Einzigartiges Tier-Video Riesen-Tintenfisch geht an den Haken

Erstmals ist es japanischen Forschern gelungen, den Fang eines der sagenumwobenen "Tiefseemonster" zu filmen. Das Tier starb bei der Aktion. Für die Forscher ist es der zweite Coup in Folge: Digitalfotos hatten vorher wertvollen Aufschluss über das Jagdverhalten der Tiere gegeben.


Das Tiefseemonster ist rot, riesig und eigentlich noch ein Baby: Der Riesen-Kalmar ist vor der japanischen Küste Forschern an die Angel gegangen. Sie filmten den Fang auch. "Wir denken, das sind die ersten bewegten Bilder eines Riesen-Tintenfischs", sagte der japanische Zoologe Tsunemi Kubodera vom Nationalen Zoologischen Museum in Tokyo bei der Präsentation der Bilder. "Außer Fischern hatte bisher niemand einen Riesen-Tintenfisch lebendig gesehen."

Die Wissenschaftler fanden das etwa dreieinhalb Meter lange und 50 Kilogramm schwere Weibchen bei den Ogasawara-Inseln südlich von Tokyo. Da das Tier den Fang nicht überlebt hat, wurde es in Formalin eingelegt und soll so der Wissenschaft dienen.

Die sagenumwobenen Riesen-Tintenfische aus der Tiefe sind bisher kaum erforscht. Seemannsgarn über Monster, die mit ihren Riesententakeln ganze Schiffe umschlingen und in die Tiefe reißen, gibt es zuhauf - wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse allerdings nur wenige. Meist finden Forscher nur Kadaver oder Tentakelteile der in großer Meerestiefe lebenden Riesen-Tintenfische, äußerst selten werden noch lebende Exemplare gesichtet. Deshalb seien die jetzigen Videos ein Glücksfall für die Wissenschaft, sind die japanischen Forscher überzeugt.

Den Riesen-Tintenfisch zu fangen und zu filmen ist schon der zweite Erfolg des Forschers Kubodera und seinem Team bei der Erforschung der raren Tiere in diesem Jahr. Vor einigen Monaten präsentierte er erstmalig über 500 Digitalfotos eines Riesen-Kalmars und lieferte damit wertvolle Aufnahmen, um das Jagdverhalten der Tiere zu erforschen.

Zu den Fotos kam Kubodera damals mit Hilfe einer Futterfalle in mehr als 900 Metern Meerestiefe. Ein Kalmar verhakte sich mit seinen Tentakeln, vier Stunden versuchte er zu fliehen; Kuboderas Team hielt die Kamera drauf. Schließlich entkam das Tier - um den Preis eines Tentakels. Die Saugnäpfe dieses abgerissenen Arms hätten, so berichteten die Forscher damals, noch Stunden später an Deck des Forschungsschiffes alles angesaugt, was sich ihnen anbot.

Eine Erkenntnis aus den Bildern: Riesen-Tintenfische umklammern ihre Beute mit den Tentakeln, ähnlich wie Würgeschlangen. Die Forscher hatten ursprünglich angenommen, dass sie eher passiv wie Angler ihre Tentakel als Köder aushängten und auf Beute warteten.

Nun hat Kubodera nachgelegt. Zusammen mit seinem Team folgte er diesmal den bekanntesten Kalmar-Jägern: Pottwalen. Die sind dafür bekannt, dass sie sich von den Riesen-Tintenfischen ernähren. Nahe der Ogasawara-Inseln südlich von Tokyo ging das Riesenbaby schließlich in die Fressfalle.

Unbestätigten Berichten zufolge können Riesen-Tintenfische bis zu 20 Meter lang werden. Sie haben acht Arme und zwei überlange Tentakeln. Eine Gefahr für Schiffe seien sie aber nicht, sagen Wissenschaftler. Die Tiere leben Hunderte Meter unter der Wasseroberfläche.

ner/rtr



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