Sozialverhalten: Eichelhäher fühlen sich in Partnerin ein
Was schmeckt der Liebsten? Eichelhäher erkennen die aktuelle Vorliebe ihrer Partnerin - ohne direkte Signale wie Zuwendung oder Abwendung. Die Vögel können sich in den anderen einfühlen. Die Fähigkeit war nur von Menschen und Affen bekannt.
Hamburg - Eichelhäher sind intelligent. Sie ermitteln, auf welches Futter ihre Weibchen gerade wahrscheinlich am meisten Lust haben. Das Verhalten zeige, dass die Vögel ihren Partner als Wesen mit einem eigenen inneren Leben mit wechselnden Stimmungen erleben, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Science". Die Fähigkeit, dem Gegenüber ein Selbst zuzugestehen, wurde bislang nur bei Menschen und Affen beobachtet.
Nicola Clayton und ihre Mitarbeiter von der Universität Cambridge fütterten die Weibchen von sieben Eichelhäher-Paaren entweder mit Larven von Wachsmotten oder Mehlmotten. Dabei notierten sie, ab welchem Punkt die einzelnen Vögel vom Geschmack einer dieser Larven genug hatten und lieber die anderen fraßen. Anschließend boten sie beide Larven den Männchen an, die mit Körnerfutter versorgt worden waren.
Wie es dem Verhalten der Tiere entspricht, boten diese die Insektenlarven auch ihren Partnerinnen an. Es stellte sich heraus, dass die Männchen ihren Weibchen verstärkt die Sorte Futter anboten, die diese noch nicht bis zum Überdruss gehabt hatten - allerdings nur dann, wenn sie vorher gesehen hatten, was die Weibchen fraßen.
Das eigene Selbst im anderen Eichelhäher
Das zeige, dass die Männchen die augenblickliche Präferenz der Weibchen erkannten - allerdings nicht an direkten Anzeichen von Interesse oder Abwendung, berichten die Verhaltensforscher. Die Häher mussten auf die vermutete Futterpräferenz der Weibchen geschlossen haben, und zwar aus deren Vergangenheit - aus dem, was die Vogel-Damen vorher gegessen hatten.
Dies sei eine bedeutend kompliziertere Verhaltensleistung als die reine Reaktion auf eine Beobachtung. Die Vögel schließen offenbar aus dem bisherigen Futter der Weibchen, dass diese wahrscheinlich genug von der einen Beute hatten und jetzt eine andere bevorzugen würden. Damit setzten sie bei ihrem Gegenüber ein ähnliches Verhalten voraus, wie das, das sie selbst gehabt hätten - und gestehen ihm damit ein eigenes Selbst zu.
jme/dpa
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