Jahrelange Dürre in den USA Braun ist Kaliforniens neues Grün

Leere Stauseen, brennende Wälder, verdorrte Äcker und ein dramatisch sinkender Grundwasserpegel: In Kalifornien wächst die Verzweiflung über die Folgen der jahrelangen Dürre. Jetzt greifen Sparmaßnahmen und harte Strafen für Wasserverschwender.

AP/dpa

Als ob die Folgen der seit Jahren anhaltenden Dürre noch nicht ausreichten, kommen jetzt auch noch die Waldbrände. 17 lodern derzeit in Kalifornien. Sie führen zur Sperrung von zahlreichen Highways und Landstraßen und bedrohen die Infrastruktur des US-Bundesstaats wie etwa Kraftwerke. Mehrere hundert Menschen wurden bereits evakuiert. Auch die Luftqualität leidet. Am Wochenende rief Gouverneur Edmund G. Brown deshalb den Notstand aus. Für große Teile Nordkaliforniens besteht derzeit die höchste Feuer-Warnstufe.

Es ist Hochsaison für "Pray for Rain"-Schilder im kalifornischen Central Valley. Die "Betet für Regen"-Tafeln stecken in ausgedörrten Vorgärten und an braunen Feldrändern. Es ist Kaliforniens drittes Jahr ohne nennenswerte Regenfälle. Die Meteorologen sprechen von der schlimmsten Dürre nach den Trockenkatastrophen um 1923 und Ende der Siebziegerjahre. Besonders schlimm trifft es das Tal in der Mitte des Westküstenstaats, wo es im Sommer bis zu 40 Grad heiß wird.

Auf einer Länge von 700 Kilometern wird dort das meiste Obst und Gemüse in den USA produziert. 80 Prozent aller Mandeln der Welt kommen aus dem Central Valley. Mehr als 40 Milliarden Dollar bringt der Verkauf der Agrarprodukte aus dem "Golden State" jährlich ein. Natürlich nur mit künstlicher Bewässerung. Doch der Goldene Staat trocknet immer weiter aus.

Lake Mead im Juni 2013 und Juli 2014
"Wir stehen Todesängste aus", sagt der Mandelfarmer David Phippen. "Es wird richtig schlimm, wenn es im kommenden Winter zum vierten Mal nicht regnet", sagt der 64-jährige Kalifornier mit über 550 Hektar Mandelhainen im Familienbesitz. Rund ein Drittel seiner Ernte verkaufe er nach Deutschland. In Kalifornien boomt der Anbau. Mandeln sind dank hoher Verkaufspreise lukrativ, aber auch extrem durstig. Ein einziger Baum braucht an einem heißen Sommertag bis zu 300 Liter Wasser.

Brunnenbohrer auf Monate ausgebucht

Phippen kommt in diesem Dürrejahr noch glimpflich davon. Seine Plantagen liegen in einem der wenigen privaten Bewässerungsbezirke, die den Wasserhahn trotz halbleerer Flüsse und trockener Reservoirs noch nicht abgedreht haben. Die meisten Bauern in Kalifornien erhalten Wasserzuweisungen von Staat und Bund. Die wurden in diesem Jahr erstmals auf ein Minimum gedrosselt.

Wenn das Oberflächenwasser versiegt, greifen die Bauern zur Pumpe. Die Dürre hat einen regelrechten Bohrboom ausgelöst. Grundwasser statt Öl. "Brunnenbohrer sind auf acht Monate hin ausgebucht", erzählt Michael Cockrell, Chef der Notdienstzentrale im Bezirk San Joaquin County. "Diese Entwicklung macht uns große Sorgen, denn der Grundwasserpegel sinkt weiter ab." Seine Task Force ist für Katastrophen zuständig, die Dürre mit ihren bedrohlichen Folgen hat höchste Priorität.

Kalifornien lebt buchstäblich auf Pump. Wie sehr, hat eine Studie von Wissenschaftlern der University of California in Irvine kürzlich gezeigt. Die Auswertung von Satellitendaten für das riesige Becken des Colorado-Flusses wiesen auf einen drastischen Rückgang der Grundwasserreserven in den vergangenen zehn Jahren hin. Spuren der langen Trockenheit im US-Westen sind überall sichtbar. Die Pegelstände von riesigen Stauseen wie dem Lake Mead im US-Staat Nevada sind auf einen Tiefpunkt gesunken. Zurück bleiben weiße, ausgeblichene Ränder, die sich wie Ringe um das Ufer legen.

Belohnung für Wassersparer, Strafen für Verschwender

Kalifornien zählt zu den wenigen US-Bundesstaaten, die den Grundwasserverbrauch noch nicht regulieren. Die Landwirte haben freie Hand, auf ihrem Grundstück zu pumpen. "Es ist paradox. Wir stecken mitten in einer Dürre, doch die Mandelbauern rechnen mit einer der besten Ernten aller Zeiten", erklärt der Agrarwissenschaftler Brent Holtz von der Universität in Davis. "Diese Dürre ist ein Weckruf für den Staat", glaubt Holtz. Der Gesetzgeber werde klären müssen, ob die Wasserrechte weiter in privater Hand bleiben.

Colorado River: Die gefährdete Lebensader des Westens

Colorado River und Lake Powell am 25. März 1999

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Die kalifornischen Metropolen nehmen sich inzwischen ein Beispiel an Städten wie etwa Las Vegas, wo das Motto schon seit Jahren lautet: Wasser sparen, wo es nur geht, und Verschwendung hart bestrafen.

