Fangschreckenkrebse Die Durchblicker vom Meeresgrund

Sieben Rezeptoren reichen, um alle Farben der Welt zu erkennen. Der Fangschreckenkrebs hat trotzdem zwölf. Schärfer sieht der brutale Jäger mit ihnen nicht - aber deutlich schneller.

Roy L. Caldwell

Fangschreckenkrebse leben inmitten schillernder Farben. Mit ihren keulenartigen Fangwerkzeugen jagen sie in den Korallenriffen am Boden tropischer Ozeane, viele Arten leuchten selbst in auffälligen Mustern. Da verwundert es wenig, dass die Nuancen des Farbspektrums auch im Sehsinn der Krebse ungewöhnlich differenziert abgebildet sind.

Frühere Studien hatten ergeben, dass vier bis sieben verschiedene Farbrezeptoren ausreichen, um das komplette Spektrum zu erfassen - im Tierreich üblich sind nur zwei bis vier. Bei Fangschreckenkrebsen jedoch zählen Forscher ganze zwölf Rezeptortypen.

Zunächst vermuteten Wissenschaftler dahinter eine ganz besonders präzise Wahrnehmung von Farben. Doch weit gefehlt: Fangschreckenkrebse können Farben weniger gut unterschieden als andere Tiere. Das zeigen nun Versuche australischer und chinesischer Forscher, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin "Science" veröffentlicht haben.

In ihren Experimenten fixierten die Wissenschaftler jeweils einen Krebs und ließen ihn sich zwischen zwei farbigen Lichtern entscheiden. Zuvor waren die Tiere auf eine der beiden Farben mit einer Belohnung konditioniert worden. Diese Farbe wählten die auch als Mantis-Shrimps bekannten Krebse dann auch im Versuch aus - sofern sie die Farbtöne noch voneinander unterscheiden konnten.

Superbewegliche Komplexaugen

Das Ergebnis war für die Fangschreckenkrebse nicht gerade schmeichelhaft. "Bemerkenswert grob" sei das Farbsehen der Krebse, schreiben die Forscher. Hellorange und Dunkelgelb sehen für sie absolut gleich aus. Trotzdem sind Fangschreckenkrebse in der Lage, Grundfarben sehr schnell zu erkennen, und sie verbrauchen dabei sogar weniger Energie als andere Tiere. Wie ist das möglich?

Offenbar nutzen die Krebse ihre Augen wie einen Scanner, erfassen also ihre Umwelt mit systematischen Augenbewegungen. So erreichen die Lichtreize jedes Ortes in der Umgebung auch jeden Rezeptortyp im Krebsauge. Die Farbe eines Ortes wird dann anhand der Farbrezeptoren bestimmt, die bei dessen Betrachtung am stärksten reagieren. "Mit diesem System können Fangschreckenkrebse Farben schnell und zuverlässig bestimmen", heißt es in der Studie.

Was hingegen fehlt, ist das Feintuning im Gehirn. Andere Tiere und auch Menschen verarbeiten visuelle Sinneseindrücke komplexer - beispielsweise werden die Signale der unterschiedlichen Farbrezeptoren miteinander abgeglichen. Diesen Prozess sparen sich die Krebse mit dem direkteren Verfahren des Scannens. Das bringt eine gewisse Unschärfe mit sich, spart aber Energie und Zeit.

Gewaltexzess am Meeresgrund

Der Sehsinn der Mantis-Shrimps wäre damit einzigartig in der Tierwelt. Ihre Augen jedenfalls bieten dafür beste Voraussetzungen: Sie sitzen auf Stielen und sind dadurch sehr beweglich - auch unabhängig voneinander. Unterteilt sind sie in eine Vorder- und eine Rückseite, zwischen denen ein Bereich mit den Farbrezeptoren liegt. Vier von ihnen sind allein für die Wellenlängen des UV-Lichts zuständig.

