Trumps Linie US-Regierung tilgt den Begriff Klimawandel von Websites

Den Klimawandel hält Donald Trump für eine Erfindung. Eine Analyse von US-Regierungswebsites verdeutlicht den Politikwechsel seit Obama.

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Donald Trump macht kein Geheimnis daraus, was er vom Klimawandel hält. Er betont wieder und wieder, "kein großer Anhänger" der Forschung zu einer menschengemachten globalen Erwärmung zu sein. Gern mit dem Argument, es sei doch gerade sehr kalt. Zu der jüngsten Kältewelle in den USA schrieb er auf Twitter tatsächlich: "Im Osten gibt es an Silvester einen Kälterekord. Vielleicht könnten wir ein bisschen was von der guten alten Klimaerwärmung gebrauchen, für das unser Land - aber nicht andere Länder - Billionen Dollar ausgeben wollte, um sich davor zu schützen. Zieht euch warm an."

Die Haltung des US-Präsidenten hat Auswirkungen darauf, wie die Regierung über den Klimawandel informiert. So wurden Erwähnungen des Klimawandels offensichtlich systematisch von offiziellen Webseiten der US-Regierung entfernt, wie eine aktuelle Analyse zeigt. Außerdem ist es nun offenbar viel schwieriger, auf den Regierungsseiten an Informationen über den Klimawandel zu kommen.

Die Autoren der Studie gehören zur Environmental Data and Governance Initiative, die sich aus Wissenschaftlern und Aktivisten zusammensetzt. Für ihre Analyse haben sie dokumentiert, wie sich die Webseiten der US-Regierung unter Trump verändert haben. "Warum verschwendet die Regierung so viel Energie für die 'Wissenschaftsreinigung', statt die Zeit und Ressourcen für den Umweltschutz und die Energiesicherheit zu nutzen?", fragen die Autoren.

Wie wenig Bedeutung Trump dem Klimawandel beimisst, spiegelt sich auf der Website des Weißen Hauses wider. Unter der Überschrift: "Energie und Umwelt" steht nun: "Amerikanern wurde lange erzählt, unserem Land würde die Energie ausgehen. Aber nun wissen wir: Das ist falsch." Darunter streckt Trump Fabrikarbeitern die Faust entgegen.

Webseite des Weißen Haus unter Trump
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Webseite des Weißen Haus unter Trump

Unter Barack Obama sah das noch anders aus. Damals war die Überschrift der Seite etwas länger - sie lautete: "Energie, Klimawandel und unsere Umwelt". Das Wort Klimawandel hat Trump offenbar von der Seite verbannt. Bei Obama hieß es weiter: "Der Präsident hat beispiellose Bemühungen unternommen, um eine Grundlage für saubere Energie aufzubauen, den Klimawandel zu bekämpfen und die Umwelt zu schützen."

Webseite des Weißen Haus unter Obama
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Webseite des Weißen Haus unter Obama

Die Seite des Weißen Haus war die erste, die sich den Ansichten des neuen Präsidenten anpasste. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Es ist üblich, dass der neue Präsident eine neue Website aufbaut. Die Seite von Obama wurde archiviert, ebenso wie die von George W. Bush und Bill Clinton. Die Informationen der Obama-Regierung über den Klimawandel sind also noch da. Allerdings ist die Seite mittlerweile voll mit toten Links, weil die Webadressen nicht aktualisiert worden sind. Dadurch seien die Informationen nun viel schwieriger zu finden, kritisieren die Autoren der Studie.

Diesen Hinweis auf der Seite des Außenministeriums gibt es nicht mehr
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Diesen Hinweis auf der Seite des Außenministeriums gibt es nicht mehr

Kurz nach Trumps Amtseinführung verschwanden auch Hinweise darauf, wie die USA in internationale Klimaabkommen eingebunden sind. So weist das Außenministerium nicht länger auf Maßnahmen zum Klimaschutz hin. Wer heute die Webseite aufruft, kommt nur zu dem Hinweis: "Es tut uns leid, die Seite konnte nicht gefunden werden."

Stattdessen kommt die Rückmeldung "Es tut uns leid, die Seite konnte nicht gefunden werden"
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Stattdessen kommt die Rückmeldung "Es tut uns leid, die Seite konnte nicht gefunden werden"

"Extreme Wetterereignisse" statt "Klima"

Das Wort "Klima" wird auch auf anderen Webseiten der US-Regierung umschifft. Ein Programm der US-Umweltbehörde Epa hieß beispielsweise früher "Climate Ready Water Utilities", was so viel bedeutet wie "an das Klima angepasste Wassernutzung".

Das Programm heißt jetzt "Resilient Water Utilities", also etwa "belastbare Wassernutzung". Mit der Namensänderung hat sich offenbar auch das Ziel der Kampagne geändert. Statt die Wasserversorgung auf den Klimawandel anzupassen, soll es nun die "Widerstandsfähigkeit gegen extreme Wetterereignisse erhöhen". Im Erklärtext des Programms kommt das Wort Klima nun gar nicht mehr vor.

Das Umweltministerium hat auch eine Website über den "Clean Power Plan" entfernt. Mit dem Plan wollte die Obama-Regierung dafür sorgen, dass US-Kraftwerke weniger Kohlendioxid ausstoßen. Trump will die Vorgaben zurückdrehen.

"Informationen über den Klimawandel von Regierungs-Webseiten zu entfernen beeinflusst nicht die Realität des Klimawandels", schreiben die Autoren der Studie. Es gehe der Regierung vielmehr darum, das Thema zu verschleiern und den wissenschaftlichen Konsens in Zweifel zu ziehen, dass es den Klimawandel gebe und dass er vom Menschen beeinflusst werde.

Die US-Regierung hat dagegen mehrfach betont, dass es ihr freistehe, Schwerpunkte in ihrer Agenda zu setzen und diese auch auf den offiziellen Webseiten der Regierung darzustellen. Doch die kann sich ändern. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag kündigte Trump an, dass er eine Rückkehr zum Pariser Klimaschutzabkommen nicht ausschließe. Ähnlich hatte sich schon im September US-Außenminister Rex Tillerson geäußert. Die Umwelt sei ihm sehr wichtig, betonte Trump. "Wir wollen sauberes Wasser, saubere Luft, aber wir wollen auch Unternehmen, die wettbewerbsfähig sind."

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes war versehentlich ein Tweet von Donald Trump aus dem Jahr 2012 verlinkt. Wir haben nun den richtigen Tweet von Ende 2017 zugeordnet.

koe

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