht:

  • Die Industrieländer erkennen die Erkenntnisse des Weltklimarats IPCC an, wonach die Treibhausgas-Emissionen weltweit bis zum Jahr 2020 um mindestens 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden müssen.
  • Die Industrieländer nehmen die freiwilligen Zusagen von CO2-Einsparzielen zur Kenntnis, die sie im letzten Jahr ausgehandelten Kopenhagen-Akkord niedergelegt haben. Damit ist dieses lose Abkommen erstmals in ein Vertragswerk der Uno eingeflossen.
  • Der Vertrag drängt die Industrieländer dazu, ihre CO2-Einsparmaßnahmen aufzustocken. Denn den Anforderungen des Weltklimarats für eine Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes werden die freiwilligen Einspar-Verpflichtungen der Industrieländer nicht gerecht. Sie müssten eigentlich verdoppelt werden.
  • Waldreiche Länder, allen voran Russland, können ihre Treibhausgas-Emissionen gegenrechnen mit den in ihren Waldflächen gespeichertem Kohlenstoff.

Der zweite Verhandlungsstrang auf der Weltklimakonferenz in Cancún trägt den komplizierten Namen Long-term Cooperative Action (LCA). Dort finden sich Beschlüsse, die vor allem für das Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern von Bedeutung sind. Zugestimmt haben die Delegierten zu folgenden Punkten:

  • Die unterzeichnenden Länder erkennen tiefe Einschnitte in den globalen Treibhausgas-Emissionen an. Dabei wollen Sie sich orientieren an dem von der Wissenschaft aufgestellten Ziel, die Erwärmung der Erde auf zwei Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Die Vertragsstaaten halten sich die Option offen, im Lichte neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse das Ziel auf 1,5 Grad zu verschärfen.
  • Die Vertragsparteien erklären ihre Absicht, einen Zeitrahmen zu entwickeln, wann die CO2-Emissionen ihren Höhepunkt erreicht haben und sinken sollen.
  • Es wurde beschlossen, das sogenannte Cancun-Rahmenabkommen zur Anpassung an den Klimawandel zu etablieren. Darin vorgesehen ist unter anderem, dass die Nationen eigene Anpassungspläne an eine wärmere Welt entwickeln.
  • Die Industrieländer nehmen die im Kopenhagen-Akkord niedergelegten, freiwilligen CO2-Einsparziele an. Sie werden gedrängt, ihre Ziele weiter zu erhöhen, damit die Einspar-Maßnahmen konsistent sind mit den Empfehlungen des Weltklimarates. Für die Entwicklungsländer gilt, dass sie geeignete Einsparmaßnahmen verabschieden, damit sie weniger Treibhausgase emittieren, als würden sie einfach weitermachen.
  • Es soll ein Waldschutzprogramm verankert werden, das bekannt ist unter dem Namen Redd (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation).
  • Für die nächsten drei Jahre soll eine Soforthilfe von 10 Milliarden Dollar pro Jahr in einen Fonds der Uno fließen, der mit Priorität für die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder vorgesehen ist.
  • Auf lange Sicht sollen die Finanzmittel für die Entwicklungsländer aufgestockt werden - und zwar ab 2020 auf jährlich insgesamt 100 Milliarden Dollar. Es dürfen dazu keine herkömmlichen Entwicklungshilfs-Gelder gekürzt werden. Die Hilfe kann sowohl aus privaten wie auch staatlichen Mitteln stammen. Die Gelder fließen in den neu gegründeten Green Climate Fund unter der Regie der Vereinten Nationen. Übergangsweise soll die Weltbank die Verwaltung übernehmen. Vorgesehen ist ein Aufsichtsrat mit 24 Mitgliedern, der sich zu gleichen Teilen aus Vertretern von Entwicklungs- und Industrieländern zusammensetzt.
  • Gleichzeitig soll ein Klimatechnologie-Zentrum aufgebaut werden, das den Transfer von Technologien für den Klimaschutz in die Entwicklungsländer ermöglichen soll. Er soll geführt werden durch die Vereinten Nationen.

