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Drohendes Vogelsterben in Deutschland: Forscher finden Tropen-Virus in toter Amsel

Schweigen im Walde: In Süddeutschland sind scharenweise Amseln verschwunden. Forscher haben nun einen tropischer Erreger gefunden, der die Vögel womöglich getötet hat. Jetzt sind nicht nur Vogelfreunde alarmiert, sondern auch Ärzte: Denn der Erreger kann dem Menschen gefährlich werden.

Amsel: Die Vögel sind anfällig für Infektionen mit dem Usutu-Virus Zur Großansicht
DPA

Amsel: Die Vögel sind anfällig für Infektionen mit dem Usutu-Virus

Hamburg - Die Amseln sind weg! Vor allem aus dem Rhein-Neckar-Gebiet hatten Naturschützer in den vergangenen Wochen diesen Warnruf zu hören bekommen. Möglicherweise, so erklärte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Baden-Württemberg, kursiere eine Krankheit unter den Vögeln. Auch Vogelschützer in Rheinland-Pfalz registrierten dezimierte Amsel-Populationen.

Ein aktuelles Untersuchungsergebnis liefert nun Hinweise auf ein mögliches Amselsterben: Wissenschaftler haben mit einem Schnelltest ein tropisches Virus in mehreren Organen einer toten Amsel aus Hessen nachgewiesen. Es handelt sich um das Usutu-Virus, das eng mit dem West-Nil-Virus verwandt ist. Der Erreger stammt aus Afrika und verdankt seinen Namen einem Fluss in Swasiland. Er wird durch Stechmücken übertragen und könnte durch Zugvögel oder importierte Vögel nach Europa gekommen sein.

Die tote Amsel, in der der Erreger nun gefunden wurde, stammt nach Angaben des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg aus dem hessischen Ort Birkenau. Dort hatten sie Mitarbeiter der "Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage" gefunden und an das Institut weitergeleitet. Die beiden Institutionen arbeiten im Rahmen eines Projekts zusammen. Dabei sollen Vorhersagen erstellt werden, wie sich durch Stechmücken übertragene Viren in Deutschland verbreiten - und möglicherweise Tiere und Menschen bedrohen können.

Denn das Usutu-Virus kann auch Menschen gefährlich werden. In vielen Fällen verläuft eine Infektion ohne Symptome, Betroffene können aber mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag zu tun haben. Patienten mit angeschlagenem Immunsystem - zum Beispiel Senioren - können sogar lebensgefährliche Symptome wie eine Gehirnentzündung entwickeln: "Bei Risikogruppen kann das schwierig werden", sagt der BNI-Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

"Wachsam sein und die Situation beobachten"

Er nennt den aktuellen Befund "alarmierend", verweist aber darauf, dass bisher in Deutschland noch keine Usutu-Infektionen beim Menschen diagnostiziert wurden. In Italien seien im Jahr 2009 aber Usutu-Viren bei Patienten nachgewiesen worden. "Man muss wachsam sein und die Situation beobachten", sagt Schmidt-Chanasit.

Es bleibe noch zu beweisen, ob das Virus tatsächlich für das Amselsterben im süddeutschen Raum verantwortlich sei, erklärt das BNI. Doch einiges scheint darauf hinzudeuten: Usutu-Viren wurden bereits 2010 in deutschen Stechmücken gefunden, doch damals waren sie eine Seltenheit. Das hat sich offenbar geändert: Schmidt-Chanasit sagt, im vergangenen Jahr habe man bei 70.000 untersuchten Steckmücken den Erreger nur in einem einzigen Fall gefunden. In diesem Jahr seien "viel mehr" Erreger im Umlauf.

In anderen europäischen Ländern hat es in den vergangenen Jahren bereits ein Massensterben unter Amseln gegeben, so zum Beispiel ab 2001 in Österreich. Dort waren auch Graueulen betroffen. Auch in Ungarn, der Schweiz und Italien soll das Virus Vogelpopulationen betroffen haben.

Der NABU rät aktuell davon ab, die Amseln in Süddeutschland zu füttern oder Wasser für sie bereit zu stellen. So solle eine Ausbreitung der Infektion am Futtertrog gebremst werden. Doch der Virologe Schmidt-Chanasit hat wenig gute Nachrichten: "So ein Vogelsterben kann mehrere Jahre andauern, bis die Tiere immun sind."

chs/dpa

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insgesamt 48 Beiträge
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1. O Nein....
morini 14.09.2011
bitte nicht auch noch die Amselgrippe. Mir schwant Fürchterliches. Bei der Pharmalobby knallen schon die Korken.
2. Endlich weg
Student5 14.09.2011
Bin ich froh, daß die Amseln endlich weniger werden. In meinem Garten sind jedes Jahr die Kirschen weggefressen, noch bevor sie richtig reifgeworden sind. An Weinbeeren machen die sich übrigens auch heran.
3. Video
thomas l. 14.09.2011
http://www.youtube.com/watch?v=vzQ3UCr7ln8
4. ...
Mel.M 14.09.2011
Zitat von Student5Bin ich froh, daß die Amseln endlich weniger werden. In meinem Garten sind jedes Jahr die Kirschen weggefressen, noch bevor sie richtig reifgeworden sind. An Weinbeeren machen die sich übrigens auch heran.
Tja, ihre Kirschen sind dann sicher, aber da Amseln vor allem in der Brutsaison wie alle Singvögel auch große Mengen Insekten und Schnecken vertilgen, bzw. an ihren Nachwuchs verfüttern, ist ihre Freude warhscheinlich nur von begrenzter Dauer. Wenn die Vögel aus dem natürlichen Gleichgewicht herausfallen, dann werden andere Lebewesen sich freuen, weil ihre Feinde damit wegfallen. Und was die Insekten und Schnecken dann in ihrem Garten essen, das werden sie dann sehen.
5. Wurden eh schon alle gefressen hier ...
gunman, 14.09.2011
Zitat von sysopSchweigen im Walde:*In*Süddeutschland*sind*scharenweise Amseln verschwunden.*Forscher*haben nun*einen tropischer Erreger gefunden, der die Vögel*womöglich getötet hat. Jetzt sind nicht nur Vogelfreunde alarmiert, sondern auch Ärzte:*Denn der Erreger*kann dem Menschen gefährlich werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,786222,00.html
Bei uns gibt es schon lange keine Amseln mehr. Haben alle die Krähen gefressen. Und statt klangvoller Abendgesänge gibt es jetzt nur noch Gekrächse und und vollgekackte Autos.
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