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Lange Arktis-Sommer: Eisbären fehlt der Energiesparmodus

Shawn Harper

Wird die Nahrung knapp, brauchen Eisbären weniger Energie. Das rettet sie bislang über Hungerzeiten im arktischen Sommer. Um der Erderwärmung zu trotzen, ist die Sparfunktion jedoch zu schwach.

Im Winter ist die Welt des Eisbären in Ordnung. Die niedrigen Temperaturen schaffen Land, wo vorher Wasser war und dem Eisbär weite Gebiete zur Robben-Jagd. Dann kommt der Sommer und mit ihm die Fastenzeit: Das Eis schwindet und mit ihm die Fläche, die dem größten Landraubtier der Erde zum Jagen bleibt.

Dass Eisbären im Sommer weniger Nahrung finden, ist normal. Doch durch die Erderwärmung schmilzt das Eis am Nordpol früher, der arktische Sommer wird länger - und bringt die Eisbären an ihre Grenzen, berichten Forscher im Fachmagazin "Science". Der Klimawandel könnte demnach schneller zur ernsten Gefahr für die Art werden, als erwartet.

Gibt es nichts zu fressen, drosseln Eisbären ihren Energieverbrauch. Einige Biologen hatten vermutet, dass die Tiere so auch den länger werdenden Hungerzeiten trotzen können. Sie gingen davon aus, dass Eisbären im Sommer in eine Art wachen Winterschlaf verfallen, in dem sie sich kaum mehr bewegen und ihren Stoffwechsel extrem herunterfahren.

Schlechter Energiesparmodus

Zumindest in der nördlichen Population der zwischen Kanada und Alaska gelegenen Beaufort-See scheint das jedoch nicht der Fall zu sein. John Whiteman von der University of Wyoming und Kollegen haben dort zwischen 2008 und 2009 26 Eisbären im Alter von 3 bis 20 Jahren mit Daten-Sendern ausgestattet. Die Forscher erfassten die Aktivität und die Körpertemperatur der Bären.

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Eisbären: Räuber auf Eis
Tatsächlich sank im Sommer die durchschnittliche Körpertemperatur der Tiere ein wenig - zwischen Mai und September von 37,3 auf 36,6 Grad. Das könnte den Energieumsatz leicht reduzieren, berichten die Forscher. Allerdings liege die Einsparung deutlich unter den erhofften Werten und liefere keine Hinweise auf einen wachen Winterschlaf. Stattdessen sei die Temperaturänderung typisch für fastende Säugetiere, die keinen Winterschlaf halten.

"Die Daten legen nahe, dass die Bären gefährliche Gewichtsabnahmen im Sommer nicht vermeiden können", sagt Whiteman. Das vermindere die Überlebenschancen, wenn das Arktiseis immer früher schmelze. Ob die Erkenntnisse für alle Eisbärpopulationen gelten, müssen größere Untersuchungen zeigen.

Tendenz zum Langstreckenschwimmer

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es aber auch laut der aktuellen Untersuchung: Schwindet das Eis, müssen Eisbären auf Nahrungssuche große Strecken im Eiswasser schwimmen, um von Eisplatte zu Eisplatte zu gelangen. Das kostet viel Wärme und Energie. Auf diese Herausforderung ist ihr Körper aber offenbar gut vorbereitet - ein Hinweis, dass Eisbären Nahrungskrisen doch überstehen könnten.

Die Daten der Forscher liefern Hinweise, dass die Tiere die Temperatur ihrer äußeren Körperschichten gezielt herunterkühlen und je nach Körperregion variieren können. Ähnlich wie bei frierenden Menschen, allerdings in größerem Maßstab, ziehen sich bei den Bären im Eiswasser die Gefäße der äußeren Gewebeschichten zusammen, vermuten die Forscher. Die Durchblutung an der Oberfläche wird stark verringert.

Während die schlecht durchbluteten Bereiche auskühlen, bleibt es im Inneren des Körpers, wo wichtige Organe wie Herz und Lunge sitzen, warm. Auch tauchende Pinguine nutzen das Prinzip. Wie lange der Schutz Eisbären beim Schwimmen vor Kälte schützen kann, muss allerdings noch geklärt werden.

In der aktuellen Untersuchung berichten die Forscher von einem Extremfall: Eines der von ihnen beobachteten Eisbärweibchen ist neun Tage ununterbrochen durchs Eiswasser geschwommen. Als die Wissenschaftler das Tier sieben Wochen später erneut untersuchten, hatte es allerdings 22 Prozent seiner Körpermasse und sein Jungtier verloren.

Letzte Refugien in Gefahr

Ob der Eisbär die Erderwärmung überstehen kann, ist ungewiss. Im Januar 2015 zeigte eine Erbgutanalyse, dass der kanadisch-arktische Archipel und die nördliche Beaufort-See den Tieren in früheren Warmphasen als Zuflucht gedient hatten. Diesmal könnte das allerdings schwierig werden, sollte die Erwärmung extrem ausfallen.

Im November 2014 berichteten Forscher auf der Grundlage von Klimasimulationen, dass der kanadisch-arktische Archipel im letzten Viertel unseres Jahrhunderts fünf Monate pro Jahr eisfrei sein wird. Damit wäre eine für die Eisbären kritische Schwelle überschritten, so die Forscher. Nach Angaben der amerikanischen Wetter- und Ozeanbehörde NOAA vom Dezember 2014 erwärmt sich die Arktis bereits jetzt doppelt so schnell wie niedrigere Breiten.

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Tja
melaw 17.07.2015
und beim Menschen ist es genau andersrum. Wir haben denselben Mechanismus, vorhandene Nahrung zu speichern und bei Not die Reserven zu haushalten. Deswegen sind wir ja alle dick und werden durch eine Diät erst schwach und dann erst schlank. Garnicht so einfach, den Mechanismus auszutricksen.
2. Humbug
breakthedawn 17.07.2015
Unglaublich, dass es noch immer Menschen gibt, die an die "Erderwärmung" glauben.
3.
condor99 17.07.2015
Das man andererseits Tausende Baby Robben abschlachtet wegen des Pelzes ist da nicht erwähnenswert? Da ist auch kein Zusammenhang. Nur das das Klima ist hier wesentliche. Wiedermal sehr einseitig.
4.
mailo 17.07.2015
Künstliche Schwimmende Inseln anlegen....Wie man die über den Winter bringt? Keine Ahnung.
5. Eisbaeren
Nonvaio01 17.07.2015
sind eine laune der natur, die stamen alle von Braunbaeren ab, das Fell hat sich nur angepasst im laufe der Zeit. Und solange gibt es die auch noch nicht wenn man das mal relativ betrachtet.
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