Einzigartiger Flugsaurier-Fund Mrs. T fasziniert mit Rundungen

Was unterscheidet Dinoweibchen von Dinomännchen? Paläontologen haben die Überreste eines 160 Millionen Jahre alten Flugsaurierweibchens entdeckt - zusammen mit einem Ei. Offenbar war "Mrs. T" etwas runder um die Hüfte, von Brutpflege hielt sie nicht allzu viel.

University of Portsmouth / Mark Witton

Das 160 Millionen Jahre alte Fossil, das Forscher in der nordostchinesischen Provinz Liaoning entdeckt haben, ist aus einem Grund etwas sehr Außergewöhnliches: Es handelt sich um ein Weibchen. Deshalb nennen die Wissenschaftler es "Mrs. T". "Eine Entdeckung, bei der das Geschlecht mit Gewissheit bestimmt werden kann, ist bei Fossilien sehr selten", berichtet einer der beteiligten Paläontologen, David Unwin von der University of Leicester.

Bei diesem Fund hatten die Wissenschaftler doppelt Glück: Sie konnten nicht nur eindeutig feststellen, dass es sich um ein Pterosaurus-Weibchen handelte; direkt neben dem Skelett fanden sie auch ein Ei - es war offenbar ungelegt. "Mrs. T" habe vermutlich kurz vor der Ei-Ablage gestanden, schreibt das britisch-chinesische Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Science". Im Laufe der Zersetzung sei es wahrscheinlich neben den Körper gerutscht.

Den Tod von "Mrs. T" rekonstruieren die Forscher so: Ein unbekanntes Ereignis brach ihren linken Vorderarm und sie stürzte in ein Gewässer. Dort sank sie tödlich verwundet zu Boden und wurde über die Jahrmillionen hinweg zu Stein.

Breites Hüftbecken

Dabei blieb das Skelett sehr gut erhalten. So konnten die Paläontologen die besonderen Merkmale der Weibchen ablesen und eine ganze Menge Schlüsse daraus ziehen. Pterosaurus-Weibchen, die wie eine Mischung aus Storch und Fledermaus über die von Sauriern besiedelte Welt flatterten, waren demnach etwas runder. Ihr Hüftbecken ist weiter als das der Männchen, vermutlich um die Ei-Ablage zu erleichtern, schreiben die Forscher.

Männchen hatten einen großen Kamm auf dem Kopf, mit dem sie prahlten. Doch die Skelettreste des Weibchens lieferten den Beleg dafür, dass die Flugsaurier-Damen keinen derartigen Kopfschmuck besaßen. Die Forscher verglichen die Überreste von "Mrs. T" mit anderen Skeletten und kommen zu dem Schluss, dass der Kamm, der zahlreichen Flugsauriern im Jugendalter wuchs, ausschließlich bei Männchen vorkamen - und folglich eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl spielte.

Damit sei ein Jahrhunderte altes Rätsel gelöst, schreiben die Paläontologen. "Viele Flugsaurier hatten Kämme auf dem Kopf. In den spektakulärsten Fällen waren sie fünfmal so hoch wie der Schädel", sagt Unwin. Es habe zwar die Vermutung gegeben, dass diese zum männlichen Prahlen genutzt wurden. Aber ohne einen direkten Hinweis auf das Geschlecht der Tiere sei dies eine Spekulation geblieben. "Wahrscheinlich nutzten sie den Kamm, um Rivalen einzuschüchtern oder Partnerinnen anzuziehen."

Die Erkenntnisse aus dem Tier der Gattung Darwinopterus ließen sich auf andere Flugsaurier übertragen, die vor 210 bis 65 Millionen Jahren den Himmel beherrschten, sagt Unwin. Nun müssten auch Skelette, die zuvor wegen des Kamms zu verschiedenen Arten gezählt wurden, zu einer zusammengeführt werden.

Brutablage wie bei Krokodilen

Das Ei sei mit rund sechs Gramm im Vergleich zum Körper des Weibchens - es hatte eine Flügelspannweite von 78 Zentimetern - relativ klein gewesen, ähnlich wie es heute bei Reptilien üblich sei, schreibt das Team unter Leitung von Junchang Lü von der Chinesischen Akademie für Geologische Wissenschaften in Peking. Zudem habe es keine feste Schale, sondern eine pergamentartige Hülle gehabt.

