Begegnung in der Arktis Fahnenflucht

Deutsche Wissenschaftler erforschen in der Arktis den Klimawandel. Zeitweise mussten sie die Erkundungen aber anderen überlassen: Zwei Bären inspizierten die Forschungsrequisiten.

Alfred-Wegener-Institut/ Hauke Flores


Anfang Juni dockte die "Polarstern" in der Arktis an einer Eisscholle an. Dort erforscht die Besatzung des deutschen Forschungsschiffes, warum sich die Region stärker erwärmt als der Rest der Welt; auch Unterwasserwelt und Eis stehen auf dem Erkundungsplan.

Die friedlich wirkende Schollenwelt birgt jedoch Gefahr. Jeder Nordpol-Forscher kennt die Gruselgeschichten: Sie erzählen von zubeißenden Eisbären, von knackenden Menschenknochen, von hilflos Flüchtenden, die von 300 bis 800 Kilogramm schweren Eisbären einfach überrannt wurden.

Die Bedrohung bestimmt die Arbeit auf den Eisschollen. Verlassen Forscher die "Polarstern", müssen sie sich von einem Bär-Wächter begleiten lassen, der mit Fernglas und Gewehr bewaffnet ist. Stets besteht Funkkontakt zur Brücke der "Polarstern", wo ein weiterer Ausschau nach Eisbären hält.

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Am Freitagmorgen um acht Uhr war es so weit, es gab Eisbäralarm, berichtet Nadine Michel vom Alfred-Wegener-Institut AWI im Blog der "Polarstern". Die Forscher mussten an Bord bleiben - nicht sie, sondern zwei Bären gingen auf Erkundungstour.

Die Tiere interessierten sich aber weniger für die Natur, sondern für Requisiten, die auf der Eisscholle neuerdings herumstanden. Der größere der beiden Bären musterte eine Markierungsfahne, zog mit ihr von dannen und positionierte sie um. Fahrtleiter Hauke Flores vom AWI gelang ein Foto des Geschehens.

"Glücklicherweise kam niemand zu Schaden", schreibt Nadine Michel. "Und am Ende waren die Speicherkarten der vielen Digitalkameras gefüllt mit preisverdächtigen Bildern."

boj

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