Eisbären "Einstweilen wird es keine neuen Schutzmaßnahmen geben"

Hoch im Norden Norwegens haben sich Diplomaten der Polarstaaten in dieser Woche zu einer Eisbärenkonferenz getroffen. Doch was hat das Treffen für die Situation der weißen Riesen konkret gebracht? SPIEGEL ONLINE hat mit dem norwegischen WWF-Chef gesprochen.


SPIEGEL ONLINE: Nach fast 30 Jahren haben sich die Polarstaaten zum ersten Mal zu einer Eisbärenkonferenz getroffen. Haben sie sich auf neue Schutzmaßnahmen einigen können?

Hansson: Nein, einstweilen wird es keine neuen Schutzmaßnahmen geben. Aber die Staaten haben versprochen, einen neuen Managementplan für die Eisbären im gesamten Polarraum zu erarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt sehr technisch. Welche Länder bremsen denn weitergehende Schritte?

Hansson: Das ist schwer zu sagen. Auf der offiziellen Tagesordnung waren keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen zu finden. Weil wir aus weiten Teilen der Verhandlungen ausgesperrt wurden, wissen wir nicht, was die Staaten im Detail diskutiert haben. Kanada und Grönland hatten darauf gedrängt, unabhängige Beobachter von dem Treffen auszuschließen.

SPIEGEL ONLINE: Was versprachen sich diese Länder von der Geheimniskrämerei?

Hansson: Die offensichtliche Interpretation ist, dass diese Länder nicht mit der größten Herausforderung beim Eisbärenschutz konfrontiert werden wollten. Ich spreche vom Klimawandel und der Verantwortung, die Staaten mit Eisbären hier haben. Norwegen hat dafür gekämpft, die Beratungen für alle zu öffnen. Die USA und Russland haben das unterstützt. Aber weil bei solchen Treffen Einstimmigkeit nötig ist, bekamen Kanada und Grönland, was sie wollten.

SPIEGEL ONLINE: Was gefährdet die Bären mehr, der Klimawandel oder die Jagd?

Hansson: Der Klimawandel ist definitiv gefährlicher. Die Jagd kann mit Hilfe der Schutzvorschriften für die Eisbären geregelt werden. Die Regeln können vergleichsweise einfach angepasst werden, wenn die Wissenschaft das für nötig hält. Klimawandel ist dagegen eine globale Gefahr, der man auf einer viel höheren Ebene begegnen muss. Er ist die fundamentale Bedrohung für die schiere Existenz der Eisbären. Wenn sich die Menschheit nicht damit befasst, wird die Zukunft der Tiere nicht mehr lange dauern.

SPIEGEL ONLINE: Was uns zu der Frage bringt, wie viele Eisbären es in der Arktis eigentlich noch gibt. Gab es hier neue Informationen?

Hansson: Nach unseren Erkenntnissen nicht. Jeder Staat hat seine Informationen präsentiert, ebenso die Polar Bear Specialist Group der World Conservation Union (IUCN). Die globale Eisbärenpopulation wird auf 25.000 Tiere geschätzt, diese Zahl ist allerdings alles andere als sicher. In einigen wichtigen Populationen konnten Forscher einen Rückgang der Zahlen feststellen, in vielen anderen Populationen wissen wir einfach zu wenig.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat das Treffen denn nun geholfen, die Situation der Eisbären zu verbessern?

Hansson: Die Arbeit ist jetzt auf dem richtigen Weg. Die beteiligten Länder haben endlich anerkannt, dass der Klimawandel eine Gefahr für die Eisbären ist. Obwohl das nach einer völlig offensichtlichen Feststellung klingt, war am Anfang des Treffens nicht klar, dass sich die Staaten darauf einigen könnten. Und die Verpflichtung, einen neuen Managementplan für die Eisbären im gesamten Polarraum zu erarbeiten, der bedeutet, dass die Staaten jetzt konkrete Schritte unternehmen müssen. Sie müssen viel häufiger Treffen zum Schutz der Tiere ansetzen - und spezifische Punkte angehen, die wichtig für die Eisbären sind.

Das Interview führte Christoph Seidler.

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