Dürre in Kalifornien Erste Bauern drosseln Wasserverbrauch um ein Viertel

Nirgends in den USA werden so viele Agrarprodukte angebaut wie in Kalifornien. Die katastrophale Dürre in dem Land zwingt die Bauern jetzt zu Zugeständnissen: Die ersten schränken ihren Wasserverbrauch drastisch ein - freiwillig.

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Es ist ein ungewöhnliches Entgegenkommen: Eine Gruppe von Landwirten in Kalifornien hat sich angesichts der schlimmsten Dürre seit 1200 Jahren freiwillig bereiterklärt, ihren Wasserverbrauch im Sommer um 25 Prozent zu senken. Die Maßnahme beginnt im Juni.

Die Bauern stammen aus dem Delta der Flüsse Sacramento und San Joaquin; diese Gegend bildet das Herzstück des kalifornischen Wassersystems - und hier leben auch diejenigen mit den umfangreichsten Rechten. Das komplizierte Geflecht aus Wassernutzungsrechten in Kalifornien besteht seit dem 19. Jahrhundert und begünstigt vor allem diejenigen, deren Ansprüche am ältesten sind.

4000 Bauern in der Delta-Region besitzen diese umfassenden Rechte zur Wassernutzung - entweder weil sie Anbauflächen haben, die an Flüsse und Wasserläufe angrenzen, oder weil ihre Wassernutzungsrechte bereits mehr als hundert Jahre alt sind. Einige stammen sogar noch aus der Zeit des kalifornischen Goldrausches.

Inhaber der alten Rechte, die nun freiwillig auf 25 Prozent Wasser verzichten, wollen, indem sie ihre Pflanzen weniger bewässern oder ganze Felder brachliegen lassen, vor allem noch drastischere Zwangsmaßnahmen vermeiden: Die Regierung hat sich im Gegenzug verpflichtet, ihnen 75 Prozent ihres Wassers zu lassen. Wer jetzt nicht freiwillig mitmacht, dem drohen schmerzvollere Einschnitte durch den Staat.

Hunderttausende Hektar Ackerland liegen bereits brach

Auch wenn die Gruppe an freiwilligen Sparern bisher vergleichsweise klein ist, hoffen Behörden, dass nun weitere Landwirte nachziehen. Wer seine Wassernutzungsrechte nach 1914 erworben hat, musste bereits harte Einschnitte bei der Zuteilung hinnehmen. Einige Landwirte begannen daraufhin, Wasser aus dem Boden zu pumpen, oder ließen Anbauflächen brachliegen - Hunderttausende Hektar Ackerland werden laut "New York Times" in Kalifornien derzeit nicht bewirtschaftet.

Bewässerungsrohre im Sacramento-San - Joaquin-Flussdelta: Ein Ende der Dürre ist nicht in Sicht
AP

Bewässerungsrohre im Sacramento-San-Joaquin-Flussdelta: Ein Ende der Dürre ist nicht in Sicht

Kein Staat in den USA produziert so viele Agrarprodukte wie Kalifornien, mehr als die Hälfte der in den USA angebauten Nüsse, Früchte und des Gemüses wird hier angepflanzt. Da verwundert es nicht, dass 80 Prozent des Wassers, das aus Flüssen, Wasserläufen und dem Boden abgepumpt wird, in die Landwirtschaft fließt.

Kalifornien und der gesamte Südwesten der USA leiden seit Jahren unter der Trockenheit, zusammengefasst sind die Probleme folgende:

  • Die Dürre hält seit Jahren an, ein Ende ist nicht in Sicht.
  • Die Wasserressourcen sind stark angegriffen. Besonders beunruhigend: Satellitenbilder haben kürzlich gezeigt, dass auch die Grundwasserpegel bereits massiv gesunken sind.
  • Studien über die Klimageschichte der Region haben ergeben, dass die aktuelle Trockenheit nicht etwa die Ausnahme, sondern eine Rückkehr zum Normalzustand sein könnte.
  • Die Bevölkerung des Staates wächst stetig, was Effizienzgewinne bei der Wassernutzung zum Teil auffrisst.

