Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Riechen von Katzenurin: Ein einziges Gen lässt Mäuse schaudern

Maus: Panik nach Uringeruch Zur Großansicht
AFP/ Conservation International/ Stephen Richards

Maus: Panik nach Uringeruch

Gerüche können sehr komplex sein. Den Duft von Katzenurin erkennen Mäuse jedoch sehr schnell. Dazu genügt ihnen ein einziges Gen, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Wird das Gen gezielt abgeschaltet, verliert der Uringeruch seinen Schrecken.

Gegen Katzenurin haben Mäuse eine ausgesprochene Abneigung. Die Furcht wird durch Amin-Moleküle vermittelt, die im Katzenurin in großer Menge vorkommen und von so genannten TAAR-Rezeptoren in der Nase der Maus erkannt werden, berichten Forscher im Wissenschaftsblatt "Nature". Allerdings verlieren die Mäuse ihre Aversion, wenn ihnen nur ein einziges Gen zur Wahrnehmung der Amine fehlt, schreiben die Wissenschaftler.

Die Wahrnehmung von Gerüchen beginnt an den Riechzellen in der Nase, an denen unterschiedliche Rezeptoren sitzen. Diese Rezeptoren binden die Duftmoleküle, wodurch über mehrere Zwischenstationen ein Signal an das Gehirn weitergeleitet wird. Die Signalkette endet mit dem Erkennen eines bestimmten Dufts. Es gibt Hunderte von Geruchsrezeptoren, die jeweils für bestimmte chemische Moleküle spezifisch sind.

Da Gerüche auf einem komplexen Gemisch verschiedenster Moleküle aufbauen, glaubten Fachleute bisher, dass einzelne Rezeptoren bei der Wahrnehmung und der Reaktion auf bestimmte Gerüche nur eine untergeordnete Rolle spielen. Adam Dewan von der Northwestern University im US-Staat Illinois und seine Mitarbeiter zeigten aber nun, dass das nicht unbedingt der Fall ist.

Kein Signal in der Nase

Sie untersuchten eine Gruppe von "TAAR" (trace amine-associated receptors) genannten Rezeptoren. Diese Rezeptoren registrieren Amine, also Abkömmlinge des Ammoniaks. Die Forscher legten durch genetische Manipulationen zunächst alle TAAR-Gene bei Mäusen still. Setzten die Forscher den Mäusen verschiedene aminhaltige Duftstoffe vor, zum Beispiel Puma-Urin, kam in der Nase der Mäuse kein Signal mehr an.

In einem Verhaltenstest zeigte sich, dass diese Mäuse auf den Duft auch nicht mehr mit Furcht oder Vorsicht reagierten oder etwa Bereiche ihres Geheges mieden, in denen Riechstoffe verteilt worden waren. Die Forscher legten anschließend ein einziges TAAR-Gen still, TAAR4 genannt. Das Ergebnis war das gleiche.

Der Ausfall eines einzelnen Gens kann also das Verhalten der Mäuse verändern, folgern die Wissenschaftler. Vermutlich spielen die TAAR-Rezeptoren eine Rolle bei der Geruchswahrnehmung über weitere Entfernung, denn schon Spuren der Amine reichen aus, um einen Reaktion zu erzielen.

