Nachtkerzen schmecken pflanzenfressenden Motten besonders gut. Deshalb haben die Blumen Strategien entwickelt, um sich vor den Feinden zu schützen: Sie produzieren chemische Stoffe, mit denen sie die Insekten abschrecken, und blühen erst spät im Jahr, wenn sich die hungrigen Larven schon an anderen Pflanzen satt gegessen haben.
Nun testeten Wissenschaftler, was passiert, wenn man den Nachtkerzen den Stress nimmt, sich ständig gegen gefräßige Insekten wehren zu müssen. Sie behandelten die Umgebung mit Insektiziden, um die Blumen vor Übergriffen zu schützen. Sobald die Pflanzen ihre Abwehrmechanismen nicht mehr brauchten, bauten sie diese ab. So verloren die Pflanzen ihre Fähigkeit, sich selbst zu verteidigen, und zwar innerhalb von nur drei bis vier Generationen, wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Science" schreiben. Die Pflanzen der nächsten Generationen blühten wieder früher im Jahr und produzierten weniger chemische Abwehrstoffe.
Die Abwehrmechanismen verschwanden offenbar durch natürliche Selektion, die Pflanzen mit weniger stark ausgeprägten Verteidigungsfähigkeiten setzten sich in der geschützten Umgebung erfolgreich durch. Anurag Agrawal, Leiter der Studie und Professor für evolutionäre Biologie an der Cornell University, sagte, er sei "sehr überrascht" gewesen, wie schnell dieser Vorgang ablief. "Experimente, die evolutionäre Veränderungen in Echtzeit verfolgen, beweisen die Evolution eindeutig", sagte Agrawal.
Die meisten ähnlichen Studien hätten bisher an Bakterien in Petrischalen stattgefunden. Sie hingegen konnten ihres in der Natur durchführen, sagten die Forscher. Sie wollen das Versuchsfeld nun als "lebendes Labor" langfristig beibehalten.
sus
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