Um die Wasserknappheit zu bekämpfen, greifen verschiedene Gemeinden in Kalifornien zudem auf eine alte Technologie zurück: die Meerwasser-Entsalzung. In San Diego entsteht beispielsweise gerade die größte Meerwasser-Entsalzungsanlage der westlichen Hemisphäre.

Fast komplett ausgetrockneter Kanal in Kalifornien. Einige Gemeinden müssen ihren Wasserverbrauch um 36 Prozent senken
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Fast komplett ausgetrockneter Kanal in Kalifornien. Einige Gemeinden müssen ihren Wasserverbrauch um 36 Prozent senken

Den meisten wird das dramatische Ausmaß allerdings erst jetzt bewusst - spätestens seitdem Gouverneur Jerry Brown im April die Kalifornier per Dekret zum Wassersparen gezwungen hat: Haushalte, Städte und Gemeinden sollen demnach ihren Wasserverbrauch um ein Viertel senken, zum Beispiel durch neue Normen für Toiletten und Wasserhähne und indem Rasenflächen nicht mehr bewässert werden.

Wer sich nicht daran halte, müsse Strafen von 500 Dollar zahlen oder werde von der Wasserversorgung abgeschnitten, warnte der Gouverneur. Die Folge waren unter anderem kritische Stimmen, wonach sich auch Landwirte an den Sparmaßnahmen beteiligen sollen. "Ich verzichte auf 25 Prozent meines Einkommens", sagte nun Rudy Mussi, ein Landwirt aus dem Delta, der freiwillig ein Viertel weniger Wasser nutzt.

Zeitraffer: Die Dürre im Südwesten der USA. Gelb steht für "abnormal trocken", helles Orange für "moderate Dürre", dunkles Orange für "starke Dürre", Rot für "extreme Dürre" und Braun für "außergewöhnliche Dürre".
United States Drought Monitor

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lgr/AP

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insgesamt 44 Beiträge
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Jahiro1 23.05.2015
1. Wer etwas nur unter Strafandrohung tut ...
Wer etwas nur unter Strafandrohung tut, tut dies nit "freiwillig". Für freiwillig brauche ich keine Strafandrohung.
jetbundle 23.05.2015
2. Effiziente Wassernutzung
Gerade bei den Nuss- und Obstbaumplantagen ist die Wurzelbewässerung sehr effizient. Hier die Landwirtschaft aufzugeben ist nicht gerade ziehlführend. Sinnvoller wäre es die Verschwendung durch marode Infrastruktur (offene Wasserkanäle!) oder bei Golfplätzen und dergleichen einzudämmen. Die Bewässerung von Kuhweiden ist auch nicht gerade effizient. Dazu könnte man auch noch z.B. Wasser aus Kanada importieren, mehr Entsaltzungsanlagen bauen oder ein Grauwassersystem einführen.
rbwntr 23.05.2015
3. Von Israel lernen
Bekanntlich werden in Israel höchst effiziente Bewässerungssysteme verwendet. Da können die US-Farmer sicher noch viel lernen.
Airkraft 23.05.2015
4. Wie wahr!
Zitat von rbwntrBekanntlich werden in Israel höchst effiziente Bewässerungssysteme verwendet. Da können die US-Farmer sicher noch viel lernen.
Die Amis sind, trotz "Sparmaßnahmen" auch weiterhin noch am lustigen Wasser verschwenden :-(
wilee19 23.05.2015
5. Amerikaner sind verschwenderisch.
weil Amerikaner sehr verschwenderisch sind, wird es bestimmt noch viel zu verbessern geben. Warum muss man denn Gemüse in der Wüste anbauen, bloß weil es da an einer Stelle den einzigen Fluss gibt, und obwohl alle Wasser brauchen. Die Römer transportierten das Wasser über hunderte kilometer, ging doch auch.
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