Stopp von Forschungsprogrammen Drei Strategien gegen Trump

Die US-Regierung unter Donald Trump ersetzt Forscher durch Industrielle und streicht den Einsatz von Satelliten. Nun rufen Wissenschaftler zur Gegenwehr.

NOAA

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Die Wissenschaft wird rausgeschmissen. Die neue Regierung der USA ersetzt Forscher, die bislang für die staatliche Umweltbehörde EPA gearbeitet haben, durch Industrievertreter, das berichtet gerade die "New York Times".

Auch andere Einschnitte stehen bevor: Vier Großprojekte der Umweltforschung der USA - "PACE", "OCO-3", "DSCOVR" und "CLARREO" -, die sich auf Satelliten oder anderes teures Messgerät stützen, sollen gestoppt werden; das zeigt der Finanzplan der Trump-Regierung.

Um das Klima der Erde zu verstehen, benötigen Forscher allerdings mehr Daten. Gelänge es, die Umwelt besser zu observieren, könnte sich offenbaren, wie genau Ozeane, Wälder, Böden, Wolken, Luft und Sonne das Klima verändern. Besonders Satelliten ist zu verdanken, dass die Erwärmung von Luft und Meeren in den vergangenen Jahrzehnten nachgewiesen werden konnte.

Das sagt die Nasa

Die US-Forschungsbehörde Nasa gibt sich zurückhaltend: "Unser Gesamtbudget ist stabil, obwohl einige Missionen nicht weitergehen werden", heißt es in einer Stellungnahme für den SPIEGEL. Man wolle "den Forschungsfokus den Gegebenheiten anpassen".

Wissenschaftler anderer Organisationen indes überbieten sich mit scharfer Kritik an Trump. Auf der Jahrestagung der European Geosciences Union (EGU) in Wien haben sie nun eine Gegenbewegung organisiert.

Mit drei Strategien wollen sie Trumps Regierung umstimmen: Mit besserer Selbstdarstellung, mit wirtschaftlichen Argumenten und mit Druck.

Politischer Druck

Der Regierung der USA müsse klarwerden, dass ihnen die Lufthoheit abhandenkomme, erklärte Wolfgang Wagner, Experte für Satellitendaten am Global Climate Observing System. Europa, China, Indien und Japan hätten in den vergangenen zehn Jahren zahlreiche Satellitenmissionen gestartet, auf deren Daten mittlerweile auch die USA zurückgriffen.

Ob es im Interesse der USA sei, die Hoheit über ihre Umweltbeobachtung abzugeben, sei fraglich. Andere Länder seien dabei, der USA Konkurrenz zu machen.

Strategie müsse sein, besonders die republikanischen Abgeordneten im US-Kongress zu überzeugen, die bei ökonomischen Argumenten sensibel würden, meinte Eric Davidson, Präsident der American Geosciences Union (AGU). "Wir müssen eine überparteiliche Koalition bilden", forderte er auf der Wiener Tagung.

Wirtschaftliche Argumente

Es bestünde "riesiges ökonomisches Interesse" an Satellitendaten, sagte Davidson. Daten über kostbares Grundwasser etwa ließen sich am besten mit Satelliten gewinnen.

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Unternehmen in den USA verdienten Milliarden mit der Aufbereitung von Satellitendaten der Nasa, sagte Barbara Ryan von der Group on Earth Observations. "Unser Argument muss die wirtschaftliche Bedeutung für die Privatwirtschaft sein."

Einig waren sich die Forscher darin, die Unterstützung der Öffentlichkeit suchen zu wollen: Die Wissenschaft müsse "das Vertrauen der Gesellschaft zurückerobern", forderte Christiana Figueres, langjährige Chefin des Uno-Klimabüros.

Bessere Selbstdarstellung

Notwendig sei effektivere Wissenschaftskommunikation, meinte auch AGU-Präsident Davidson - und erntete nachdrückliche Zustimmung bei Kollegen und Publikum auf der Wiener Tagung. "Wir müssen den Bürgern besser erklären, warum unsere Forschung wichtig ist", sagte Davidson.

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Missionen vor dem Aus: Trump nimmt Forschern Satelliten weg

Bisherige Erklärungsversuche seien jedoch kaum erfolgreich, geben Sozialforscher zu bedenken: Der vorherrschende Ansatz - Bürger von der gesellschaftlichen Bedeutung der Forschung zu belehren - sei "polarisierend", konstatiert der Wissenschaftspsychologe Dan Kahan von der Yale-University.

Derartige Kampagnen beförderten sogar die Skepsis gegenüber der Wissenschaft: Feinde der Wissenschaft erlebten besserwisserische Aufklärung als Angriff auf ihre kulturelle Gruppe, was sie stärker aufbringen würde. Umso wichtiger wäre, dass die Wissenschaft in ihrer Außendarstellung Misstrauen nicht noch beförderte.

Forscher-Protestmärsche aber, wie sie jüngst organisiert wurden, dürften wirkungslos bleiben, um eine wissenschaftskritische Regierung oder Öffentlichkeit zu überzeugen, schreibt der Wissenschaftsforscher Roger Pielke Junior im "Guardian". Für die Beteiligten seien solche Märsche zwar wohl von "kathartischer", also reinigender Wirkung.

Wer jedoch Gewicht haben wolle, müsse Wähler jenseits des akademischen Milieus erreichen - daran aber scheitern Naturwissenschaftler häufig, trotz zahlreicher Kommunikationsprogramme.

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