Bergbau und Landwirtschaft Das Mongolische Plateau trocknet aus

Staubstürme häufen sich, Seen werden kleiner: Forscher warnen vor dem Austrocknen des Mongolischen Plateaus - die Region ist achtmal so groß wie Deutschland. Ursache seien Bergbau und Landwirtschaft.

Bedrohte Hochebene: Seen in der Mongolei schrumpfen
Corbis

Bedrohte Hochebene: Seen in der Mongolei schrumpfen


Peking - Eine riesige Hochebene in Zentralasien droht auszutrocknen. Die Seen des Mongolischen Plateaus, das sich über die Mongolei und die zu China gehörige Innere Mongolei erstreckt, verschwinden einer Studie zufolge in zunehmendem Tempo. Schuld daran seien vor allem Bergbau und Landwirtschaft, mahnen chinesische Forscher in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Sie warnen vor katastrophalen Folgen.

Das Mongolische Plateau zählt zu den größten Hochebenen Asiens. Sein Kerngebiet, die Mongolei und die Innere Mongolei, umfasst etwa 2,75 Millionen Quadratkilometer und ist damit fast achtmal so groß wie Deutschland. Die trockene Region ist überzogen von vielen Seen, die von Grassteppe umgeben sind. Diese bildet nicht nur die traditionelle Lebensgrundlage der nomadischen Bevölkerung und ihrer Herden, sondern auch wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere, darunter viele Wasservögel.

Bekannt war, dass die Region seit Jahrzehnten trockener wird. So bemängelt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), dass der zunehmende Bergbau in der Mongolei seit Beginn der Neunziger Jahre immer größere Teile der Landschaften zerstört. Inzwischen, schreiben die Forscher um Jingyun Fang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking, zähle das Plateau zu den Hauptquellen von Sand- und Staubstürmen. Diese zögen über den Norden Chinas hinweg und wehten Material mitunter bis nach Nordamerika.

Suche nach Bodenschätzen zerstört Natur

Die chinesischen Wissenschaftler haben das Ausmaß der Austrocknung vor allem anhand von Satellitenaufnahmen untersucht. Demnach schrumpfte die Zahl der Seen mit einer Oberfläche ab einem Quadratkilometer von Ende der Achtziger Jahre bis 2010 von 785 auf 577. Und der Trend scheint sich zu verstärken: Seit Ende der Neunziger Jahre sank die Zahl der Gewässer über zehn Quadratkilometer um 30 Prozent.

Die Forscher ermittelten auch die Gründe für die Verwüstung - der Klimawandel gehört nicht dazu. In der dünn besiedelten Mongolei schwand die Anzahl der Seen seit den Achtziger Jahren um knapp 18 Prozent, in der Inneren Mongolei, mit einer etwa zehnfach höheren Bevölkerungsdichte, dagegen fast doppelt so stark - um 34 Prozent.

Wichtigste Faktoren seien die Bewässerung für die Landwirtschaft, die den Grundwasserspiegel senkt, und vor allem der Bergbau. Unter der Region schlummern Bodenschätze wie Kohle, Öl, Kupfer oder Gold. Wegen der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln und Bodenschätzen rechnen die Forscher mit einer Verstärkung des beobachteten Trends in den kommenden Jahrzehnten.

"Effektiveres Handeln wird dringend gebraucht, um diese wertvollen Seen zu retten", betonen sie. "Ansonsten werden die durch den Seenschwund verursachten Schäden für die Natur, die nomadische Kultur und die Zivilisation auf dem Plateau katastrophal." Das Vermeiden solch verheerender Folgen sei eine große Herausforderung für die Weisheit der Politiker, schließen die chinesischen Wissenschaftler.

jme/dpa

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