Trump-Regierung Klimaseite der US-Umweltbehörde vorübergehend offline

Auf der Internetseite der US-Umweltbehörde sind derzeit kaum Informationen über den Klimawandel zu finden. Sie wurden vorübergehend vom Netz genommen - während Zehntausende gegen Trumps Klimapolitik demonstrieren.

AFP

Die US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) hat die allermeisten Informationen über den Klimawandel wegen Überarbeitungen von ihrer Website getilgt. Wissenschaftliche Klimadaten und Informationen über Treibhausgasemissionen sind seit Freitag nicht mehr auf der Website zu finden.

Dauerhaft gelöscht worden sind die entsprechenden Unterseiten aber wohl nicht. Vielmehr findet aktuell eine Bearbeitung statt, nach der die Passagen in neuer Form wieder online gehen dürften - so, wie sie dem neuen US-Präsident Donald Trump passen.

Besucher der Seiten werden mit einem kurzen Informationsbanner über das Vorgehen informiert. "Wir aktualisieren gerade unsere Website, um die Prioritäten der EPA unter der Führung von Präsident Trump und EPA-Chef Pruitt abzubilden", heißt es. Die frühere Version der Seite wurde archiviert.

Der neue US-Präsident ist als Gegner der anerkannten Theorie vom menschengemachten Klimawandel bekannt, hatte seine Aussagen dazu nach der Wahl aber abgemildert. Mit Scott Pruitt hat Trump aber einen Klimawandel-Skeptiker zum Chef der Behörde ernannt. In der Vergangenheit hatte er zudem mehrfach erklärt, die Behörde ganz abschaffen zu wollen - und die Internetseite der EPA einfach zu schließen.

Es gehe aktuell aber nur darum, veraltete Sprache aus den Texten auf der Seite zu entfernen, um "Platz zu machen für Diskussionen, wie wir die Umwelt und menschliche Gesundheit" schützen, zitiert CNN einen EPA-Sprecher. "Es ist schwer verständlich, warum Fakten überarbeitet werden müssen", sagte dagegen Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe der "Washington Post".

Hollywoodstar DiCaprio geht gegen Trump auf die Straße

Der Schritt der EPA erzürnte viele Umweltschützer und kam kurz vor einem großen Protestmarsch in Washington, D.C. Zehntausende demonstrierten am Samstag mit einem "Marsch für das Klima" gegen die Umweltpolitik Trumps.

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Marsch für das Klima: Leonardo DiCaprio protestiert gegen Trump

Während Trump eine positive Bilanz seiner ersten 100 Tage im Amt zog, marschierten die Umweltschützer vom Kapitol zum Weißen Haus. Unter den Demonstranten war auch Hollywoodstar Leonardo DiCaprio, der inmitten einer Gruppe Ureinwohner lief und ein Banner mit der Aufschrift "Der Klimawandel ist real" trug.

Die Umweltschützer kritisierten vor allem die Ankündigung Trumps, das Pariser Klimaschutzabkommen aufzukündigen. Es gilt als Meilenstein im Kampf gegen den Klimawandel. Seit seinem Wahlsieg hielt Trump sich in der Frage aber bedeckt. Die USA hatten das Abkommen unter Trumps Vorgänger Barack Obama im September vergangenen Jahres ratifiziert.

IM VIDEO: So denken die Amerikaner über Donald Trump

SPIEGEL ONLINE

AFP/gru



insgesamt 105 Beiträge
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Trockenfisch 30.04.2017
1. Fakten
werden sicher nicht gelöscht sondern ausgetauscht gegen die beliebten altenativen Gegenstücke. Ist jedenfalls anzunehmen. Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht verbietet Donald ja ab sofort die vielen Klimaanlagen in den USA und Donald und die Umweltschützer werden noch so richtig gute Freunde.
permissiveactionlink 30.04.2017
2.
Das ist chinesisch und bedeutet : "Verstecke das Licht, nähre die Dunkelheit !". Aber auch Trumps Pseudoregierung wird nicht dauerhaft verhindern, was schon Arthur Schopenhauer wusste : "Jede Problemlösung durchläuft bis zu ihrer Anerkennung drei Stufen : erst wird sie verlacht, dann wird sie bekämpft und am Ende gilt sie allen als selbstverständlich." Noch ein chinesisches Sprichwort ? "Man muss nur lange genug am Flussufer warten, irgendwann schwimmen die Feinde faulend vorüber". Hoffentlich warten wir nicht zu lange !
Nordstadtbewohner 30.04.2017
3. Mehr Demokratie wagen.
""Es ist schwer verständlich, warum Fakten überarbeitet werden müssen",  sagte dagegen Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe der "Washington Post"." Ich denke, man sollte diesen Satz nicht ohne Weiteres so stehen lassen. Wer regelmäßig englischsprachige Medien wie CNN konsumiert, wird den Namen Katharine Hayhoe kennen. Diese Frau ist nicht nur eine "Klimawissenschaftlerin", sondern auch überzeugte christliche Klerikerin, die versucht, Religion mit der Wissenschaft zu vereinen. Was da zu erwarten ist, kann sich jeder ausmalen, gerade in Bezug auf andere "Fakten" wie der christlichen Schöpfungsgeschichte oder das Selbstbestimmungsrecht der Frau beim Thema Abtreibung. Ich würde mir wünschen, dass die politisch-mediale Öffentlichkeit Präsident Trump endlich mehr Respekt gegenüber bringt, statt wie am laufenden Band ihn und seine Familie zu diffamieren. Die Überarbeitung der im Artikel erwähnten Webseite ist legitim, da Donald Trump im Gegensatz zu Leonardo di Caprio durch freie Wahlen legitimiert worden ist. Wer seine Sicht der Dinge zum Klimawandel veröffentlichen will, der kann auch selbst seine Webseite online stellen.
hubie 30.04.2017
4. Weitere Anzeichen...
Man sollte Demokratie, Meinungsfreiheit und vor allem die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber, eine aufgeklärte Gesellschaft also, nicht als Faktum betrachten. Dafür muss man kämpfen, jeden Tag ein bisschen. In den USA derzeit jeden Tag nochmal mehr. Die derzeitige Administration ist eine echte Bedrohung für die aufgeklärte Gesellschaft (die selbst noch längst nicht dort ist, wo ich sie persönlich erhoffen würde). Eine alleinige Wiedereinführung der Schöpfungslehre in den Unterricht und das Verdrängen einer Evolutionstheorie samt wissenschaftlicher Fächer ist keine Undenkbarkeit, da auch schon in dieser Form in kleinem Maßsstabe an der ein oder anderen Stelle geschehen. Die Türkei zeigt derzeit wie es geht.
capote 30.04.2017
5. Was mich immer irritiert ist:
Wenn wir so genau wissen, dass die Menschen einen Klimawandel verursachen, dann gibt es nichts mehr zu erforschen und die Forschungsgelder können gestrichen werden. Oder wir wissen nichts und forschen in dieser Richtung und dann sind irgendwelche Massnahmen verfrüht. Eines von beidem geht nur.
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