boj/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Katzenurin und Mäuse
nilaterne 29.04.2013
ist doch intressant,dass da ein einziges Gen das Verhalten, hier verstecken vor der Katze, so geändert wird, daß sich die Maus womöglich fressen ließe, weil der feind nicht wahrgenommen wurde. Ich glaube, daß auch Menschen geruchgesteuerte Wesen sind. Dazu gibt es ja auch schon erste handfeste Beweise. (Unterhemdtest).
2. @1nilaterne
eo no 29.04.2013
Das uns Menschen der Geruch Anderer auffällt und wir auch sofort registrieren ob angenehm oder unangenehm ... Das wir Andere zwar riechend "nicht riechen können" weil wir ihn/sie schnell ganz ablehnen - was ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren ist ... und was - wenn man seinen eigenen Gefühlen Wissen Instinkten Gedächtnis nicht folgt - durchaus Lebensgefährlich/bedrohlich werden kann wissen wir auch. Leider sind wir schlechter dran als die Mäuse - wir selbst u.a. können viel kaschieren: Duschen uns parfumieren etc dann fällt der Eigengeruch nicht sofort auf - an an Stimme Stimmlage Wortwahl kann viel getan werden... doch unser Gefühl lässt sich nicht überlisten ... Wir werden sind gewarnt - falls jemand mit uns "spielen" will uns immer wieder mit der Pfote nieder haut und verletzt falls wir uns bewegen ...
3. sowas ähnliches gibt es schon........
spon-facebook-10000140154 29.04.2013
Zitat:Wenn Mäuse oder Ratten von dem Erreger der Toxoplasmose befallen werden, dann ändert dieser ihr Verhalten so, dass Katzen sie leichter fangen können. Natürlich steuern die Parasiten das Verhalten der Nagetiere nicht gezielt. Doch ihr Einfluss auf die Hirnchemie hat sich im Verlauf der Evolution so entwickelt, dass infizierte Mäuse und Ratten nun den Geruch von Katzen oder deren Urin besonders interessant finden, anstatt wie gewöhnlich das Weite zu suchen. Das erhöht ihr Risiko, gefressen zu werden - und verbessert die Chancen des Parasiten, dorthin zu kommen, wo er hin will: in die Katze, seinen Endwirt.
4.
günter1934 29.04.2013
Zitat von nilaterneist doch intressant,dass da ein einziges Gen das Verhalten, hier verstecken vor der Katze, so geändert wird, daß sich die Maus womöglich fressen ließe, weil der feind nicht wahrgenommen wurde. Ich glaube, daß auch Menschen geruchgesteuerte Wesen sind. Dazu gibt es ja auch schon erste handfeste Beweise. (Unterhemdtest).
Wir leben hier in einem alten Bauernhaus in Südfrankreich seit über 30 Jahren. Die Vorbesitzer, echte Hippies, hatten Katzen im Haus. Nach dem Lesen des Artikels ist mir klar, ich muss auch dieses Mäusegen in mir haben. Denn: Es hat 10 Jahre gedauert, bis ich beim Betreten des Hauses nicht mehr den Katzenurin gerochen habe. Allerdings hatte ich keinen Fluchtreflex, da ich vor Katzen, im Gegensatz zu Hunden, keine Angst habe.
5.
Gertrud Stamm-Holz 29.04.2013
Zitat von sysopAFP/ Conservation International/ Stephen RichardsGerüche können sehr komplex sein. Den Duft von Katzenurin erkennen Mäuse jedoch sehr schnell. Dazu genügt ihnen ein einziges Gen, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Wird das Gen gezielt abgeschaltet, verliert der Uringeruch seinen Schrecken. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ein-einziges-gen-sorgt-dafuer-dass-maeuse-katzenurin-riechen-koennen-a-897175.html
Ich habe seinerzeit eine Mäusemutter im Geschirrspüler gehabt und die war von den zwei Katern völlig unbeeindruckt. Sonst hätte sie niemals in der Küche, neben dem Fressplatz der Katzen, ihr Nest gebaut und ihre Jungen geboren. Ich habe schon Haselmäuse unter einer Kommode als Mieter gehabt, die selbstverständlich das vorrätige Trockenfutter an diesem Platz als Pyramide gehortet haben. Die 3 Meter zum Katzenklo waren für die Besucher sicher kein Thema und die Anwesenheit ihrer Feinde nicht unbekannt. Man ist sich auch von nach begegnet und hat sich weder zum Angriff, noch zur Flucht entschieden. Bleibt eine Maus einfach so stehen und rührt sich nicht, die Katze verliert ihr Ziel. Sie ist auf Bewegung ihrer Beute angewiesen. Dumm nur für die Maus, dass sie nicht lange reglos verharren kann. Ihr Stoffwechsel lässt das nicht zu. Ich hätte hier gerne eine plausible Erklärung. Mäuse haben in ihrem kurzen Leben keine Zeit sich zu fürchten. Feinde gibt es viele. Ginge es danach, eine Maus käme gar nicht mehr aus ihrem Bau.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Testen Sie Ihr Wissen!

Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: