Dürre in Kalifornien Die Wasserparty geht zu Ende

Die Kalifornier werden zum Wassersparen gezwungen - erstmals in der Geschichte des US-Bundesstaats. Um ein Viertel soll der private Verbrauch sinken. Doch selbst dann bleibt die Verschwendung enorm.

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Kalifornien ist ein ziemlich trockener Flecken Erde. Wasser war in dem US-Bundesstaat noch nie ein Alltagsgut, das im Überfluss vom Himmel regnet. Wasser war immer eine umkämpfte Ressource und nicht zuletzt Statussymbol: Wer einen Swimmingpool im Garten hat, einen sattgrünen Rasen vor der Tür, sein Auto mehrmals pro Woche auf der Straße wäscht und seine Freizeit auf einem der großzügig bewässerten Golfplätze verbringt, der hat es geschafft.

Vorbei, sagt Jerry Brown. "Die Leute sollten sich klarmachen, dass wir in einem neuen Zeitalter leben", erklärte Kaliforniens Gouverneur am Mittwoch. Den Ort der Verkündung hatte er mit Bedacht gewählt: Ein Dorf namens Phillips, 2100 Meter hoch in den Bergen Ostkaliforniens. Normalerweise liegen dort in dieser Jahreszeit rund eineinhalb Meter Schnee. Brown aber stand auf einer trockenen Wiese. Die Behörden gehen davon aus, dass die Schneebedeckung in Kalifornien in diesem Jahr 94 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegt.

Der Schnee ist für Kaliforniens Wasserversorgung von zentraler Bedeutung: Was sich im Winter in den Höhenzügen der Sierra Nevada sammelt, schmilzt im Frühling und versorgt Kalifornien den Sommer über mit Wasser. Das wird nun weitgehend ausbleiben - und so die rekordverdächtige Dürre, die den Südwesten der USA seit Jahren im Griff hat, nochmals verschärfen. Brown hat deshalb am Mittwoch Städte und Gemeinden angewiesen, ihren Wasserverbrauch binnen eines Jahres um volle 25 Prozent zu senken - ein in der Geschichte des Staates beispielloser Schritt.

Zeitraffer: Die Dürre im Südwesten der USA
United States Drought Monitor

Trockenheit im Südwesten der USA: Gelb steht für "abnormal trocken", helles Orange für "moderate Dürre", dunkles Orange für "starke Dürre", Rot für "extreme Dürre" und Braun für "außergewöhnliche Dürre".

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Trockenheit im Südwesten der USA: Gelb steht für "abnormal trocken", helles Orange für "moderate Dürre", dunkles Orange für "starke Dürre", Rot für "extreme Dürre" und Braun für "außergewöhnliche Dürre".

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SPIEGEL ONLINE

Trockenheit im Südwesten der USA: Gelb steht für "abnormal trocken", helles Orange für "moderate Dürre", dunkles Orange für "starke Dürre", Rot für "extreme Dürre" und Braun für "außergewöhnliche Dürre".

Für Kalifornien ist das eine dramatische Maßnahme, die den Lebensstil der Menschen im Kern trifft. Schon jetzt kommt es in manchen Gemeinden zu Wasserdiebstahl, anderswo lassen Hausbesitzer ihre Rasenflächen grün lackieren.

Allerdings: Kaliforniens Stadtbewohner werden vermutlich auch mit 25 Prozent weniger Wasser noch gut über die Runden kommen. Denn ihr Verbrauch ist weiterhin enorm - obwohl viele Gemeinden zuletzt stark gespart haben.

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Rekord-Dürre: Kalifornien muss Wasser sparen
Kürzlich verkündete Kaliforniens Wasserbehörde, dass die städtische Wassernutzung im November 2014 um rund zehn, im Dezember gar um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken sei. Dennoch betrug der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch in Kalifornien im vergangenen November rund 340 Liter, im Dezember waren es 254 Liter.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Deutsche benötigt - die Industrie nicht mit eingerechnet - etwa 120 Liter pro Tag, obwohl Wasser hierzulande keineswegs Mangelware ist. Auch in Mittelmeerländern wie Italien oder Spanien brauchen Privathaushalte deutlich weniger Wasser als in Kalifornien.

Zudem lässt Gouverneur Brown den größten Wasserverbraucher ungeschoren: Für die Landwirtschaft gilt die Sparvorgabe nicht. Stattdessen müssen einige landwirtschaftliche Wasserversorger in detaillierten Dürremanagement-Plänen offenlegen, wie viel Wasser zur Verfügung steht und welche Sparmaßnahmen geplant sind.

Lake Mead im Juni 2013 und Juli 2014
Für Kaliforniens Ökonomie ist die Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung. Im zentralen Tal des Westküstenstaats wird auf einer Länge von 700 Kilometern das meiste Obst und Gemüse in den USA produziert. 80 Prozent aller Mandeln der Welt kommen aus dem Central Valley. Mehr als 40 Milliarden Dollar bringt der Verkauf der Agrarprodukte aus dem "Golden State" jährlich ein.

Ein Problem ist, dass der tatsächliche Wasserverbrauch nur schwierig gemessen werden kann. Zwar wird der Wasserverlust der Stauseen zentral durch eine Bundesbehörde dokumentiert. Doch für das Grundwasser, das für die Landwirtschaft intensiv genutzt wird, sind die einzelnen Bundesstaaten verantwortlich - und dessen Entnahme ist oft nicht gut dokumentiert. Erst Schwerkraftmessungen mit Satelliten zeigten im Sommer 2014 das ganze Ausmaß der Misere: Die Grundwasserpegel sind massiv gesunken, die Region zehrt offenbar seit Jahren von ihren Reserven.

In den Städten sieht es mit den Verbrauchsmessungen nicht wesentlich besser aus: Wasserzähler sind in privaten Eigenheimen eher die Ausnahme, und oft leisten Bürger heftigen Widerstand gegen den Einbau der Uhren. Die Großstädte Sacramento und Fresno etwa haben erst kürzlich beschlossen, Wasserzähler einzuführen - ab dem Jahr 2025.

Immerhin ist die Dürre nun offenbar so dramatisch, dass die extreme politische Polarisierung überwindbar zu sein scheint. Kevin McCarthy, Sprecher der oppositionellen Republikaner im kalifornischen Repräsentantenhaus, klingt plötzlich wie der Sprecher von Gouverneur Brown. "Die Anordnung des Gouverneurs sollte nicht nur Kalifornier alarmieren", sagte McCarthy. "Die gesamte Nation sollte sich darüber im Klaren sein, dass der landwirtschaftlich produktivste Bundesstaat auf unbekanntes Terrain vorgestoßen ist."

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insgesamt 183 Beiträge
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Seite 1
notorischernörgler 02.04.2015
1. Die Kalifornier ....
.... sind doch schon vor langer Zeit dazu übergegangen, ihre verdorrten Rasenflächen mit frischem Grün zu lackieren. Daraus lässt sich eindeutig schließen, dass Wassermangel dumm macht. Und übrigens noch ein kleiner Tip á la Antoinette : Wenn die Kalifornier kein Wasser mehr haben sollen sie Michlchshakes trinken. - Volá!
fränk 02.04.2015
2. Wasser...
...ist ja nicht das einzige Gut, das die Amis verschwenden. Wenn man sich mal anschaut was an ÖL, Sprit und Co2 rausgeballert wird. Aber sparen sollen natürlich in erster Linie China und Europa. Für viele Amerikaner endet die Erdkugel halt immer noch an den eigenen Staatsgrenzen.
criticos 02.04.2015
3. Guter Test für das
wie es scheint, stehen drei Lösungen zur Auswahl (da der verhasste Staat nicht funktioniert): 1. Selbstregulation durch den Markt 2. 'freiwillige Selbstverpflichtung' 3. Beten
mo3b 02.04.2015
4. Landwirtschaft nicht tragbar
Die Landwirtschaft war in Kalifornien noch nie an die verfügbaren Resourcen angepasst. Über kurz oder lang wird diese sich komplett neu erfinden oder aufgegeben werden müssen. Das ganze erinnert irgendwie an den Niedergang des Aralsees. Erst wenn alles Wasser weg ist oder der Rest versalzt, wird etwas passieren.
nolabel 02.04.2015
5. Gut so,
wenn die größten Ressourcenfresser dieser Welt merken müssen, dass es nicht immer einfach so weiter geht. Selber schuld... das Problem ist ja lange bekannt und wurde schon vor zig Jahren im Film aufgegriffen (Chinatown von Polanski). Leider wird es US-typisch wieder vor allem die Armen treffen.
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