Folgen der US-Wahl Das Schlimmste an Trump

Einer sah mal ein Ufo, einer befragte Astrologen - diverse US-Präsidenten glaubten an seltsame Dinge. Bei Donald Trump aber geht die größte Gefahr von dem aus, was er nicht glaubt.

Feuersbrunst nahe Clearlake, Kalifornien (August 2015)
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Feuersbrunst nahe Clearlake, Kalifornien (August 2015)

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Franklin D. Roosevelt fürchtete sich vor der Zahl 13 und hasste Freitag, den 13. John Quincy Adams (Präsident von 1825-1829) hielt die Theorie, dass die Erde innen hohl sein könnte, für ausreichend plausibel, um eine Expedition ins Erdinnere zu genehmigen - die aber nie zustande kam. Jimmy Carter reichte vor seiner Zeit als Präsident einmal einen offiziellen Bericht über die Sichtung eines unbekannten Flugobjektes ein. Und Ronald Reagan und seine Frau Nancy ließen sich während ihrer Zeit im Weißen Haus kontinuierlich von einer Astrologin beraten. Die Geschichte der US-Präsidentschaft ist reich an Aberglauben.

Was Donald Trump glaubt oder nicht glaubt, ist nicht ganz klar. Eigenen Angaben zufolge ist er Presbyterianer, also Protestant, glaubt aber nicht an Beichte und Vergebung. Das passt ins Bild. Sehr konsistent dagegen ist Trumps Haltung zum Thema Klimawandel - den hält er im besten Fall für eine Glaubensfrage.

"Von den Chinesen erfunden"

2012 zum Beispiel twitterte Trump, die Idee des Klimawandels sei "von den und für die Chinesen erfunden, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden". In einer der TV-Debatten gegen Hillary Clinton bestritt Trump dann, das je gesagt zu haben, was dem alten Tweet zu enormer Popularität verhalf, Trump aber offenbar rein gar nicht schadete.

Als ihn Redakteure der "Washington Post" im März auf das Thema ansprachen, hatte er erklärt, er sei "kein großer Gläubiger", was den menschengemachten Klimawandel angehe. Wieder und wieder hat er das betont, gern mit dem auch unter Komikern beliebten Argument, draußen sei es doch gerade sehr kalt.

Schneeball im Plenarsaal

Der Widerstand der amerikanischen Rechten gegen wissenschaftliche Fakten ist nicht auf den Klimawandel beschränkt, aber dort ist er besonders eklatant. Die Art, wie die Debatte dort geführt wird, taugt als Lehrbuchbeispiel dafür, wie postfaktische Politik funktioniert.

Es gibt unter republikanischen Abgeordneten und Senatoren viele, die den menschengemachten Klimawandel aktiv und explizit leugnen, allen voran Senator Jim Inhofe aus Oklahoma. Der versuchte, die Debatte über das Thema einmal damit zu beenden, dass er einen Schneeball auf den Boden des Senatsplenarsaales warf. Stichwort: Ist doch kalt draußen.

Andere folgen stattdessen dem Skript der sie mit Abermillionen fördernden Ölbranche, demzufolge man nur genügend Zweifel säen muss, um den wissenschaftlichen Konsens in Verruf zu bringen. Im Jahr 2015 etwa antworteten diverse Republikaner auf Fragen nach dem Klimawandel stets und offenbar konzertiert mit der Formel "Ich bin kein Wissenschaftler" - mit der absurden Implikation, dass Politiker in der Frage der globalen Erwärmung (anders als in jeder anderen politischen Frage!) nur auf Basis eigenen Expertenwissens urteilen könnten.

Sogar Republikaner-Wähler haben es begriffen

Schon vor den Wahlen am vergangenen Dienstag saßen über 180 Republikaner im US-Kongress, die den menschengemachten Klimawandel leugnen. Jetzt sind es noch ein paar mehr. Dabei sind mittlerweile sogar drei Viertel der US-Bürger überzeugt, dass die globale Erwärmung real ist, auch die Mehrheit der Wähler der Republikaner.

Und ausgerechnet jetzt Trump. Jetzt, wo sich die Weltgemeinschaft im Abkommen von Paris erstmals tatsächlich darauf geeinigt hat, den menschengemachten Klimawandel als Faktum zu behandeln und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten - auch wenn die längst nicht ausreichen. Die historische Leistung, China und die USA zu einen, die weltgrößten Treibhausgas-Emittenten, können Trump und seine postfaktischen Parteigenossen zunichte machen. Das könnte sich als das schlimmste Erbe dieser Präsidentschaft erweisen.

Letzte Hoffnung aus unerwarteter Ecke

In vielen anderen Bereichen dagegen kann man hoffen, dass die verrückten Ideen des President Elect im Kontakt mit der politischen Realität zerschellen werden. Das US-Militär etwa dürfte mit Hinblick auf die Nato weniger nonchalant agieren wollen, als Trump das versprochen hat, und auch seine isolationistischen Wirtschaftspläne werden hoffentlich am Widerstand der eigenen Partei scheitern.

