Echsen Draufgänger und Angsthasen haben besten Orientierungssinn

Frauen können nicht einparken und Männer nicht zuhören. Bei einer Echsenart wurden diese typisch menschlichen Vorurteile nun teilweise bestätigt: Demnach haben Echsenmänner in Sachen räumliches Denken eindeutig die Nase vorn.

Östlicher Wasserskink: Männchen können sich besser orientieren als Weibchen
Martin Whiting

Östlicher Wasserskink: Männchen können sich besser orientieren als Weibchen


Mädels haben Schwierigkeiten beim räumlichen Denken - zumindest bei einigen Echsen ist das tatsächlich so. Die Männchen lernen rascher, sich zu orientieren, berichten australische Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B". Wahrscheinlich seien sie besser, weil sie viel Zeit damit zubrächten, die Landschaft nach Partnerinnen abzusuchen. Am besten lernen besonders draufgängerische Tiere - und besonders schüchterne. Solche mit mittelmäßigem Mut schnitten bei den Tests am schlechtesten ab.

Die Forscher um Pau Carazo von der Macquarie Universität in Sydney hatten als Forschungsobjekt den Östlichen Wasserskink (Eulamprus quoyii) gewählt, der in Sydneys Vororten weit verbreitet ist. Sie entwarfen vier Experimente zur Bewertung der Entdeckerfreude, des Lernens räumlicher Orientierung und des Wagemuts bei neuer Beute sowie nach einem Feindangriff.

32 männliche und 32 weibliche zuvor gefangene Skinke wurden in die Tests einbezogen. Untersucht wurde etwa, wie intensiv sie ein neues Gehege erkundeten, wie schnell sie nach einer neuen Beute - einer Seidenraupenlarve - schnappten oder wie sie sich verhielten, nachdem sie in eine mit Eis präparierte und damit ungemütliche Ecke ihrer Box gescheucht worden waren.

Den Lernerfolg bei räumlicher Orientierung testeten die Forscher, indem sie die Tiere in die Mitte der Box setzen, die an zwei Seiten eine Rückzugsmöglichkeit bot, wobei eine als sicher definiert wurde. Dann scheuchten sie den jeweiligen Skink so lange umher, bis er in dieses Versteck flüchtete. Wählte er das andere, wurde dieses angehoben und der Skink weiter durch die Gegend gescheucht. Der Test wurde 20 Tage lang jeweils einmal täglich mit jedem Tier wiederholt.

Suche nach Weibchen trainiert Orientierungssinn

Als Lernerfolg wurde gewertet, wenn der Skink stetig das richtige Versteck anstrebte. Mit 14 Tieren hätten dies doppelt so viele Männchen wie Weibchen binnen 20 Tagen gelernt, schreiben die Forscher. Sie eigneten sich die richtige Orientierung zudem schneller an. Besonders gut schnitten zudem Skinks ab, die sich in den anderen Versuchen als sehr ängstlich oder wagemutig erwiesen.

Echsen sind dafür bekannt, sich schnell und flexibel räumlich zu orientieren. Ihre Studie sei der erste Nachweis für Lerndifferenzen bei Reptilien verschiedenen Geschlechts, schreiben die Forscher. Ähnliche Unterschiede gebe es wahrscheinlich auch bei weiteren Arten.

Für das Auftrumpfen schüchterner und draufgängerischer Männchen hat das Team bisher nur eine Hypothese: Wagemutige Wasserskinke verteidigten häufig ein Revier und müssten ihre Rivalen und die Weibchen im Gebiet verorten. Schüchterne eilten revierlos große Strecken zwischen diesen Territorien umher - für beide Strategien sei eine überdurchschnittliche räumliche Orientierung nötig.

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jme/dpa



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