Ein heutiger Vogel dieser Größe lege zwei- bis dreimal so große Eier, da seine Eier alle Substanzen für die Entwicklung des Kükens enthalten müssten. So habe ein Saurierweibchen weniger Energie in die Eier investiert als die heutigen Vögel. Die weiche, pergamentartige Eischale der Flugsaurier lasse vermuten, dass die Saurierweibchen ihre Eier wie viele heutige Reptilien vergruben - und ihnen danach kaum mehr Aufmerksamkeit schenkten, da die Schale Wasser aus der Umgebung durchgelassen habe. So wäre das Ei von "Mrs. T" bis kurz vor dem Schlüpfen des Jungen wahrscheinlich fast doppelt so schwer geworden.

cib/dpa/AFP

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
jocurt1 21.01.2011
1. Um das mal in den Kontext mit Tagesereignissen zu bringen
Zitat von sysopWas unterscheidet Dinoweibchen von Dinomännchen? Paläontologen haben die Überreste eines 160 Millionen Jahre alten Flugsaurierweibchens entdeckt - zusammen mit einem Ei. Offenbar war "Mrs T"*etwas runder um die Hüfte, von Brutpflege hielt sie nicht allzu viel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,740676,00.html
trotz offensichtlich auch heute noch typischer weiblicher Merkmale haben die Dinos diese ignoriert und auf Gleichberechtigung/Gleichverpflichtung und damit QUOTE plädiert. Bei der jagdt hat sich die Arme, die ja immer ihr Ei rumschleppen musste, den Arm gebrochen und ist in den Tümpel gefallen. Da wo ER nie gejagt hätte. Vor lauter Pralerei hat er wiederum sein Pflicht zur Aufzucht vergessen - ein Doppelbelastungsproblem - damit die anderen Eier vergeigt und ist eben ausgestorben. Frau Leyen übernehmen Sie.
florian234 21.01.2011
2. So einfach geht das manchmal zu einem Geschlecht zu kommen...
Spannend, ein Saurier – klar als „weiblich“ ausgewiesen. Wie die Forschenden zu dieser Einordnung kamen und dann ihre weitreichenden Thesen ableiteten wird beiläufig genannt – ein Ei lag beim Saurierskelett. Das verweist aber äußerst spannend auf die Methoden archäologischer Geschlechtsbestimmung: Anders als oft im Populärwissen vorausgesetzt führen eben keine molekularbiologischen Untersuchungen zur Einordnung, sondern Skelette begleitende Gegenstände – hier das Ei, bei Menschen oft Pfeilspitzen, an Hand derer dann auf männliches Geschlecht geschlossen wird. Die Einordnung von Pfeilspitze = kriegerisch = Mann ist längst umgestürzt, da mittlerweile auch als möglich erscheint, dass auch Gräbern von Frauen solche Beigaben hinzugefügt wurden. Das hindert aber nicht daran, an anderen Stellen sogleich wieder Kurzschlüsse zu ziehen – und von ganz wenigen Funden (eins, zwei, drei Individuen), die möglicherweise (!) ein und derselben Saurierart zugehören sogleich die eigene Erwartungshaltung zweier Geschlechter abzuleiten. So wird Wissenschaft ruiniert (bzw. so funktioniert Wissenschaft) – und landet man bei Antworten, wie man sie auch beim Orakel von Delphi nicht schlechter erhalten hätte: auch dort hätte man eine Antwort erhalten, die eine aus der jeweiligen gesellschaftlichen Erwartungshaltung entstammt… Warum nicht einfach nüchtern analysieren, vermessen – anstatt gleich in die Schubladen stecken, die wir heute als wichtig betrachten…
dalesmith 21.01.2011
3. ?
Zitat von sysopWas unterscheidet Dinoweibchen von Dinomännchen? Paläontologen haben die Überreste eines 160 Millionen Jahre alten Flugsaurierweibchens entdeckt - zusammen mit einem Ei. Offenbar war "Mrs T"*etwas runder um die Hüfte, von Brutpflege hielt sie nicht allzu viel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,740676,00.html