In Sachen Klimawandel aber ist sich der pathologische Lügner Trump mit den habituellen Lügnern und Leugnern unter den Republikanern einig. Dass er dort reüssiert, scheint erschreckend wahrscheinlich.

Hilfe könnte allenfalls aus einer sehr unterwarteten Richtung kommen. In Leonardo DiCaprios Klima-Dokumentarfilm "Before the Flood" gibt es gegen Ende ein Interview mit Barack Obama. Der Präsident erklärt DiCaprio darin, es gebe eine Behörde, die wegen Gefahren wie massenhafter Migration oder Kriegen um Wasser empfehle, die Erderwärmung als Risiko für die nationale Sicherheit der USA zu behandeln. Gemeint ist das US-Verteidigungsministerium.

Vielleicht können die Generäle Trump ja auch da umstimmen.

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insgesamt 365 Beiträge
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Seite 1
ohnefilter 13.11.2016
1. Guter Artikel
Hier in Berlin lag heute morgen Schnee. Relativ ungewöhnlich für diese Jahreszeit, zumal nach einem teilweise heftig heißen Sommer. Und da gibt es tatsächlich Narren, die nicht den Klimawandel sehen? Trump & Co. können nicht ewig so weiter machen. Auch in Washington und Manhattan wird es irgednwann so kalt, dass man sich überlegt, woher das Heizöl kommt.
AirStalz 13.11.2016
2. Was sagt mir der Artikel?
Eigentlich ist ja alles schlecht an Trump. Gut, habe ich jetzt schon tausendmal gehört. Wäre die "Alternative" Clinton jetzt die Heilsbringerin? Anscheinend nicht, sonst hätte sie diesen anscheinend aussichtslosen Wahlkampf ja gewonnen. Ich würde mich freuen, wenn man die Wahl jetzt mal hinnimmt und den Mann liefert lässt, anstatt hier ein Weltuntergangsszenario nach dem anderen zu diskutieren. Das nervt.
farbkasten 13.11.2016
3.
Kann man eine wissenschaftliche These tatsächlich leugnen?! Oder nicht vielmehr "bezweifeln"?
Pakeha 13.11.2016
4. Nicht ein Freund
... von Trump ! Aber: Er wurde immer unterschätzt ! Und: Genau das ist die Gefahr ( bei Populisten weltweit) - Geschichte wiederholt sich !
DrWimmer 13.11.2016
5. Schwierige Wortwahl des Autors
Hier wird Glauben oder Nicht-Glauben vermengt mit Fakten und Wissenschaft. Es wird so dargestellt, als "glaube" Trump nicht an den Klimawandel und die Fakten würden belegen, dass Treibhausgase (heute ist damit i.d.R. vor allem CO2 gemeint) den Klimawandel auslösen. Das ist bis heute wissenschaftlich/faktisch aber weder zu widerlegen noch zu belegen. Es wird lediglich vermutet (z. B. aufgrund des Tempos und gezogener Schlüsse aus "ein paar" Kurven) und aufgrund der Vermutung gehandelt, da die drohenden Konsequenzen drastisch sind. Es könnte aber genauso gut sein, dass Ursache und Wirkung vertauscht wurden und man sich geirrt hat. Dann kommen die drastischen Konsequenzen trotzdem und die Maßnahmen haben nur jede Menge Geld verpulvert (Deutschland ist da mit seiner scheiterneden Energiewende ein Paradebeispiel, man ersetzt mit dem strategielosen Ausbau der Erneuerbaren ohne große Speichermöglichkeiten bis heute kein einziges konventionelles Kraftwerk), dass man besser investiert hätte um sich auf die Klimawandel-Konsequenzen bestmöglich einzustellen. Das wird übrigens auch sowieso am Ende das Ergebnis sein. Denn egal wovon der aktuelle Klimawandel verursacht wird, werden wir am Ende die Konsequenzen erleben und damit umgehen müssen. Irgendwelche Klimaziele versucht ernsthaft niemand zu erreichen. Das wird scheitern. Daran glauben außer Barbara Hendricks nur ein paar wenige auf diesem Planeten ernsthaft. Trump ist da eher die Regel als die Ausnahme. Er sagt auch hier nur wenig unverblümt was er denkt, während andere eine riesen Show machen und hintenrum auch nicht anders handeln. Leute wie Leo DiCaprio oder unser deutscher Hannes Jaennicke fliegen übrigens regelmäßig um die Welt um die Sau rauszulassen oder irgendwo ihre Ferien-Immobilien zu nutzen. Die gehören zu denen die Wasser predigen und Wein saufen. Warum wohl? Es ist heutzutage lukrativ und gut fürs Image den Weltenretter vorzuspielen. Für Schauspieler ja keine große Sache.
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