E-Mail-Affäre Klimaforscher lässt während Untersuchung sein Amt ruhen

Die Affäre um gestohlene E-Mails von Klimaforschern hat eine erste personelle Konsequenz: Phil Jones, Chef des vom Datendiebstahl betroffenen Forschungsinstituts, lässt sein Amt vorübergehend ruhen. Eine unabhängige Untersuchung soll die Vorgänge nun klären.


Der Diebstahl und die Veröffentlichung zahlreicher E-Mails von Klimaforschern hat eine enorme Debatte verursacht. Insbesondere diejenigen, die schon immer gewusst haben wollen, dass die vom Menschen verursachte globale Erwärmung ein Hirngespinst sei, fühlen sich nun in ihrer Meinung bestätigt.

Zwar findet sich in den Tausenden E-Mails kein einziger Beweis für eine systematische Manipulation von Forschungsergebnissen. Allerdings gibt es Hinweise auf zumindest erklärungsbedürftiges Verhalten einzelner Wissenschaftler. Im Zentrum der Vorwürfe stand Phil Jones, Direktor des Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia in England. Er hat nun angekündigt, sein Amt ruhen zu lassen, bis eine von der Universität in Auftrag gegebene unabhängige Untersuchung abgeschlossen ist.

Die Kritik an Jones entzündete sich vor allem an zwei E-Mails. In einer, deren Authentizität von der Universität bestätigt wurde, schreibt der Forscher, dass er einen "Trick" angewandt habe, um aus Baumringen gewonnene Datenreihen zu ergänzen. Sowohl Jones als auch der Urheber des "Tricks", US-Klimaforscher Michael Mann, haben unisono erklärt, dass mit der Formulierung lediglich ein cleveres Vorgehen gemeint sei - und keine Manipulation von Daten.

Jones soll Kollegen aufgefordert haben, Daten zu löschen

Ernsthafter ist ein weiterer Vorwurf: In einer E-Mail mit dem Betreff "IPCC & FOI" soll Jones Kollegen aufgefordert haben, Daten zu löschen. Das CRU hatte eine Reihe von Anfragen auf Basis des Freedom of Information Act (FOI) bekommen. Das Gesetz verpflichtet öffentliche Institutionen zur Offenlegung von Daten. Jones soll seinen US-Kollegen Michael Mann gebeten haben, alle E-Mails zu löschen, die er mit einem weiteren Forscher über den letzten Sachstandbericht des Uno-Klimarats IPCC ausgetauscht hat. In weiteren E-Mails soll Jones mit Kollegen darüber diskutiert haben, wie man Artikel unliebsamer Wissenschaftler aus Fachblättern heraushält und wie man Forschungsdaten und -methoden vor neugierigen Blicken schützt.

Die University of East Anglia hat nun eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge angekündigt, deren Ergebnisse im Laufe dieser Woche veröffentlicht werden sollen. "Es wurden keinerlei Daten gelöscht oder verändert", hieß es in einer Mitteilung der Universität. "In Fällen, in denen keine Informationen herausgegeben wurden, geschah dies in Übereinstimmung mit den Gesetzen." Da man aber mit Organisationen in aller Welt zusammenarbeite, müsse man die Untersuchung auch durchführen, um Fragen der Datensicherheit zu klären.

"Am wichtigsten ist, dass das CRU mit seiner weltweit führenden Forschung fortfährt", sagte Jones. Um dies sicherzustellen, habe er sich entschieden, "während der unabhängigen Untersuchung das Amt des Direktors ruhen zu lassen".

Auch US-Forscher Michael Mann wird sich vermutlich einige Fragen gefallen lassen müssen: Wie die "New York Times" und andere US-Zeitungen berichteten, hat die Pennsylvania State University, für die der Wissenschaftler arbeitet, ebenfalls eine Untersuchung der E-Mail-Affäre angekündigt.

E-Mail-Affäre hat auch Folgen für US-Wissenschaftler

Der Datendiebstahl könnte auch in den USA Folgen haben. Am Mittwoch ist im Repräsentantenhaus eine Anhörung zum Stand der Klimaforschung angesetzt. Zwei prominente Mitarbeiter von US-Präsident Barack Obama - John Holdren, Wissenschaftsberater im Weißen Haus, und Jane Lubchenco, Chefin des Ozean- und Wetterdienstes NOAA - müssen voraussichtlich zu der E-Mail-Affäre Rede und Antwort stehen.