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1. Der Wunsch ist letztlich der Vater des Gedankens...
paml1983 11.12.2010
Zitat von sysopDie Abkommen von Cancún schreiben eine Reihe von Klimaschutz-Maßnahmen fest, auf die sich die Weltgemeinschaft lange Zeit nicht einigen konnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734120,00.html
--------------------------------------------- In Cancun gibt es kein Abkommen und es gab kein Abkommen. Die Umweltverbände, u.a. BUND kritisieren das völlig zu Recht und das ist auch gut so! Cancun ist ohne Zweifel gescheitert und das "Abschluss-Papier" hat keine andere Bedeutung als der Welt "vorzugaukeln", daß die zigtausend Teilnehmer dort nicht "umsonst" herumdebattiert haben. In Wahrheit geht es nicht ums Klima sondern um Macht und Geld, was sogar Professer Edenhofer vom PIK Potsdam (siehe Interview mit der NZZ-Neue Züricher Zeitung -- einfach nur "googeln") bestätigt. Es wird Zeit diesen Unsinn "Klimakonferenz" endgültig zu Grabe zu tragen, weil es nichts bringt außer Kosten. Im Übrigen verzeichnete der Ort Cancun ausgerechnet während der "Erderwärmungs-Konferenz" einen "Kälterekord" von 10 Grad Celsius, welcher noch nie in diesem Ort gemessen wurde. Ist doch "komisch", daß der "Al-Gore-Effekt" ohne Ausnahme jedesmal zutrifft?
2. Es bleibt beim alten
jonny zumweg 11.12.2010
Zitat von sysopDie Abkommen von Cancún schreiben eine Reihe von Klimaschutz-Maßnahmen fest, auf die sich die Weltgemeinschaft lange Zeit nicht einigen konnte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734120,00.html
Da nach wie vor keine rechtsverbindlichen Abkommen zum Schutz des Weltklimas vor den Hauptsündern getroffen wurden, können die Industrienationen fleißig weiterfeuern, stattdessen werden die Probleme geradezu einseitig auf die Entwicklungsländer verschoben. Ich bin gespannt, was beim nächsten Gipfel vereinbart wird,wahrscheinlich auch nicht mehr.
3. Pöff zu Titeln
AxelSchudak 11.12.2010
>Die Vertragsparteien erklären ihre Absicht, einen >Zeitrahmen zu entwickeln, wann die CO2-Emissionen >ihren Höhepunkt erreicht haben und sinken sollen. Tja... Das ist also der "Erfolg". Wenn man mit einem Auto auf einen Abgrund zufährt, dann wäre das hier das Äquivalent: "Die Mitfahrer haben die Absicht, einen Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem die Geschwindigkeit des Fahrzeugs nicht mehr gesteigert wird." Nichts von bremsen, stehenbleiben oder auch nur gleichbleibender Geschwindigkeit. Nicht einmal eine Höchstgewschindigkeit - aber es wird ein Zeitrahmen beschlossen werden (irgendwann in der Zukunft), zu dem man dann den Zeitpunkt der Höchstgeschwindigkeit (noch weiter in der Zukunft) beschliessen kann. Ich denke, Plan A, die rechtzeitige Reduktion der Schadstoffe, kann man als gescheitert ansehen.
4. Wirtschaft
Meckermann 11.12.2010
Klima hin, klima her - die Menscheit muss einen Weg finden mit knapper werdenen Ressourcen langfristig auszukommen, was aber nur gelingen wird, wenn wir von einer Wirtschaftsdoktrin wegkommen, die auf unbegrenztes Wachstum setzt. Das traut sich aber verständlicherweise niemand anzusprechen, denn schließlich will es sich kein Politiker mit seinen Auftraggebern verscherzen...
5. Das einzig Gute
brux 11.12.2010
Das einzig Gute an diesem "Beschluss" ist, dass die fatalen Folgen des Klimawandels vor allem die "Entwicklungsstaaten" Indien und China treffen werden. Beide bauen zwar Atom-U-Boote, haben aber sehr verwundbare Infrastrukturen. Die Natur wird uns sehr bald zeigen, dass der Planet nicht fuer so viele Menschen ausgelegt ist.
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.

Multimedia-Special
Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein bindendes politisches Abkommen einigen. Erstmals sind nicht nur die Umweltminister, sondern auch die Staats- und Regierungschefs direkt an den Verhandlungen beteiligt. Doch anstatt die ungeheuren Erwartungen zu erfüllen, endet der Gipfel in einem Desaster: Am Ende des zweiwöchigen Ringens steht ein Mini-Kompromiss, der kaum Konkretes enthält und für den globalen Klimaschutz einen herben Rückschlag bedeutet.

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