Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erbgut-Analyse: Klimawandel treibt Eisbären nach Norden

Bedrohte Räuber: Tauwetter schrumpft Eisbär-Lebensraum Fotos
Corbis

Der Klimawandel zwingt Eisbären, immer weiter nach Norden auszuweichen. Genetische Untersuchungen zeigen, dass der Trend mit der jüngsten Eisschmelze begonnen hat.

Die Arktis ist ein Hotspot des Klimawandels: Die Temperaturen im hohen Norden steigen weit schneller als im globalen Durchschnitt. Da liegt es nahe, eine Gefahr für die Eisbären anzunehmen - denn die größten Landraubtiere gehen auf dem Packeis auf die Jagd nach Robben, und die Meereisbedeckung in der Arktis ist in den vergangenen Jahren rapide zurückgegangen.

Eine neue Studie gibt diesen Befürchtungen nun neue Nahrung. Anhand des Erbguts von rund 2800 Eisbären haben Forscher herausgefunden, dass die Tiere nach Norden ausweichen - in Richtung des kanadisch-arktischen Archipels, wo sich das Meereis derzeit noch länger hält als weiter südlich.

Den Verdacht, dass eine derartige Wanderung stattfindet, hegen Forscher schon länger. Doch mit den sonst üblichen Beobachtungen, bei denen Eisbären etwa markiert oder mit GPS-Sendern ausgestattet werden, können nur wenige Tiere über kurze Zeiträume verfolgt werden. Die Genstudie, die jetzt im Online-Fachmagazin "Plos One" veröffentlicht wurde, lässt dagegen Rückschlüsse auf langfristige Migrationen zu.

Auch letztes Refugium vom Klimawandel bedroht

"Durch die Untersuchung des Erbguts können wir abschätzen, in welchem Maß und in welcher Richtung sich Gene verbreiten", erklärt Elizabeth Peacock von der US-Geologiebehörde USGS. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Nordwanderung der Eisbären erst in den vergangenen drei Generationen eingesetzt habe - also mit dem jüngsten Meereisverlust zusammenfalle. "In unseren Analysen, die sich auf weiter zurückliegenden Genumlauf konzentriert haben, konnten wir keine solche Bewegung feststellen", so Peacock.

Außerdem habe man festgestellt, dass bisherige Satelliten-Beobachtungen die Wanderung nach Norden unterschätzt haben. Da bei Männchen der Hals dicker ist als der Kopf, können nur Weibchen mit GPS-Halsbändern ausgestattet werden. Doch die sind laut den neuen Ergebnissen deutlich ortsfester als die Männchen.

Die neue Studie zeigt, dass die Eisbären aus nahezu allen Regionen rund um die Arktis in Richtung des kanadisch-arktischen Archipels wandern - und dass diese Gegend möglicherweise zum letzten Refugium der Art werden könnte. Es wäre wohl nicht das erste Mal: Die Genanalyse enthält Hinweise darauf, dass der kanadisch-arktische Archipel und die nördliche Beaufort-See schon in früheren Warmphasen den Eisbären als Zuflucht dienten.

Doch diese Hoffnung könnte sich diesmal als trügerisch erweisen. Im November 2014 hatten Klimasimulationen ergeben, dass der kanadisch-arktische Archipel im letzten Viertel unseres Jahrhundertsfünf Monate pro Jahr eisfrei sein werde. Damit wäre eine für die Eisbären kritische Schwelle unterschritten, so die Forscher.

Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie andere Regionen

Wie dramatisch die Temperaturen in der Arktis steigen, hatte erst im Dezember die US-Ozean- und Meeresbehörde NOAA in ihrer "Arctic Report Card" verdeutlicht. Demnach erwärmt sich der hohe Norden doppelt so schnell wie niedrigere Breiten. Die Folge sei ein rasanter Eisverlust an Land und auf See und Veränderungen von Fischwanderungen.

Die Zahl der Eisbären im westlichen Hudson Bay sei zwischen 1987 und 2011 von rund 1200 auf 800 gefallen, vor allem weil das Meereis früher im Jahr aufbreche und später zurückkomme. In der südlichen Beaufort-See habe sich die Eisbärpopulation derzeit bei etwa 900 Exemplaren stabilisiert - nachdem sie zwischen 2004 und 2006 um 25 bis 50 Prozent zurückgegangen sei.

Dass die Eisbären sich an die neuen Bedingungen anpassen können, erscheint fraglich. "Eisbären haben über Zehntausende von Jahren ihren Stoffwechsel und ihre Ernährung auf fettreiche Meeressäuger wie Robben abgestimmt", sagte Todd Atwood vom Alaska Ice Center. "Die aktuelle Erwärmung in der Arktis passiert zu schnell, als dass sie das ändern könnten."

mbe

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wie?
paulroberts 17.01.2015
ich dachte, es gibt keinen Klimawandel.Oder sind wir schon in der nächsten Phase: es ist eh zu spät, was solls? Die nächste/letzte Phase wird übel.
2. Bei den Fotos
norman.schnalzger 17.01.2015
kriegt man ja nen !ach, sind die süß-Anfall.
3. waren das nicht 4 Phasen?
SATire 17.01.2015
Die Phasen der Trauer - je nach Wahl unserer Aktionen in diesen Jahren wegen z.B. Verlust der Eisbären, unserer gewohnten Lebensgrundlage oder des lieb gewonnenen Verbrennens fossiler Brennstoffe - sind m.W.: Erste Phase: Leugnen, Nicht-wahr-haben-wollen Zweite Phase: Intensive aufbrechende Emotionen Dritte Phase: Suchen, Finden, Loslassen Vierte Phase: Akzeptanz und Neuanfang Da ist die jetzt beim Spiegel offensichtlich beginnende Phase 2 am unangenehmsten, oder? Auf Phase 3&4 freue ich mich, bei der Zeit liest sich das diesbezüglich schon ganz gut. Und für uns bleibt endlich mal was sinnvolles zu tun statt in Art einen Kleinkindes immer nur mehr von allem konsumieren zu müssen.
4. Einreisebestimmungen beachten
tailspin 17.01.2015
Die Eisbaerenwanderung nach Norden ist ja kein Problem, wolange es noch Eis gibt. Problematisch wird es erst, wenn sich die Eisbaeren auf dem letzten Eisberg am Nordpol gegenseitig auf die Fuesse treten. Dann hilft nur noch schwimmen. Ziel Kanada, Groenland oder Russland.
5. Nicht die Eisbären, sondern
megamekerer 17.01.2015
deren Futter wandert nach Norden, da haben die arme Eisbären kein andere Wahl, sonst hätten sie sich in irgendein Zoo gemeldet!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Überraschende Beziehung: Verwandte Bären, braun und weiß

Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: