Durchtrieben Affe sammelt Steine für Attacken auf Zoobesucher

Schimpansen planen die Zukunft: Tierpfleger haben beobachtet, wie ein Schimpanse in einem schwedischen Zoo Steine sammelte, um sie Stunden später auf Besucher zu werfen. Er unterhielt sogar mehrere Munitionslager in seinem Freigehege.


Cambridge - Die Tierpfleger hatten Santino schon länger im Visier. Der Schimpanse war das dominante Männchen in einem Freigehege mit Wassergraben im Zoo von Furuvik in Schweden. Zehn Jahre lang verfolgten drei verschiedene Tierpfleger die Entwicklung des Affen zu einem durchtriebenen Angreifer. Santino begann, seine Besucher zunächst nur gelegentlich mit Steinen zu bewerfen. Die Steinwürfe nahmen jedoch mit der Zeit zu, und bei der Reinigung des Geheges entdeckten die Pfleger schließlich Verstecke, in denen Santino seine Munition aufbewahrte.

Die Pfleger begannen, den Affen zu überwachen und beobachteten, wie er Betonblöcke nach brüchigen Stellen absuchte, Stücke herausschlug und bearbeitete, bis sie als Wurfgeschosse taugten. Algenbewuchs auf versteckten Steinen zeigte außerdem, dass Santino Steine aus dem Wassergraben angelte. Zum Schutz der Besucher räumten die Pfleger immer wieder Munitionslager aus - an mindestens 50 verschiedenen Stellen im Gehege.

Mathias Osvath der Universität in Lund befragte die einzelnen Pfleger zu ihren Beobachtungen und verglich die Antworten. Er kommt zu dem Schluss, dass Santino ein hochentwickeltes Bewusstsein und eine spontane Planungsfähigkeit besitzt. Derartiges habe man in Laborexperimenten bisher nicht nachgewiesen, schreibt Osvath im Fachmagazin "Current Biology" (Bd. 19).

Zwar sammeln wilde Affen Steine zum Knacken von Nüssen oder Stöcke, um Termiten zu fangen, der Grund dafür ist aber eher akuter Bedarf als Vorausplanung, erklärt Osvath. Santino bedenke jedoch eindeutig zukünftige Bedürfnisse, was zeige, dass Schimpansen ein komplexes und hochentwickeltes Bewusstsein besitzen.

hda/ddp



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