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Klimageschichte: Atlas zeigt Europas Dürre-Katastrophen

Dürreatlas für Europa: Die Dreiecke zeigen, wann es Trockheitskatastrophen gab; die Farbskala bis 1800 zeigt den Zeitraum der jeweiligen Dürre Zur Großansicht
Edward Cook

Dürreatlas für Europa: Die Dreiecke zeigen, wann es Trockheitskatastrophen gab; die Farbskala bis 1800 zeigt den Zeitraum der jeweiligen Dürre

Millionen Menschen starben in den Katastrophen: Eine Karte zeigt, wann Europa von schwerer Dürre getroffen wurde - erstaunlich häufig.

Die Leute mussten Hunde und Pferde essen. Doch bald gab es gar keine Nahrung mehr. Millionen Menschen starben im Großen Hunger von 1315 bis 1322 in Europa. Ursache war eine tödliche Witterung, wie sie in der Geschichte des Kontinents beachtlich häufig wiederkehrte.

Aus der Analyse alter Baumstämme haben Forscher die Geschichte von Dürrekatastrophen rekonstruiert. Jeder Baumring lässt sich eindeutig einem Jahr zuordnen. Aus der Breite von Jahresringen im Holz lesen Experten Niederschlag und Temperatur.

Der neue Dürre-Atlas der Alten Welt bietet auf Basis solcher Baumringanalysen einen Rückblick in die Klimageschichte Europas, des Nahen Ostens und Nordafrikas der vergangenen zwei Jahrtausende.

Die Klimadaten sind das Abbild gigantischer Katastrophen. Sie zeigen im 14. Jahrhundert viele kalte Sommer. 1314 kamen schwere Regenfälle und ein harter Winter hinzu - auf Jahre hinaus mangelte es an Ernte.

Drückende Hitzewellen

"Die Arbeit bestätigt historische Beschreibungen von schwerer Dürre und Nässe mit einer räumlichen Lückenlosigkeit, die es zuvor nicht gab", schreiben die Forscher um Edward Cook von der Columbia State University in den USA im Wissenschaftsjournal "Sciences Advances".

Demnach bestätigen die Baumringe Berichte über die großen Dürren von 1616, 1893 und 1921 in verschiedenen Teilen Europas.

Auch die gigantische Dürrekatastrophe von 1540 findet sich in den Daten. Elf Monate hatte es kaum geregnet, zudem zogen drückende Hitzewellen über den Kontinent. Forscher sprechen von einer Megadürre. Selbst große Ströme wie Elbe, Rhein und Seine "waren so klein, dass man zu Fuß durchging", notierten Zeitzeugen.

Unzählige Menschen brachen bei der Arbeit auf Feldern oder in Weinbergen zusammen. Spannungen verschärften sich zu Verfolgungen und Hinrichtungen. Menschen verbarrikadierten sich aus Angst vor Gewalt. Die Gesamtzahl der Toten ist unklar.

Unsichere Daten

"Die Arbeiten von Cook und Kollegen sind sehr wertvoll und wichtig. Allerdings erlauben die Rekonstruktionen nur Rückschlüsse auf Sommerfeuchte- und Trockenbedingungen", erläutert Jürg Luterbacher von der Universität Gießen, ein Experte für Klimageschichte.

"Zusätzlich sind sie mit Unsicherheiten behaftet, besonders in Regionen wie dem Mittelmeerraum, wo die Bäume eher ein Feuchtesignal für Spätwinter und Frühling liefern, und in Nordeuropa und der Alpenregion, wo Bäume eher auf Sommertemperaturen reagieren."

Cook und Kollegen verglichen Klimarückblicke verschiedener Kontinente. Generell gebe es wenig Übereinstimmung in Länge, Stärke und Zeitabschnitt von trockenen und feuchten Phasen zwischen Europa, Asien und Nordamerika in den vergangenen 1000 Jahren, schreiben sie.

Allerdings stimmten während der Mittelalterlichen Warmphase zwischen 1000 und 1200, sowie der Kleinen Eiszeit von 1550 bis 1750 einige heftige Dürren in Europa, Asien und Nordamerika in Länge und Stärke zeitlich überein.

boj/dpa

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