Edelgas Nobelpreisträger warnt vor weltweitem Helium-Mangel

Das Edelgas Helium könnte bald knapp werden - das befürchtet der Physik-Nobelpreisträger Robert Richardson. Mit den Vorräten werde verschwenderisch umgegangen. Das Edelgas ist kaum ersetzbar und wird meist zum Kühlen eingesetzt - etwa in Kernspintomografen.

IFW Dresden

Im Universum ist Helium reichlich vorhanden. Das Element mit zwei Protonen im Atomkern ist das zweithäufigste überhaupt. Es entsteht beispielsweise auf unserer Sonne in großen Mengen, wenn Wasserstoff- zu Heliumkernen verschmelzen.

Auf der Erde ist die Situation etwas anders. Hier existiert Helium nur in geringen Konzentrationen. Eine Gewinnung aus der Luft ist derzeit zu teuer. Chemisch herstellen lässt sich das Edelgas nicht, denn es kommt nicht in gebundener Form vor. Irdisches Helium entsteht in Gestein beim sogenannten Alphazerfall. Angereichert findet es sich dann in Erdgas in Konzentrationen von mehreren Volumenprozent. Erdgas ist auch eine wichtige Quelle, aus der Helium gewonnen wird.

Wegen der extrem niedrigen Siedetemperatur von nur vier Kelvin (minus 269 Grad Celsius) wird das Edelgas beispielsweise genutzt, um Magneten supraleitend zu machen. Deshalb benötigt nicht nur der weltgrößte Teilchenbeschleuniger LHC am Cern in Genf große Mengen Helium, sondern auch jeder Kernspintomograf, mit dem Radiologen menschliche Organe durchleuchten.

Aber Helium könnte weltweit schon bald knapp werden, warnt nun Robert Richardson, Nobelpreisträger für Physik aus dem Jahr 1996. In einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist" begründet er dies mit dem seiner Meinung nach viel zu niedrigen Preis des Edelgases.

Reserve wird aufgelöst

Die USA wollen bis zum Jahr 2015 ihre nationale Heliumreserve auflösen, die bereits 1925 bei Amarillo in Texas angelegt wurde. Dort lagern nach Richardsons Angaben noch etwa eine Milliarde Kubikmeter. Der Abverkauf der Reserve habe einen viel zu niedrigen Heliumpreis zur Folge, meint der Physiker. Die Folge sei, dass Helium bei vielen Anwendungen nicht aufgefangen und wiederverwendet werde. Bei höheren Preisen würde dies nicht geschehen.

Viele kennen Helium vor allem als Ballongas oder Partyspaß. Wer das Edelgas einatmet, bekommt eine unnatürlich hohe Stimme. Richardson glaubt, dass der Preis für eine Ballonfüllung mit Helium auf einem freien Markt bei etwa hundert Dollar liegen würde und nicht bei wenigen Dollar wie derzeit. Zu klingen wie Micky Maus wäre dann ein Luxus.

Dass weltweit immer mehr Helium verbraucht wird, ist kein Geheimnis. Nach Angaben des französischen Konzerns Air Liquide steigt der Bedarf derzeit jährlich um etwa vier Prozent. Zur Frage, ob eine baldige Knappheit des Edelgases droht, wollte sich das Unternehmen nicht äußern, sondern erklärte nur, dass immer wieder neue Quellen entdeckt würden - wie zuletzt im Mai in Katar.

Dass es bei der Heliumversorgung tatsächlich immer mal wieder Probleme gibt, berichten beispielsweise Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW). "Wir haben mehrmals eine vereinbarte Lieferung nicht bekommen", sagt Wolfram Jakob von dem Dresdner Institut im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Außerdem ist Helium immer teurer geworden."

Das IFW benötigt für seine Untersuchungen etwa 100.000 Liter Helium pro Jahr, Tendenz steigend. Um unabhängiger zu sein, hat das Institut sich eine eigene Verflüssigungsanlage gebaut, in der gasförmiges Helium wieder zum Kühlmittel recycelt wird. Dadurch ist der Verbrauch stark gesunken. Anlagen müssen nun nicht mehr abgeschaltet werden, weil die nächste Lieferung mit flüssigem Helium ausgeblieben ist.

hda

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