So dürfen in Kalifornien ab sofort keine Bürgersteige und Einfahrten mehr mit dem Gartenschlauch abgespritzt oder Grünflächen so stark bewässert werden, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann. Verstöße gegen die neuen Auflagen können 500 Dollar Strafe pro Tag kosten. Mindestens 20 Prozent ihres Wasserverbrauchs sollen die Bürger einsparen.

Los Angeles hat den saftigen Rasenflächen den Kampf angesagt. Die Stadt zahlt rund 30 Dollar pro Quadratmeter Rasen, der mit weniger wasserdurstigen Pflanzen oder mit Kies ersetzt wird. Grundstückseigner können bis zu 6000 Dollar für die Umgestaltung bekommen.

In der Hauptstadt Sacramento dürfen Hausbesitzer ihre Gärten und Rasenflächen schon seit Beginn der Dürre vor drei Jahren nur an zwei Tagen pro Woche wässern. Nachbarn können Verschwender, die sich nicht an die Vorschriften halten, bei einer Wasser-Hotline denunzieren. "Die Zahl der Anrufe ist drastisch gestiegen", erzählt Terrance Davis von der Wasserbehörde in Sacramento. "Seit Januar gingen mehr als 10.000 Anrufe ein, verglichen mit knapp 1000 im vorigen Jahr". Das Amt muss nun mehr Helfer einstellen, die Verwarnungen oder Strafzettel austeilen.

Die Wassersparer in Sacramento haben auch einen neuen Dürre-Slogan parat. "Gold ist das neue Grün", lautet der Schlachtruf. Vertrockneter Rasen sei nicht etwa braun, sondern goldfarben, heißt es auf Hinweistafeln in der Hauptstadt. Die Grasfläche vor dem weißen Capitol, dem Sitz der Regierung, geht mit gutem Beispiel voran. Sie ist schon längst nicht mehr grün.

mbe/dpa



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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
hdudeck 05.08.2014
1. Schon vor 15 Jahren hat
Zitat von sysopAP/dpaLeere Stauseen, brennende Wälder, verdorrte Äcker und ein dramatisch sinkender Grundwasserpegel: In Kalifornien wächst die Verzweiflung über die Folgen der jahrelangen Dürre. Jetzt greifen Sparmaßnahmen und harte Strafen für Wasserverschwender. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/duerre-kalifornien-spart-wasser-und-bestraft-verschwender-a-984409.html
mir ein Canadier gesagt, das die USA eines Tages Canada ueberfallen wird, um an deren Wasser zu gelangen. Wird wohl nicht mehr lange dauern.
lanzarot 05.08.2014
2.
Der Meeresspiegel soll angeblich ansteigen. Warum dann keine Meerwasserentsalzungsanlagen bauen und dem Land so wieder Wasser zuführen?
agunther 05.08.2014
3. Von wegen
Bis zu 40 Grad. Ich bin letzte Woche durchs Central Valley gefahren und da wahrens 43. In meinem Wohnort im Silicon Valley wahren es diese Woche schon 39. Im Central Valley sind 40 schnell ueberschritten.
ugt 05.08.2014
4. Der Mensch bekommt ...
Zitat von sysopAP/dpaLeere Stauseen, brennende Wälder, verdorrte Äcker und ein dramatisch sinkender Grundwasserpegel: In Kalifornien wächst die Verzweiflung über die Folgen der jahrelangen Dürre. Jetzt greifen Sparmaßnahmen und harte Strafen für Wasserverschwender. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/duerre-kalifornien-spart-wasser-und-bestraft-verschwender-a-984409.html
... immer was er bestellt hat. Manchmal läßt sich die Natur nur ein bischen mehr Zeit. Aber dann kommt es knüppeldicke. Wir Europäer sollten einen interessierten Blick dorthin werfen, vielleicht können wir ja noch was lernen.
dliblegeips 05.08.2014
5. Selbsgemachte lokale Klimaveränderung
Durch die massive Überbaung hat man das lokale Klima verändert. Der American way of live erfordert das sehr grosse Flächen für Häuser und Strassen betoniert und asphaltiert werden. Dort heizt sich die Luft nochmals um ein paar Grad mehr auf. Und wenn die Luft heisser wird, werden dort auch keine Wassertropfen kondensieren. Und selbst wenn es regnet kann fast nichts versickern sondern läuft ins Meer ab. LA hat riesige Überflutungskanäle, die in vielen Hollywoodfilme zu bestaunen sind. Anstelle zu beten würde man dort besser ein paar Strassen abreissen, oder zumindest mit reflektierender Farbe anstreichen. Anstelle mit genügsamen Bäumen und Palmen aufforsten, diese kann man mit einem Tröpfchensystem bewässern. Dank Schatten und Verdunstung der Bäume wird die Lufttemperatür kühler als bei Beton, Kies oder sogar Rasen sein. Und dort wo es kühler ist kondensiert auch die Luftfeuchtigkeit, dann hat man schon ein paar Wolken. Man kann auch weiterhin verschwenden und das Wasser mittels Solarenergie entsalzen und hochpumpen. aber gemacht hat man von dem gar nichts. der amerikanische Pioniergeist ist ist nur noch in der IT und Finanzindustrie vorhanden. Ein Hoover Damm würde man 2014 nicht mehr zustande bringen, weil zu teuer. Aber Projekte dieser Grössenordnung werden nötig sein. Oder man kann da auch nichts tun und beten. Auch wenn es im Orient nichts hilft, vielleicht hilfst in den Staaten.
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