In wirklichkeit hat es nie Dinosaurier gegeben,die wenigen Skelettfunde reichen für eine angenommene Weltpopulation(die Jahrmillionen gelebt haben soll)nicht aus. Sie sind Relikte von Erdbesucher die auf ihre Erkundungstouren ihre Haus und Nutztiere hiergelassen haben.
snickerman 21.01.2011
4. Ja ne is klar...
Zitat von florian234Spannend, ein Saurier – klar als „weiblich“ ausgewiesen. Wie die Forschenden zu dieser Einordnung kamen und dann ihre weitreichenden Thesen ableiteten wird beiläufig genannt – ein Ei lag beim Saurierskelett. Das verweist aber äußerst spannend auf die Methoden archäologischer Geschlechtsbestimmung: Anders als oft im Populärwissen vorausgesetzt führen eben keine molekularbiologischen Untersuchungen zur Einordnung, sondern Skelette begleitende Gegenstände – hier das Ei, bei Menschen oft Pfeilspitzen, an Hand derer dann auf männliches Geschlecht geschlossen wird. Die Einordnung von Pfeilspitze = kriegerisch = Mann ist längst umgestürzt, da mittlerweile auch als möglich erscheint, dass auch Gräbern von Frauen solche Beigaben hinzugefügt wurden. Das hindert aber nicht daran, an anderen Stellen sogleich wieder Kurzschlüsse zu ziehen – und von ganz wenigen Funden (eins, zwei, drei Individuen), die möglicherweise (!) ein und derselben Saurierart zugehören sogleich die eigene Erwartungshaltung zweier Geschlechter abzuleiten. So wird Wissenschaft ruiniert (bzw. so funktioniert Wissenschaft) – und landet man bei Antworten, wie man sie auch beim Orakel von Delphi nicht schlechter erhalten hätte: auch dort hätte man eine Antwort erhalten, die eine aus der jeweiligen gesellschaftlichen Erwartungshaltung entstammt… Warum nicht einfach nüchtern analysieren, vermessen – anstatt gleich in die Schubladen stecken, die wir heute als wichtig betrachten…
Ein ungelegtes Ei, um genau zu sein. Ansonsten haben Sie ja auch so toll Ahnung, mehr als die ganzen blöden Wissenschaftler, denen Sie erstmal erklären müssen, wie sie Forschung betreiben sollen. Dafür beschränken Sie sich auf einen einzigen Halbsatz aus dem Artikel und verweisen auf vollkommen unzusammenhängende Vergleiche und faseln etwas von der "jeweilgen gesellschaftlichen Erwartungshaltung"... In Wirklichkeit wurden übrigens die Dinos von Außerirdischen ausgerottet, die sie alle zu Wurst verarbeitet haben- ich habe noch vor kurzem in der Fleischtheke meines Vertrauens eine Fleischwurst mit Dino-Umriss gesehen- das ist der Beweis!!!11Elf ^^
Thomas11, 22.01.2011
5. Viel Pech für Mrs. T.
Zitat von sysopWas unterscheidet Dinoweibchen von Dinomännchen? Paläontologen haben die Überreste eines 160 Millionen Jahre alten Flugsaurierweibchens entdeckt - zusammen mit einem Ei. Offenbar war "Mrs T"*etwas runder um die Hüfte, von Brutpflege hielt sie nicht allzu viel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,740676,00.html
So, so, da hat sich die Arme Altfledermaus im Fluge einen Arm gebrochen, was bei Vögeln ja auch sehr häufig vorkommen soll. Dann ist sie auch noch mit dieser tödlichen Verletzung ins Wasser gefallen und ertrunken. Viel Pech auf einmal. Sie legte dann noch schnell ein Ei, und dann kam der Tod herbei. Da lässt allerdings die Brutpflege zu wünschen übrig. Zum Glück glaubt in dieser Art Wissenschaft keiner dem anderen, doch wir Leser sollen uns zum Narren halten lassen.
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