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Edelmetall: Bakterien machen Gold zu Nuggets

Gold steckt im Gestein, es kommt aber auch in feinsten Körnchen im Boden vor. Australische Wissenschaftler vermuten, dass Bakterien mit einem Faible für Edelmetall diese Körnchen bilden und vergrößern.

Washington - In der griechischen Mythologie heißt es, der Gott Dionysos habe König Midas geraten, im Fluss Paktolos zu baden. Midas war verzweifelt: Zuerst hatte er sich gewünscht, dass er alles durch eine schiere Berührung zu Gold verwandeln könnte. Bald merkte er aber, dass ihn dies an den Rand des Hungertodes brachte. Also stieg der König in den Fluss. Der Sage nach ging dabei die Gabe der mühelosen Goldherstellung von Midas auf Paktolos über, der zum goldreichsten Fluss Kleinasiens wurde.

Goldnugget: Bakterien könnten an der Bildung von Goldkörnchen beteiligt sein
AP

Goldnugget: Bakterien könnten an der Bildung von Goldkörnchen beteiligt sein

Hat Midas auch in den ehemals nuggetreichen Goldflüssen Kaliforniens gebadet? War der Sagenkönig gar in den Minen Südafrikas und Australiens unterwegs? Oder waren goldversessene Bakterien im Spiel?

Letztere Theorie vertritt Frank Reith, Geomikrobiologe von der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation im australischen Adelaide. Goldnuggets können ihre Entstehung besonderen Bakterien verdanken, schreibt Reith im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 313, S. 233). Die Mikroben nehmen das Edelmetall demnach aus der Erde auf und lagern es Schicht um Schicht auf winzigen Körnchen ab.

Reith und seine Kollegen untersuchten kleinste Goldkörnchen, die sie in zwei 3400 Kilometer voneinander entfernten Goldminen in Australien gefunden hatten. An beiden Orten wandert Gold aus dem Fels des Untergrunds in die darüber liegende Erdschicht. Nicht nur dass viele der winzigen Körner ihrer Form nach auf bakterielle Entstehung hindeuten, die Forscher fanden auch Biofilme auf den Edelmetallkörnchen. Diese Überzüge stellten sich nach näherer Analyse als Mixtur aus bakteriellem Schleim und lebendigen Bakterien heraus. 30 verschiedene Arten konnten Reith und seine Kollegen per Gentest zählen. Im umliegenden Erdreich kamen die Mikroben nicht vor.

Verwandtschaft mit Vorliebe für Quecksilber

Am häufigsten war eine Spezies vertreten, die der bekannten Art Ralstonia metallidurans stark ähnelt. Die ist für ihre Fähigkeit bekannt, Schwermetalle wie Quecksilber aus Lösungen zu filtern. Im Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Bakterien auch Gold aus dem Boden aufnehmen und an einer Oberfläche ablagern können.

Reith vermutet nun, dass bei der Bildung von Goldnuggets, die an vielen Orten auf der Welt gefunden wurden, Bakterien eine maßgebliche Rolle spielen. "Ich behaupte zwar nicht, dass alle Körner auf Mikroorganismen zurückgehen", sagte Reith. Aber die Mikroben könnten dazu beitragen, dass aus winzigen Partikeln des Edelmetalls größere Goldkörnchen entstehen. Gold zu erschaffen wie der sagenhafte König Midas, vermögen die hochspezialisierten Bakterien damit zwar nicht. Dafür scheint das Edelmetall bei ihnen aber nicht mit dem Stoffwechsel zu kollidieren.

stx/ddp

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