Im Alltag dürften die Krebse von ihren superschnellen Augen enorm profitieren, etwa wenn sie ihr Territorium gegen Konkurrenten verteidigen oder Muscheln, Krabben und Fische auf rabiate Weise erledigen. Mit ihren Fangarmen dreschen sie so plötzlich auf ihre Opfer ein, dass diese schon von den dabei entstehenden Gasbläschen betäubt werden - noch bevor die tödlichen Schläge sie erreichen.

che



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
augennichttrauer 23.01.2014
1. Perfektion im Kleinen
Was für ein faszinierendes und zugleich schönes Tier. So klein und doch so bunt. Da wurde nicht rationell ein technokratischer Bauplan , reduziert auf Funktion , zusammengebaut. Allein das Äußere dieses Tiers ist hochkreativ gestaltet.
postit2012 23.01.2014
2. Phänomenal,
Zitat von sysopRoy L. CaldwellSieben Rezeptoren reichen, um alle Farben der Welt zu erkennen. Der Fangschreckenkrebs hat trotzdem zwölf. Schärfer sieht der brutale Jäger mit ihnen nicht - aber deutlich schneller. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/einzigartiger-sehsinn-fangschreckenkrebse-scannen-ihre-umwelt-a-945124.html
diese Aufnahmen! Mal ein Grund, sich bei SpOn zu bedanken. Schönen Abend noch postit
mat_yes 23.01.2014
3. Diese Effizienz, zeigt...
auch die Schönheit der unberechenbaren Natur. Denn es ist nicht der Mensch der am effizientesten überall ausgestattet ist. Bei den Augen und Sinnen gibt es phantastische Vorbilder wie die Fangschrecken oder auch Raubvögel. Doch auch Dimensionen, die der Mensch nur messen aber nicht PERSÖNLICH berurteilen kann sind phantastisch. Wie sieht es mit den Lorenzinischen Ampullen und den Seitenlinienorganen der Haie aus? Wie mit der muskulären Effiziens der Kolibries und Insekten? Jedes Lebewesen, das existiert, ist, zum Lebenszeitpunkt, optimal an die existierende Ökoniesche angepasst, sonst würde es nicht existieren. DAS ist die SCHÖNHEIT des Lebens. UND GENAU DAS, SOLLTE DER MENSCH BEGREIFEN! Solche Aufnahmen und weiterfürhrende Berichte oder auch Kommentar, so wie meienr könnten vielleicht noch helfen, die Schönheit der Welt zu erhalten. Weiter so SPON und noch mehr über unsere Welt und Natur berichten. Aber bitte auch mit Bereichsübergreifenden Berichten! Was passiert denn mit den Fangschrecken, wenn die entsprechenden Jagtgründe in denen das Plankton und die Korrallen, deren primäre Nachkommen auch zum Zooplankton gehören, durch eine Temperaturerhöhung von nur 2° C, aussterben. Auch diese, für uns Menschen mit unseren limitierten Sinnesorganen, gibt es diese Lebewesen sehr bald nicht mehr!
taglöhner 23.01.2014
4. Bildung
Zitat von augennichttrauerWas für ein faszinierendes und zugleich schönes Tier. So klein und doch so bunt. Da wurde nicht rationell ein technokratischer Bauplan , reduziert auf Funktion , zusammengebaut. Allein das Äußere dieses Tiers ist hochkreativ gestaltet.
Das eigentlich Faszinierende ist: Eben nicht kreativ, sondern evolutionär! https://xkcd.com/877/
ronald1952 24.01.2014
5. Dieser Krebs ist ein Wunder
Zitat von sysopRoy L. CaldwellSieben Rezeptoren reichen, um alle Farben der Welt zu erkennen. Der Fangschreckenkrebs hat trotzdem zwölf. Schärfer sieht der brutale Jäger mit ihnen nicht - aber deutlich schneller. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/einzigartiger-sehsinn-fangschreckenkrebse-scannen-ihre-umwelt-a-945124.html
der Evolution,schön, schnell und Kreativ was seine Jagttechnik an- belangt.Aber ein Brutaler Jäger ist dieses Geschöpf nicht, denn der Fangschreckenkrebs Tötet nur um zu Überleben, anderst als wir Menschen,oder?Der Mensch ist ein brutaler Jäger,denn er Tötet aus seiner unendlichen Gier heraus.Und an den Schreiber des Artikels, Verunglimpft nicht immer die Mitbewohner unseres Planeten und ihr müsst unsere Mitbewohner auch nicht immer auf die niedere Stufe der Menscheit herunterziehen.Ansonsten ein guter Artikel, der auch zeigt, daß die meisten Tiere uns was ihre Sinne betrifft weit Überlegen sind. schönen Tag noch,
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