Echoortung Spezialmuskeln bringen Fledermaus-Navi auf Trab

Extrem schnelle Kehlkopfmuskeln helfen Fledermäusen beim Zielanflug. Erstmals haben Forscher solche Muskelgruppen beim Säugetier entdeckt. Damit können die Nachtjäger bis zu 190-mal in der Sekunde ihre Position überprüfen. Auch andere Tiere nutzen die Hochgeschwindigkeitsmuskeln - um Rabatz zu machen.

Wasserfledermaus: Echoortung mit bis zu 190 Schallimpulsen pro Sekunde
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Wasserfledermaus: Echoortung mit bis zu 190 Schallimpulsen pro Sekunde


Hamburg - Es gibt Fische, die nicht so stumm sind, wie man gemeinhin glaubt: Der meist rötlich schillernde Knurrhahn etwa wird gerne mal laut, um sich Artgenossen oder auch anderen Meeresbewohnern mitzuteilen. Dafür hilft dem Fisch ein mit Gas gefülltes Organ, das sonst dem Auftrieb dient. In kurzen Intervallen spannt der Knurrhahn zunächst bestimmte Muskeln an. Die so entstehenden Schallwellen werden dann von der Schwimmblase verstärkt - und verhalfen dem Fisch zum ersten Teil seines Namens.

Die superschnellen Trommelmuskeln, die der Knurrhahn nutzt, kannten Biologen bisher nur bei einigen weiteren Fischarten, Vögeln und Klapperschlangen. Doch jetzt haben Wissenschaftler aus Dänemark und den USA die Spezialmuskeln erstmals auch bei Säugetieren nachgewiesen. Wie ein Forscherteam um Coen Elemans von der Universität von Süddänemark in Odense nun im Wissenschaftsjournal "Science" berichtet, nutzen nämlich auch Fledermäuse diese Muskeltypen, um sich in der Dunkelheit zu orientieren und Beute zu jagen.

Die Wissenschaftler hatten sich Wasserfledermäuse näher angesehen. Die kommen in vielen Ländern - auch Deutschland - relativ häufig vor. Die Tiere jagen knapp über der Wasseroberfläche von Teichen und Seen nach Mücken und anderen Insekten.

Auf den letzten Ruf kommt es an

Dafür kommt eine Art Hochleistungs-Navigationssystem zum Einsatz: Kurz bevor die Fledermaus nach der Beute schnappt, steigert sie im Sturzflug ihre Echoortung auf bis zu 190 Schallimpulse pro Sekunde. Dieses letzte Echo bezeichnen die Forscher als "last buzz" (letzter Ruf). Bisher war rätselhaft, wie das Tier diese hohe Frequenz beim letzten Ruf erzeugen kann. Bei Experimenten mit Wasserfledermäusen fanden die Biologen nun heraus, dass ein extrem schneller Kehlkopfmuskel dafür verantwortlich ist.

Die Forscher beobachteten zunächst die Tiere bei ihren Attacken aus der Luft, und zwar mit Hilfe von 12 hochsensitiven Mikrofonen, die in einer speziellen Anordnung im Raum aufgestellt waren. Damit konnten sie messen, wann die Fledermäuse das Echo mit den Ohren wieder empfingen. Dabei stellten sie fest, dass das Echo eines einzelnen Rufs beendet ist, bevor die Fledermaus den nächsten Ruf aussendet.

Anschließend sahen sie sich die zuständigen Muskelfaserbündel an. Dabei fanden sie heraus, dass die Kehlkopfmuskeln der Fledermaus sich bis zu 200 Mal pro Sekunde zusammenziehen können. Das sei, so schreiben die Wissenschaftler, bis zu zwanzig Mal schneller als sich die schnellsten Muskeln des Menschen zusammenziehen können, die für die Augenbewegungen zuständig sind.

"Bevor Fledermäuse vor mehr als 50 Millionen Jahren entstanden, war der Nachthimmel voll von Motten und anderen fliegenden Insekten", sagt Forscher Elemans. "Die Entwicklung von superschnellen Muskeln war entscheidend für den Erfolg von Fledermäusen als fliegende Beutejäger in der Dunkelheit."

cib/dpa



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diamorphin 30.09.2011
1. Faszinierend
...würde da wohl Herr Spock sagen - und ich kann dem nur zustimmen. Fledermäuse sind durchwegs genial von der Natur designt, sie besitzen hevorragende Fähigkeiten als Jäger. Schade das man die Tiere wohl nicht einfach so halten kann, daher beschränke ich mich bei eigener Haltung auf Vogelspinnen. Diese sind ebenfalls sehr interessant und verfügen auch über so manche Fähigkeiten, wie z.B. passive Radarortung bei fliegenden Insekten (die Spinnen nehmen mit ihren Haaren die Vibration der Luft wahr und können die fliegende Beute so sehr genau orten) Von der Natur kann man noch sehr viel lernen und im Grunde genommen fusst beinahe jede Technik des Menschen ursprünglich auf Sachen, die in der Natur aufgrund der Evolution schon seit Millionen von Jahren gang und gäbe sind. Freundliche Grüsse diamorphin
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