Das Timing der illegalen E-Mail-Veröffentlichung kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen dürfte kaum ein Zufall sein. "Es hat Verwirrung gestiftet, und Verwirrung ist nie hilfreich in wissenschaftlichen Diskussionen", sagte der britische Regierungsberater Nicholas Stern. Doch der Grad an Skepsis über die Existenz des menschgemachten Klimawandels sei "unter echten Wissenschaftlern sehr klein".

mbe/AP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 33 Beiträge
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Newspeak, 02.12.2009
1. ...
"In weiteren Mails soll Jones mit Kollegen darüber diskutiert haben, wie man Artikel unliebsamer Wissenschaftler aus Fachblättern heraushält und wie man Forschungsdaten und -methoden vor neugierigen Blicken schützt." Wenn das so stimmt, dann ist das eindeutig wissenschaftliches Fehlverhalten! Jeder Wissenschaftler, der etwas auf sich hält, gibt freiwillig und offen Auskunft über die Qualität seiner Daten und die verwendeten Methoden. Alles andere ist auch nicht tolerierbar (wobei das Übel bei patentgeschützter Forschung schon anfängt). Daß man Kritiker der eigenen Forschung nicht gerade auf einen Kaffee zu sich einlädt, ist menschlich (wenn auch das umgekehrte Verhalten von echter Größe zeugt), aber Kritiker über Gutachterkartelle den Zugang zu peer-review Veröffentlichungen zu versperren ist einfach nur Anmaßung. Ich kann nur hoffen, irgendwann rächt sich all diese von Klimaforscher offenbarte Hybris und Arroganz!
TKl, 02.12.2009
2. Nicholas Stern
Der Ökonom Stern behauptet: 'Doch der Grad an Skepsis über die Existenz des menschgemachten Klimawandels sei "unter echten Wissenschaftlern sehr klein".' Das wirft mehrere Fragen auf. Was sind "echte" Wissenschaftler, wie unterscheiden sich diese von "falschen"? Auf welchen Daten beruht die Aussage Sterns? Hat er eine Umfrage unter "echten" Wissenschaftlern durchgeführt? Der Klimawisseenschaftler Hans von Storch hat Umfragen durchgeführt und kommt zu ganz anderen Ergebnissen, kann man hier nachlesen: http://sciencepolicy.colorado.edu/prometheus/a-response-to-realclimate-concerning-a-new-survey-of-climate-scientists-4635
dh7fb 02.12.2009
3. CRU: Top of the heap?
"Zwar findet sich in den Tausenden E-Mails kein einziger Beweis für eine systematische Manipulation von Forschungsergebnissen. Allerdings gibt es Hinweise auf zumindest erklärungsbedürftiges Verhalten einzelner Wissenschaftler." Ich habe keine Ahnung, wie SPON zu dieser Einschätzung kommt. Aus den veröffentlichten emails geht hervor, wie am CRU gearbeitet wurde: Kritische Kollegen ausgrenzen, eine nicht linientreue Wissenschaftlerin disziplinieren, den Peer-Review-Prozess umfunktionieren, aber sich selbst der Überprüfbarkeit entziehen. In den ebenfalls ans Licht der Öffentlichkeit gekommenen Programmcodes sind handfeste Indizien für das Manipulieren von Ergebnissen: ein sog. "fudge factor" um die Datenreihen über die Validierung von Baumring-Daten an die Realität "anzupassen". Da werden undurchsichtige Betragsbildungen vorgenommen, wenn ein negatives Vorzeichen nicht zur Beobachtung "passt" und, und. Schließlich werden Daten auf Anweisung vernichtet, um die eigenen Schlussfolgerungen nicht falsifizierbar zu machen. Wenn das keine Verschwörung ist weiß ich nicht, was dann. In den angelsächischen Medien erfährt "Climategate" eine deutlich höhere Aufmerksamkeit als hierzulande. Warum? Meint irgend einer, Herr Prof. Jones tritt zum Spaß zurück? Passt alles nicht so recht zur Kopenhagen-Vorbereitung? Wir werden sehen, was da noch zum Vorschein kommt. SPON jedenfalls sollte da etwas investigativer sein!
Satiro, 02.12.2009
4. Von echten und unechten Wissenschaftlern
Zitat von sysopDie Affäre um gestohlene E-Mails von Klimaforschern hat eine erste personelle Konsequenz: Phil Jones, Chef des vom Datendiebstahl betroffenen Forschungsinstituts, lässt sein Amt vorübergehend ruhen. Eine unabhängige Untersuchung soll die Vorgänge nun klären. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,664685,00.html
Klärung oder Aufklärung betreffend die Öko- Kirche? Und wer ist Nicholas Stern? ….. ???. (Ein Häretiker wohl kaum ;-)
tito, 02.12.2009
5. No data - no science!
Wo sind die "raw data"? Die Temperaturdaten der letzten Jahrzehnte? Wo sind die Ursprungsdaten, auf denen alles basiert? Nach seinen eigenen Worten wollte Phil Jones sie lieber zerstören, als sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wo sind sie nun? Antwort: Es gibt sie nicht. Entweder hat Phil Jones sie zerstört oder es hat sie (evtl. zum Teil) nie gegeben. Wer glaubt noch Phil Jones? Was macht der Betrüger kurz vor der Entdeckung? Er verwischt die Spuren! Ist das zu polemisch? Ich glaube nicht. Das Vertrauen ist verspielt, hier hilft nur lückenlose Aufklärung. Daran sollten auch die Politik und seine Kollegen interessiert sein, denn die wissenschaftliche Basis für Kyoto, UN-IPCC und viele wissenschaftliche Arbeiten, die auf den Angaben von Phil Jones beruhen, ist dahin. No data - no science!
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