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Drastische Erwärmung: Grönlands Frühling beginnt zwei Wochen früher

Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge im kargen Südosten Grönlands werden immer früher aktiv: Für sie beginnt der Frühling zwei Wochen eher als noch vor zehn Jahren, haben Biologen protokolliert. Sie halten das für eine weiteres Zeichen der Folgen des Klimawandels.

Kopenhagen - "Unsere Studie bestätigt, was viele Leute denken, nämlich dass sich die Jahreszeiten verändern", sagte Toke Høye von der Universität Århus. "Und es sind nicht bloß ein oder zwei warme Jahre, sondern ein starker Trend über ein ganzes Jahrzehnt hinweg." Høye hat den Frühlingsbeginn erforscht, und zwar an einem eher extremen Ort: der dänischen Forschungsstation Zackenberg im nordöstlichen Grönland.

Das Team des Biologen hat in einer Langzeitstudie von 1996 bis 2005 auf einer Fläche von 19 Quadratkilometern rund um Zackenberg systematisch das Verhalten von Pflanzen, Schmetterlingen, Vögeln und anderen Tierarten protokolliert. Frühlingszeichen wie Wachstum, Blüte oder Eierlegen verschoben sich dabei binnen des zehnjährigen Beobachtungszeitraums um durchschnittlich 14,5 Tage nach vorn, berichten Høye und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Current Biology" (Bd. 17, S. 449). Das sei eine weitere "Frühwarnung" aus Arktis, die für die globale Erwärmung besonders anfällig sei.

Erst im vergangenen Frühjahr hatten Messungen von der norwegischen Arktis-Insel Spitzbergen von sich reden gemacht: Das Frühjahr war dort um bis zu 13 Grad Celsius wärmer als normal. Im Winter 2006/2007 sorgten die rekordverdächtig milden Temperaturen für eine ungewöhnlich starke Eisschmelze, wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt Ende März mitteilten.

Solche eher punktuellen Messungen und Abweichungen sagen alleine aber noch nichts über einen globalen Trend aus, sie könnten zufällige oder wenigstens statistisch unbedeutende Ausreißer nach oben sein. Das Klima, die Statistik des Wetters, lässt sich erst rückblickend mit Zeitreihen fassen.

Daten wie Høyes Messungen sind dabei für Klimaforscher besonders wertvoll, weil sie nicht bloß einen physikalischen Parameter (die Temperatur) aufzeichnen, sondern die Veränderungen durch die Variation im Ökosystem. Die Biologen präsentieren Beobachtungen von rund zwei Dutzend unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten aus der kargen Gegend. Nur bei zwei Spezies konnten sie verspätete Frühlings-Aktivitäten feststellen. Alle anderen waren früher dran als erwartet. "Das zeigt ganz klar, dass Organismen in der hohen Arktis stark und schnell auf Klimaveränderungen reagieren", schließen die Forscher ihren Beitrag.

Tatsächlich fällt eine Veränderung von durchschnittlich 14,5 Tagen bei weitem aus dem Rahmen: Bisherige Studien für Tiere und Pflanzen in Europa gehen von einer vergleichbaren Veränderung von zweieinhalb Tagen, andere Forschungsarbeiten von etwa fünf Tagen aus.

stx/dpa

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Grönland: Frühling viel früher

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