"Donnerschenkel"-Dinosaurier Muskelpaket kickte Feinde in die Flucht

Paläontologen haben eine faszinierende Dinosaurier-Art entdeckt: Brontomerus mcintoshi hatte eine besonders kräftige Beinmuskulatur. Diese brachte der Riesenechse nicht nur den Namen "Donnerschenkel" ein. Forscher glauben, dass sich das Muskelpaket mit Fußtritten zur Wehr setzte.

Francisco Gascó

Brontomerus mcintoshi war vermutlich der stärkste Sauropode überhaupt. Mit besonders kräftigen Fußtritten hat er vielleicht beim Werben um ein Weibchen Rivalen bekämpft oder Raubsaurier in die Flucht geschlagen: Der Dinosaurier, der vor rund 100 Millionen Jahren lebte, fasziniert Forscher, weil er ungewöhnlich starke Beinmuskeln hatte. Der Name, den sie der Riesenechse gaben, lautet daher übersetzt "Donnerschenkel".

Entdeckt wurden versteinerte Überreste des Sauriers bereits in den Neunziger Jahren, doch erst jetzt haben britische und US-Wissenschaftler sie genau analysiert und berichten in der Fachzeitschrift "Acta Palaeontologica Polonica" über die Art. Die Knochenüberreste von Schulter, Hüfte, Rippen und Wirbel wurden in einem Steinbruch im US-Bundesstaat Utah gefunden, danach landeten sie erst einmal im Museum, "bis wir sie uns näher angeschaut haben", sagte Mike Taylor vom University College in London, einer der Autoren der Studie.

Aus der Form des Hüftknochens konnten die Paläontologenschließen, dass Brontomerus mcintoshi über eine außergewöhnlich kräftige Schenkelmuskulaturverfügte. Die Fossilien gehörten einem ausgewachsenen und einem Jungtier - eventuell einem Weibchen und ihrem Nachwuchs.

Taylor und seine Kollegen bildeten auf Grundlage des Fossilienfunds das vollständige Knochengerüst des Dinosauriers nach, der zu den Sauropoden zählte. Die Sauropoden, vierbeinige Pflanzenfresser, waren die größten Tiere, die je auf der Erde gelebt haben. Zu dieser Gruppe gehören auch der Diplodocus und der Brachiosaurus.

"Wie Geländewagen bewegt"

Das Weibchen wog den Berechnungen zufolge etwa sechs Tonnen und war 14 Meter lang. Das Jungtier, das bereits einige Jahre alt war, brachte den Forschern zufolge rund zweihundert Kilogramm auf die Waage und war etwa so groß wie ein Pony. Mit ihren mächtigen Schenkeln hätten sie sich in dem zerklüfteten und kargen Gebiet, in dem sie lebten, "wie Geländewagen" bewegt.

Die kolossalen Dinosaurier lebten in der Kreidezeit vor rund 110 Millionen Jahren. Der Fund sei auch aus einem weiteren Grund wichtig, betonen die Forscher: Lange nahm man an, dass die Sauropoden in der unteren Kreidezeit ausstarben, weil kaum Fossilien von ihnen aus dieser Zeit existierten. Die Knochen von Brontomerus mcintoshi vergrößern die Zahl der Funde, welche dieser Theorie widersprechen.

"In den vergangenen 20 Jahren haben wir immer mehr Sauropoden aus der unteren Kreidezeit entdeckt", sagt Matt Wedel von der Western University of Health Sciences in Pomona, Kalifornien, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Es scheine, als habe das Artensterben unter den Sauropoden noch nicht in diesem Zeitalter eingesetzt, wie früher vermutet. Allerdings seien diese Dinosaurier in der Kreide weniger verbreitet gewesen als zuvor, weshalb es auch weniger Fossilienfunde gebe.

wbr/AFP



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
tetaro 23.02.2011
1. Die Geschichte der Evolution
... muss also neu geschrieben werden, was den Profifussball betrifft.
hippo-jk 23.02.2011
2. Titel
Zitat von tetaro... muss also neu geschrieben werden, was den Profifussball betrifft.
Wer sagt denn, daß die Jungs und Mädels Profis waren? Weil sie ausgestorben sind? Pech, als Amateure hätten sie vielleicht überlebt... :-)
salve, 24.02.2011
3. Es kommt zwar nicht auf die Größe an...
?"...Die Sauropoden, vierbeinige Pflanzenfresser, waren die größten Tiere, die je auf der Erde gelebt haben..."? http://wwf-arten.wwf.de/detail.php?id=184
dimetrodon109 24.02.2011
4. Kein Titel
Zitat von sysopPaläontologen haben eine faszinierende Dinosaurier-Art entdeckt: Brontomerus mcintoshi hatte eine besonders kräftige Beinmuskulatur. Diese brachte der Riesenechse nicht nur den Namen "Donnerschenkel" ein.*Forscher glauben, dass sich das Muskelpaket mit Fußtritten zur Wehr setzte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,747202,00.html
Was manche Leute so alles aus ein paar Knochenfragmenten herauslesen wollen ist echt beeindruckend. Eine paar Knochen in der Nähe eines Geleges = Brutpflege, eine paar kräftige Muskelansätze = Fußtritte gegen Raubsaurier. Märchenstunde in der Wissenschaft.Wer´s glaubt !
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